Rettungsringe in der Mühlenau : Pinneberg: Anbaden mal etwas anders

Die Vorbereitungen für das Anbaden.
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Die Vorbereitungen für das Anbaden.

Mehr als 50 Bürger haben an der Kunstaktion der Pinneberger „Feinen Menschen“ teilgenommen.

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30. Januar 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Zugereiste, Wasserliebhaber, Erholungsbedürftige und viele weitere Bürger sind der Einladung der „Feinen Menschen“ am Sonntag gefolgt. Mehr als 50 Bürger trafen sich im Pinneberger Fahlt, um die Anbadeaktion, gemeinsam mit der Kunstgruppe, zu erleben. Der Kunst- und Kulturwissenschaftler Stefan Dupke moderierte das im Zuge des „Kunstkur.laubs 2018“ veranstaltete Vorhaben. Zahlreiche Besucher genossen die humorvolle Aktion und beobachteten, wie die Künstlergruppe ihre Rettungsringe auswarf. Die Feinen Menschen – das sind Gagel, Florian Huber, Mioq und Brigitte Höppner.

Die Gruppe der „Feinen Menschen“ gründete sich im Jahr 2012, um sich der Kunst im öffentlichen Raum vor Ort zu widmen. Die Künstlergruppe erklärte im Jahr 2013 Pinneberg zum Kunstkurort. Das Projekt Kunstkurort ist seitdem Grundlage für verschiedene Aktionen und Wortschöpfungen der „Feinen Menschen“.

Die Teilnehmer wussten die Ausführungen des ehemaligen Drostei-Chefs Dupke zu schätzen. Gemeinsam mit Dupke und Drostei-Chefin Stefanie Fricke zielten sie später, ausgerüstet mit speziellen Kunstkurort-Badetüchern auf Liegestühle. Stefanie Fricke gewann für ihren mit besonderer Schleudertechnik ausgeführten Wurf sogar ein Stück wohlriechende Seife mit Kurort-Siegel. 

„Ich finde es toll, dass es so vielschichtige, humorvolle Aktionen in Pinneberg gibt", freute sich die Drostei-Chefin. Sie nutzte, wie viele andere, die Gelegenheit, um eine Souvenir-Karte als Andenken mitzunehmen.

Mit Kur assoziieren Menschen nach Dupkes Worten die Heilbehandlung, aber beispielsweise auch die Genesung nach einer Operation. „Der Kunstkurort ist ein Ort, wo es Heilmittel gibt und wo man gesund bleiben kann“, erläuterte der Kunstexperte. Es handele sich beim „an.baden“-Projekt um eine Aktion, die nur hier und in der Gegenwart erlebt werden könne. Es sei für das Vorhaben erforderlich, sich Zeit zu nehmen und sich auf eine Reise begeben. Eine Reise ist nach Dupkes Worten immer geprägt von den Erwartungen, die der Reisende an sie stellt. Alain de Botton schreibt beispielsweise davon, dass die Liebe und das Reisen die größten Glücksfaktoren sind. „Die wahrgenomme Qualität der Unternehmung hängt vermutlich von der Vorstellung des Reisenden ab“, ergänzte Dupke.

Der Kunstwissenschaftler erinnerte in seinem Vortrag auch an Pinnebergs einstige Bedeutung als Erholungsort. Vornehmlich Hamburger reisten in der Mitte des 19.    Jahrhunderts mit der Bahn an, um sich in Pinneberg vom Lärm und Dreck der Großstadt zu erholen. Zu den beliebten Ausflugszielen gehörte auch der Mühlensee.

Stefan Dupke kam auf im Projekt integrierte Zusätze wie absurdes Theater und Humor zu sprechen. „Welche Auswirkungen hat Kunst im öffentlichen Raum für die Menschen vor Ort?“, fragte er. Dupke forderte die Teilnehmer auf, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen und ihrem Spieltrieb zu folgen. Mit dem Handtuch-Weitwurf reagierten zahlreiche Menschen auf dessen Vorschlag.

Christa Borchardt und Bernd Otto genossen die Aktion der Künstler. „Es ist toll, dass im Kreis so etwas geboten wird“, sagte Bernd Otto. Die beiden Besucher erlebten die Aktion als „befreiende Vorhaben in der Natur“.

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