zur Navigation springen

Verwaltung stellt Konzept vor : Pinneberg: Flüchtlingsunterkunft statt Theater

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Ernst-Paasch-Sporthalle soll Erstanlaufstelle für Asylbewerber werden. Das letzte Wort hat die Politik.

Pinneberg | Unterbringung, Willkommenskultur und Integration – das sind die drei Bausteine des Konzepts für Flüchtlinge und Obdachlose der Stadt Pinneberg. Hierzu ist eine Arbeitsgruppe initiiert worden, an der sich die Ordnungsamtsleiterin, die Gleichstellungsbeauftragte, ein Architekt vom Gebäudemangement sowie die jeweiligen Fachdienstleiter der Bauverwaltung und der Sozialen Dienste beteiligt haben. Büroleiter Marc Trampe, der die Arbeitsgruppe koordiniert, stellte das Konzept gestern der Presse vor.

Fakt ist, dass die Kapazitäten der Stadt erschöpft sind: 186 Flüchtlinge und 94 Obdachlose sind derzeit unter anderem in städtischen Unterkünften und Hotels untergebracht. Doch das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht: „Wir erwarten für 2015 einen Zugang an Flüchtlingen von 130 Personen plus X“, sagte Trampe. Darunter Menschen aus Syrien, Afghanistan, Serbien, Eritrea, dem Iran und dem Irak.
Unterbringungsmöglichkeiten müssen also her.

Deswegen schlägt die Verwaltung vier Maßnahmen vor, die laut Trampe alle schnell umsetzbar seien. So soll die Ernst-Paasch-Halle, derzeit noch Spielstätte des Forum-Theaters, für die vorübergehende Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Hier könnten 25 Personen untergebracht werden. Eine weitere Möglichkeit sei, Container zu kaufen und sie auf dem Parkplatz der Sportanlagen Müßentwiete aufzustellen. 32 Flüchtlinge hätten in den Containern Platz.

Als dritte Maßnahme sieht die Stadt vor, den leer stehenden Kindergarten Im Horn für die Unterbringung von Familien aus Krisengebieten zu nutzen. 40 Personen kämen dort unter.

Zu guter Letzt sehen die Überlegungen der Arbeitsgruppe vor, das städtische Haus an der Schauenburger Straße zu sanieren, so dass dort in den Wohnungen Raum für zwölf Personen geschaffen werden könnte. Die Investitionskosten betragen insgesamt 915.000 Euro. Außerdem würden für 2015 noch 61.667 Euro Bewirtschaftungskosten anfallen. Das Geld soll in den noch nicht beschlossenen Haushalt 2015 eingestellt werden, sollte die Politik dem Konzept der Verwaltung in allen Punkten zustimmen.

 

Würden alle vier Vorschläge umgesetzt werden, hätten 109 Asylbewerber eine Unterkunft. Um weitere Flüchtlinge unterzubringen, bittet die Stadt um Mithilfe aus der Bevölkerung. Wer Wohnraum zur Verfügung hat, sollte sich bei der Stadt unter Telefon 04101-211264 melden. Eine weitere Möglichkeit wäre, die städtischen Grundstücke über Investorenmodelle bebauen zu lassen. Als Beispiel nannte Trampe das Areal westlich des Moorwegs.

Die Stadt möchte davon weg, bei der Unterbringung von Flüchtlingen auf Hotels und Pensionen zurückzugreifen, da diese wegen der Kostenerstattungsproblematik mit dem Kreis Pinneberg nur für kurze Zeiträume von zwei Monaten geeignet seien, so Trampe. Ab dem dritten Monat werden nur noch die Kosten bis zur Mietobergrenze von 396 Euro pro alleinstehende Person erstattet. Was darüber hinausgeht, zahlt die Stadt. Das hatte dazu geführt, dass im vorigen Jahr Kosten in Höhe von 80.000 Euro für die Stadt angefallen sind, die nicht vom Kreis übernommen wurden.

Des Weiteren ist seitens der Stadt ein Angebot von vier zusätzlichen Deutsch-Sprachkursen für etwa 80 Flüchtlinge durch die Volkshochschule Pinneberg geplant. Die Teilnahme soll über den Sozialpass der Stadt gefördert werden. Außerdem werden Flüchtlinge mit Aufenthaltsstatus von mindestens einem Jahr bei der Suche nach eigenem kostengünstigen Sozialwohnraum durch die Wohnungsvermittlungsstelle der Stadt unterstützt.

Für den 12. März kündigte Trampe einen Runden Tisch an, zu dem Politik, Verwaltung und die sozialen Einrichtungen der Stadt wie Diakonie, Awo und Vertreter der Kirchen eingeladen wurden. „Das soll der erste Aufschlag für die Schaffung einer Willkommenskultur in Pinneberg sein“, so Trampe.

Am 11. März wird das Konzept im Ausschuss für Soziales, Kinder und Senioren und am 19. März im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen beraten. Die Ratsversammlung wird am 26. März abschließend über das Konzept entscheiden. „Wir wollen, dass Pinneberg für die Flüchtlinge eine Heimat wird“, sagte Trampe. Er sieht auch eine Chance für die Stadt. „Viele der Flüchtlinge sind gebildet und könnten dem Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt entgegenwirken“, so Trampe.

Etwa 7600 Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr neu in Schleswig-Holstein angekommen – in diesem Jahr sollen es noch einmal 20.000 sein. So die Landesregierung in ihrer Prognose. Für den Kreis Pinneberg wäre es eine Zunahme an Flüchtlingen von 2000. Pinneberg müsste dann mit zirka 200 Asylbewerbern rechnen. 
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 03.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert