Nach Schliessung : Pinneberg: Das Kita-Ostermannweg-Debakel

Die Kita Ostermannweg ist wegen des hohen Sanierungsstaus seit Anfang Oktober geschlossen.
Die Kita Ostermannweg ist wegen des hohen Sanierungsstaus seit Anfang Oktober geschlossen.

Zoff um Trägerschaft. Eltern wollen weiterhin evangelische Betreuung. Bauvoranfrage-Genehmigung liegt vor.

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06. Dezember 2017, 14:10 Uhr

Pinneberg | Das Schicksal der Kita Ostermannweg bleibt weiterhin ungewiss. Im Ausschuss für Finanzen wollte Elternvertreterin Jeanine Duphorn Antworten. „Wir wollen, dass die Kita bestehen bleibt, dass eine schnelle Lösung gefunden wird und dass es eine schnelle Zusammenführung aller Kinder gibt“, sagte sie zu Beginn der Sitzung. Doch eine zufriedenstellende Antwort bekam sie nicht. „Jetzt weiß ich nicht mehr als zuvor“, sagte sie nach der Einwohnerfragestunde im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die evangelische Kita Ostermannweg ist durch den Träger aufgrund des hohen Sanierungsstaus Anfang Oktober 2017 geschlossen worden. Die 110 Kinder aus vier Elementar- und zwei Hortgruppen wurden auf andere Einrichtungen verteilt. Für viele Eltern ein Horror: „Eine Mutter zahlt jeden Tag 8,80 Euro für die Busfahrt nach Kummerfeld, wo ihr Kinder untergebracht ist“, berichtete Duphorn.

Sie kämpfen um den Erhalt der evangelischen Trägerschaft: Die Elternvertreterinnen Sabrina Weber (links) und Jeanine Duphorn sowie Andreas Brenner vom Kindertagesstättenwerk Pinneberg.
René Erdbrügger
Sie kämpfen um den Erhalt der evangelischen Trägerschaft: Die Elternvertreterinnen Sabrina Weber (links) und Jeanine Duphorn sowie Andreas Brenner vom Kindertagesstättenwerk Pinneberg.
 

Das Geld bekäme sie nicht wieder. Kein Einzelfall. „Bei einigen Familien wird es wohl dieses Jahr zu Weihnachten ein bis drei Geschenke weniger geben“, sagte sie. Fest steht, dass sich die Politik für einen Neubau ausgesprochen hat. Womöglich auf dem alten Gelände am Ostermannweg. Die Kosten belaufen sich ohne Grundstück auf etwa 2,5 bis drei Millionen Euro.

Während die Eltern der Kita Ostermannweg sich weiter für eine evangelische Trägerschaft aussprechen, will die Politik ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren lostreten. Demnach könnten sich auch andere Träger wie zum Beispiel die Wabe oder die Arbeiterwohlfahrt bewerben. „Das wollen wir nicht. Die Eltern haben sich bewusst für eine evangelische Kita entschieden“, betonte Duphorn.

Andreas Brenner vom Kindertagesstättenwerk Pinneberg sieht das genauso. Er sehe nicht die Notwendigkeit eines Interessenbekundungsverfahrens. Dadurch würde sich der Prozess verzögern. „Wir stellen das Grundstück zur Verfügung. Es hat einen Wert von 500.000 bis 600.000 Euro“, sagte Brenner.

Das wären etwa 25 Prozent Eigenanteil des Trägers. Die Baukosten, das restliche Defizit, müsste die Stadt übernehmen. „Der neue Finanzierungvertrag sieht das auch vor“, sagte Brenner. „Wir könnten übermorgen loslegen“, sagte er, denn dem Kirchenkreis liege eine Bauvoranfrage-Genehmigung vor.

Das Kita-Ostermannweg-Debakel wird Eltern und Politik wohl lange beschäftigen. Die Verwaltung schlägt eine Übergangslösung vor. Dies könnte eine Containeranlage auf dem Marktplatz oder dem Hochbrückengelände sein, die nach derzeitigen Erkenntnissen mit Errichtung, Anschlüssen, Miete, Einrichtung, Rückbaukosten etwa 500.000 Euro für zwei Jahre kosten würde.

Alternativ müsste nach einer Immobilie auf dem Mietmarkt gesucht werden. Am Donnerstag entscheidet die Ratsversammlung, wie es mit der Kita Ostermannweg weitergeht. Beginn im Rathaus ist um 18.30 Uhr.

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