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Interview : „Pinneberg ist besser als sein Ruf“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) sagt, welche Projekte auf ihrer Agenda 2017 ganz oben stehen.

von
erstellt am 29.Dez.2016 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Anfang 2017 soll mit dem Bau des Busbahnhofes begonnen werden. Das sagt Bürgermeisterin Urte Steinberg im Gespräch mit unserer Zeitung. Es ist eines von mehreren Großprojekten, die in Angriff genommen werden – wie die Umgestaltung der Innenstadt.

Frage: Was wird das Jahr 2017 für Pinneberg aus Ihrer Sicht bringen?

Urte Steinberg: Ganz allgemein: Die konsequente Fortführung des eingeschlagenen Kurses. Altes aufarbeiten und die Stadt für die Zukunft fit machen. Es gibt im nächsten Jahr drei große Prioritäten: Die Sanierung der Schulen, die Erstellung der Jahresabschlüsse für die Jahre 2011 und 2012 und den Weiterbau der Westumgehung. Nur mit den Jahresabschlüssen werden wir die Haushaltsgenehmigung erhalten, wie in 2016 jeweils in Teilschritten. Deshalb haben die Jahresabschlüsse umso mehr höchste Priorität, damit alle anderen Projekte fortgeführt werden können.

Kann es zu Verzögerungen kommen?
Bauverzögerungen wären nicht gut, denn an vielen Maßnahmen hängen Fördermittel. Als Erstes denken viele an die Schulen und die Westumgehung. Ein weiteres Beispiel ist die Innenstadt. Wir brauchen aus Kiel die Genehmigungen für die weitere Umgestaltung der Innenstadt. Die Straße Am Rathaus soll umgebaut werden, damit der Sonnabendmarkt in die Innenstadt verlegt und die geplante Fußgängerzone in der Bismarckstraße eingerichtet werden kann. Ohne die noch ausstehende Zustimmung des Innenministeriums zu den Städtebaufördermitteln hängen wir weiter in der Luft. Im Januar werde ich persönlich nach Kiel fahren und für die Mittel werben.

Ist die Umstrukturierung im Rathaus abgeschlossen?
Ich habe mich nach intensiven und gründlichen Beratungen – mit externen Expertinnen und Experten – dazu entschlossen, die organisatorischen Rahmenbedingungen im Rathaus zu verändern. Meines Erachtens nach greifen die Veränderungen und es gibt sichtbare Fortschritte, zum Beispiel bei den Jahresabschlüssen. Zur Schulbausanierung sind strukturelle Änderungen erfolgt, Verschlankungen in den Prozessen sollen in 2017 umgesetzt werden. Ich werde die Stadtverwaltung auch im nächsten Jahr beständig im Auge behalten, weiter analysieren und, wenn es notwendig sein sollte, in Abstimmung mit der Politik verändern. Erst einmal freue ich mich auf die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei uns anfangen. Auf freie Stellen bekommen wir exzellente Bewerbungen, was mir zeigt, dass unsere Stadtverwaltung als Arbeitgeber attraktiv ist.

Die wichtigsten Bauprojekte in 2017...?
Da gibt es eine ganze Reihe von Projekten. Zu den Schulen: An den meisten Schulen wird 2017 saniert. Vorrang haben die großen Bauvorhaben an der GuGS, der JCS und der THS sowie Brandschutzmaßnahmen wie zum Beispiel Brandschutztreppen. Zum Komet: Hier erwarte ich den Bau in 2017. Zur Infrastruktur: Das Kreishausareal wird fertig gestellt sein, es soll mit dem Hauptgebäude der Internationalen Schule losgehen und sobald die Leitungsarbeiten der Stadtwerke auf der ehemaligen P&R-Fläche am Bahnhof abgeschlossen sind und die Witterung es zulässt, wollen wir Anfang 2017 mit dem Bau des neuen Busbahnhofes beginnen. In der Parkstadt Eggerstedt rechne ich mit dem Baubeginn der wichtigen Gewerbeprojekte und der Fertigstellung eines Großteils der Wohngebäude. Wenn die Gespräche mit den Projektentwicklern so konstruktiv wie bisher verlaufen, werden wir weitere gewerbliche Grundstücke verkaufen und damit den Grundstein für Bauprojekte ab 2018 legen.

Wie ist der Stand beim städtebaulichen Vertrag für das Ilo-Gelände?
Investoren und Verwaltung sind weiterhin in intensiven Gesprächen. Bebauungsplan und städtebaulicher Vertrag müssen aufeinander abgestimmt sein, und daran wird gerade gearbeitet. Dass es an der einen oder anderen Stelle zu Verzögerungen kommt, ist bei Projekten dieser Größenordnung üblich. Entscheidend ist, dass die Investoren von Matrix nach wie vor in Pinneberg bauen wollen. Gründlichkeit geht hier vor Schnelligkeit, damit die besten Lösungen gefunden werden.

Sind neue Ansiedlungen geplant?
Auf jeden Fall. Viele Firmen sind nach wie vor daran interessiert, nach Pinneberg zu kommen. Wir können jedoch nur einen Teil der Anfragen bedienen, den anderen Kommunen im Kreis geht es nicht besser. Die aktuelle Industriestudie der IHK zu Kiel hat uns dies noch einmal verdeutlicht. Gewerbeflächen sind im gesamten Kreis knapp. Damit die Firmen das passende Grundstück finden, müssen wir unsere interkommunale Zusammenarbeit weiter optimieren.

Werden alle vorgesehenen Maßnahmen 2017 an den Schulen realisiert?
Den Haushalt 2017 durch das Land schneller genehmigen zu lassen als im Jahr 2016 ist unser erklärtes Ziel. Wie in 2016 gehe ich von Teilgenehmigungen aus. Wir sind in einem guten Prozess und das sieht auch Kiel. Man begleitet unsere gemeinsamen Bemühungen sehr konstruktiv. Was die Schulbauprojekte angeht, ist es das Ziel, die in den Haushalt eingestellten Mittel auch auszugeben. Ich setze hierbei auf Effizienzsteigerungen in der Kernverwaltung und beim Kommunalen Servicebetrieb. Ein Weg dahin ist die bessere Abstimmung und Kommunikation. Darauf habe ich die Beteiligten in Workshops eingeschworen.
Richten Sie bitte ein paar Worte an die Schulallianz. Schulallianz, Verwaltung und Politik haben die gleichen Ziele. Wir wollen alle, dass die Schulsanierung so schnell wie irgend möglich abgeschlossen wird. Auch für mich persönlich haben die Schulen höchste Priorität. Angesichts des immensen Staus, der seit mehr als zehn Jahren besteht, müssen wir die Zeit aufholen und die Arbeitsabläufe weiter straffen. Lösungen und Ideen sind gefragt. Das alles ist auf gutem Weg.

Stichwort Bordell in der Friedensstraße: Wann kommt der Sichtschutz?
Ich habe durch Vermittlung und Gespräche mit beiden Seiten Kompromisse ausgelotet. Die Umsetzung ist Aufgabe der privaten Eigentümer und Mieter.

Pinneberg war 2016 erneut im Interesse überregionaler Medien – was werden Sie für ein besseres Image der Stadt tun?
Als Bürgermeisterin leite ich eine Verwaltung mit 250 Mitarbeitern und sorge dafür, dass ordentliche Arbeit für die Bürger und Firmen geleistet wird. Dass interne und vertrauliche Vorgänge nach draußen gelangt sind und es anonyme Vorwürfe gibt, über die berichtet wird, ist nicht gut für das Image. Denn Pinneberg ist deutlichst besser als sein Ruf. Je mehr die Medien über die vielen positiven Veränderungen berichten, umso besser wird dann auch das Image. Nehmen Sie nur den Erfolg der Parkstadt oder die Innenstadtentwicklung, wo zahlreiche neue Gebäude bereits stehen und genutzt werden und sich viele neue Geschäfte angesiedelt haben. Tue Gutes und rede darüber, das ist immer noch eine gute Strategie.

Wenn Sie eine Woche Chefredakteurin unserer Zeitung wären, was würden Sie ändern?

Ich glaube, dass Ihre Leserinnen und Leser mehr Mutmacher-Geschichten über unsere Stadt lesen wollen. Warum Menschen hier gerne leben, warum immer mehr aus dem Umland und aus Hamburg hier herziehen wollen. Das ist so interessant, dass ich mehr Berichte darüber im Blatt platzieren würde. Was macht Pinneberg lebens- und liebenswert? Das lesen doch auch unsere vielen Neubürger gerne. Man möchte sich mit seiner Stadt identifizieren und sich wohlfühlen. Dann steigt das Wir-Gefühl.

Was wünschen Sie sich von den Pinneberger Bürgern?
Viele Bürgerinnen und Bürger sind stolz auf unsere Stadt, auf die tollen Feste, das gerade zum fünften Mal dagewesene Weihnachtsdorf, die vielen Sport- und Kulturmöglichkeiten, auf Natur satt und die kurzen Wege. Darüber sollten wir alle noch mehr nach außen tragen und es all denen sagen, die noch Argumente brauchen, warum es sich lohnt, in Pinneberg zu leben und zu arbeiten. Als Botschafter für die eigene Stadt aufzutreten, das zahlt sich letztlich für alle aus.

Wie lautet Ihr guter Vorsatz als Privatperson für 2017?
Ich möchte gerne wieder mehr Sport treiben.

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