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Trauriger Rekord : Pinneberg: Immer mehr Tiere in Not

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Tierschutzverein Pinneberg muss häufiger ausrücken. 238 Fahrten absolvierten die Ehrenamtlichen im vergangenen Jahr. Einmal ist eine Königsboa in einem Mietshaus ausgebüxt.

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erstellt am 08.Feb.2017 | 17:30 Uhr

Pinneberg | Die Boa constrictor, auch Königsschlange, Königsboa oder Abgottboa genannt, ist eine von Mexiko bis ins südliche Südamerika verbreitete Art. So steht es im Lexikon. Doch auch in Deutschland ist sie zu finden. Nicht in der Natur, sondern im häuslichen Terrarium. Oft führt das zu gefährlichen Situationen.

Wie in Pinneberg: Im vergangenen Jahr büxte in einem Wohnblock an der Berliner Straße eine Würgeschlange aus. „Der Besitzer stand unter gesetzlicher Betreuung und ließ sie aus dem Terrarium“, berichtet Peter Dorendorf, Sprecher des Tierschutzvereins Pinneberg. Noch bevor die Schlange in den Schacht gelangen und zu einer Gefahr für die Hausbewohner werden konnte, wurde sie eingefangen – in letzter Sekunde.

6000 Kilometer zurückgelegt

Das war nur eine von 238 Fahrten, die der Tierschutzverein 2016 leistete. 2015 waren es zuvor 174. Dorendorf und Brigitte Meier, die Vorsitzende des Vereins, ziehen ein nachdenklich stimmendes Fazit: „Wir haben in dem Jahr einen traurigen Rekord in Sachen Tierschutzfahrten aufgestellt“, sagt Dorendorf.

6000 Kilometer haben die beiden, auf deren Schultern fast die ganze Arbeit lastet, während der vergangenen zwölf Monate auf den Straßen des Kreises Pinneberg zurückgelegt. Fahrten zu Tieren in Not, zu Beratungsgesprächen bei Haltern, Vor- und Nachkontrollen bei Vermittlungen und zur Sicherstellung von Tieren.

Aber es sind nicht nur Exoten wie Schlangen, die eingefangen werden müssen. Auch ein verletzter Mäusebussard musste zur Wildtierstation gebracht werden. Und immer wieder die Klassiker: 33 Hunde, 56 streunende Katzen und 20 ausgesetzte Meerschweinchen mussten wieder eingesammelt werden.

Besitzer wurden drei Ponys weggenommen

Ein weiterer unschöner Trend: „Es gibt Besitzer, die die Pflege ihrer Tiere aus Geldgründen vernachlässigen“, sagt Dorendorf. Alle sechs Wochen müssten Pferde zum Hufschmied. Unterlässt man es, sind die Folgen für die Pferde schmerzhaft: Die Hufe verwahrlosen und ähneln Schnabelschuhen. Dorendorf berichtet von einem solchen Fall in Kummerfeld. „Weil der Besitzer seine drei Ponys nicht versorgt hat, wurden sie ihm weggenommen.“ Dass die Tiere dann beim Schlachter landen, muss niemand befürchten: „Sie wurden wieder verkauft. Wir haben die Nachweise bekommen.“

Manchmal sorgen sich die Menschen auch, dass die Tiere bei Kälte auf der Weide stehen und kein Wasser oder Futter da ist. Jeder Fall wird vom Verein bearbeitet. Ist der Vorwurf berechtigt, werden das Ordnungsamt beziehungsweise das Kreisveterinäramt eingeschaltet. Manchmal ist es auch falscher Alarm. Aber: „Lieber einmal zu viel anrufen, als einmal zu wenig“, so Dorendorf.

„Lasst eure Tiere chippen und meldet sie an“

Eine eindringliche Bitte haben die beiden Tierschutzbeauftragten: „Lasst eure Tiere chippen und meldet sie umgehend bei dem Haustierregister oder bei Tasso an“, sagt der Sprecher. Nur so sei es möglich, die entwichenen und vom Verein gefundenen Tiere wieder ihren rechtmäßigen Besitzern zuzuführen. „Sagt nicht, mein Tier läuft nicht weg. Es passieren die unmöglichsten Situationen, in denen so etwas geschehen kann.“

Im Falle von Igeln haben die Tierschutzbeauftragten einen großen Wunsch: „Lasst die Igel in der Freiheit zufrieden. Solange die Außentemperaturen in den Plusgraden sind, können auch untergewichtige Tiere überleben.“

Bis zu 40 hilfebedürftige Tierhalter kommen zur Tiertafel

Ein großes Anliegen ist Dorendorf die Tiertafel Pinneberg. Sie befindet sich gleich neben dem Vereinshaus am Hafen in der Kreisstadt. „Es ist mein Baby“, sagt er. 2012 hat er sie ins Leben gerufen. Jeweils am zweiten und letzten Sonnabend im Monat öffnet sie und erfreut sich großer Beliebtheit: „Bis zu 40 hilfebedürftige Tierhalter kommen zu jedem Termin.“ Ehrenamtliche Mitarbeiter verteilen das Futter. Die Spenden kommen von Firmen oder Privatleuten. „Bei Bedarf wird benötigtes Futter auch zugekauft.“ Wichtig sei, dass die Tierhalter sich mit einem Euro an den Kosten beteiligen.

Fehlt nur noch der Ausblick : 2017 ist für den Verein, der aktuell 251 Mitglieder zählt, ein ganz besonderes Jahr. Er besteht seit 60 Jahren, auch wenn er 2007 kurz vor dem Aus stand. Über die Feierlichkeiten werden Dorendorf und Meier demnächst berichten.

„Wir arbeiten gut zusammen“, sagt die Vorsitzende Meier abschließend. Die Motivation für ihre Arbeit sei die Liebe zu den Tieren.

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