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Interview : „Phantasie ermöglicht es, sich in andere Welten zu begeben“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Autor und E.T.A.-Hoffmann-Experte Rainer Lewandowski.

Schenefeld | Autor, Theater-Intendant, E.T.A.-Hoffmann-Experte – Rainer Lewandowski lebt in Schenefeld und blickt auf ein bewegtes Berufsleben zurück. Seine großen Leidenschaften sind vor allem Leben und Werk des Autors Ernst Theodor Amadeus (E.T.A) Hoffmann (1776-1822). Unter dem Motto „Die Fantasie kommt Hoffmann zum Trost“ hält Lewandowski am Freitag, 19. Mai, ab 18 Uhr in der Schenefelder Stadtbücherei, Timmermannsweg 1b, einen Vortrag über Leben und Werk des bekannten Schriftstellers aus der Romantik. Im Sonntagsgespräch erklärt Lewandowski unter anderem, was er in seiner neuen Heimat sonst noch plant.

Wie kam es dazu, dass Sie zum E.T.A.-Hoffmann-Experten wurden?
Das war Zufall. Ich kannte Hoffmann zwar aus dem Studium, hatte mich aber nicht näher mit ihm beschäftigt. Als ich aber 1989 Intendant des E.T.A. Hoffmann Theaters in Bamberg wurde, kam ich zwangsläufig mit ihm in Berührung. Schließlich hatte Hoffmann von 1808 bis 1813 in Bamberg in demselben Theater, auf der gleichen Bühne gearbeitet, sogar im selben Zuschauerraum gesessen und dort eine Aura hinterlassen. Da das Theater sogar seinen Namen trägt und sich die Spielstätte seit seinem Wirken im Prinzip kaum verändert hatte, war es nahezu zwangsläufig, dieser Aura nachzuspüren und Hoffmanns Arbeit in diesem Hause wieder stärker in den Fokus zu rücken.

Wie ist das gelungen?
Zunächst durch eine enge Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek Bamberg, dem dortigen E.T.A.-Hoffmann-Archiv, sowie der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft mit dem Theater gegenüberliegenden E.T.A.-Hoffmann-Haus. Ich habe mehrere Bücher über E.T.A. Hoffmann veröffentlicht. Auch Theaterstücke zu historischen Bamberger Themen und zu Hoffmann sind entstanden. Das kam offenbar gut an. Zumindest erhielten das Theater und ich zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Kulturpreis der Oberfrankenstiftung und die E.T.A-Hoffmann-Medaille.

Was bleibt Ihnen aus der Zeit in Bamberg besonders in Erinnerung?
Da das Theater dringend saniert werden musste, teile ich meine Arbeit in Bamberg in die Phasen vor der Sanierung, während der Sanierung und nach der Sanierung ein. Am schönsten war die Phase, als die Arbeiten in vollem Gange waren und wir außerhalb des Hauses spielen mussten. Kaufhaus bei Nacht, Schlachthof, Gerichtssäle, alte Getreidescheune, Festzelt, im Dom – überall haben wir gespielt. In der Basketball-Arena hatten wir Tausende Zuschauer. Das war ein unvergessliches Erlebnis. Die Rezension des Rundfunks fand dann im Sportteil und nicht im Feuilleton statt.

Was erwartet die Schenefelder Zuschauer am 19. Mai?
Ein Vortrag mit Musik, Bildern und viel Humor, eine tragische Liebesgeschichte und ein Ehedrama. Mich wundert, dass Hoffmanns Musik kaum bekannt ist. Es lohnt sich auf alle Fälle, sie anzuhören. Hoffmanns große Liebe musste übrigens einen Hamburger Kaufmannssohn aus der Familie Graepel heiraten. Derzeit überlege ich, inwieweit ich diese Familie und deren Beziehung zu Hoffmann in meinen Vortrag einbaue. Ich bin schon gespannt, wie die Veranstaltung ankommt und wie viele Besucher kommen werden.

Planen Sie weitere Projekte in Schenefeld?
Ich bin zwar im Ruhestand, aber den Verstand stellt man auch ohne Arbeitsvertrag nicht aus. So planen eine Kollegin, Merula Steinhardt-Unseld, und ich beispielsweise das eine und andere Theaterprojekt, aber auch Live-Kriminal-Hörspiele in Kooperation mit dem Juks. Außerdem werde ich recherchieren, was ich hier noch über Hoffmann und vor allem die Familie Graepel erfahren kann. In Bamberg war die Recherche für mich einfacher, weil ich in ein großes Netzwerk eingebunden war. Das wird nun sicherlich nicht ganz so leicht. Hier fange ich gewissermaßen ganz von vorne an.

Was fasziniert Sie an E.T.A. Hoffmann?
Ich empfinde viele Parallelen zu mir und meiner Arbeit. Unsere Methoden ähneln sich. Hoffmann erklärte einmal, dass er Dinge erfindet und diese als real ausgibt. Es ist aber nicht alles reine Fiktion. In seinen Erzählungen steckt auch immer ein Körnchen Reales. Alles, was Hoffmann schilderte, könnte sich tatsächlich ereignet haben. Die Realität wird mithilfe der Phantasie sozusagen‚ hochgerechnet. Die Phantasie ermöglicht es, sich in ganz andere Welten zu begeben. Dieses Hoffmanneske habe ich mir zu Eigen gemacht. Das zeigt sich auch in meinen Stücken und Büchern.

Wie kamen Sie nach Schenefeld?
Der Hauptgrund ist die Familie. Unsere Kinder wohnen auch im Norden. Ich bin inzwischen im Ruhestand und habe hier die Möglichkeit, häufig meine in Hamburg lebenden Enkel zu sehen.

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erstellt am 14.Mai.2017 | 16:00 Uhr

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