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"Pinneberg ist nicht sehr behindertenfreundlich"

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erstellt am 29.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | Schon in ihrer Kindheit litt die Pinnebergerin Sigrun von Appen (48) immer wieder an Taubheitsgefühlen im Arm. Während des Studium schlief sie in den Vorlesungen ein. Doch erst mit 29 erhielt von Appen die Diagnose: Multiple Sklerose (MS). "Mein Arzt wollte es mir erst gar nicht sagen. Ich habe selbst in meinen Unterlagen nachgeschaut und ihn dann damit konfrontiert", erzählt von Appen. MS ist eine entzündliche Erkrankung von Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark. Die Krankheit ist bisher unheilbar, verläufend schleichend oder in Schüben und führt zu einer Vielzahl von Symptomen. Von Lähmungen bis zu Sehstörungen und Erschöpfungszuständen.

Um mit der fortschreitenden Krankheit umzugehen, schloss sich von Appen zunächst einer Selbsthilfegruppe in Schenefeld an. Dort traf sie weitere betroffene Pinnebergerinnen. "Irgendwann haben wir gesagt: Bevor wir ständig nach Schenefeld fahren, machen wir doch einfach zu Hause unsere eigene Gruppe auf."

2011 organisierte von Appen zusammen mit Karin Rahlf und Silke Hansch-Kock das erste Treffen der MS-Gruppe Pinneberg. Mittlerweile sind sie 18 Mitglieder im Alter von 35 bis 76 Jahren.

"Wir treffen uns einmal im Monat und tauschen uns über unsere Erfahrungen im Alltag und bei der Therapie aus." Auch die Möglichkeit, immer ein offenes Ohr zu finden, ist für alle Betroffenen wichtig. "Man möchte ja auch nicht immer dem Partner oder Freunden etwas vorjammern", sagt von Appen. An der Belastung durch die chronische Krankheit würden viele Beziehungen zerbrechen.

Die subtileren Erscheinungsformen von MS sind für Außenstehende oft nicht sichtbar. "Wer unter Erschöpfung oder Konzentrationsstörungen leidet, stößt in seiner Umwelt nicht immer auf Verständnis." Dabei leiden in Deutschland mehr als 122 000 Menschen an Multipler Sklerose. Neben der gegenseitigen Hilfe, will die Gruppe auch verstärkt auf die Krankheit und die damit einhergehenden Probleme aufmerksam machen.

"Vielen Autofahrern ist zum Beispiel überhaupt nicht klar, welche Schwierigkeiten sie Rollstuhlfahrern bereiten, wenn sie abgesenkte Bordsteinkanten zuparken." Als die Gruppe einen Ausflug für den heutigen Welt-Multiple-Sklerose-Tag plante, stellten die Mitglieder auch schnell fest: In Pinneberg gibt es kein richtig barrierefreies Restaurant mit genügen Platz für Rollstühle und behindertengerechten Toiletten. "Pinneberg ist insgesamt keine sehr behindertenfreundliche Stadt", urteilt von Appen.

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