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Kreis Pinneberg : Pflegeheime holen Fachkräfte aus Spanien

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Jede Krankmeldung ist eine Katastrophe: In den Heimen herrscht akuter Personalmangel. Der Kreis fürchtet um die Pflegequalität.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Ein Mangel von examinierten Altenpflegern im Kreis Pinneberg? „Das kann ich sofort unterschreiben – ohne wenn und aber“, sagte Anne Schäfer, Heimleiterin des Dana Pflegeheims Appen. Als schwierig beurteilt auch Ines Wiese, Einrichtungsleiterin des Awo-Wohn- und Servicezentrums Tornesch, die Situation in den Awo-Einrichtungen in Elmshorn, Wedel und Tornesch. „Es ist ein Krampf. Jede Krankmeldung ist eine Katastrophe“, sagte auch Beate von der Heide, Verwaltungsangestellte in der Seniorenresidenz Helene Donner in Pinneberg.

„Der Fachkräftemangel ist deutschlandweit im Moment sehr hoch und wird sich durch den demographischen Wandel noch verschärfen“, bestätigte Christina Kaleve, Bundesvorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Altenpflege (DBVA).

Deutlich wird das auch im kürzlich veröffentlichten Bericht der Heimaufsicht des Kreises Pinneberg über die Pflegequalität von 61 der insgesamt 78 Einrichtungen im Kreisgebiet von Januar 2011 bis Dezember 2012. Demzufolge sei die Fachkraftquote von mindestens 50 Prozent in elf Einrichtungen nicht eingehalten worden. Dazu zählen Alten- und Pflegeheimen, Tages- und Nachtpflege sowie stationäre Hospize. Bei Verfehlungen suche die Heimaufsicht mit den Betreibern nach Lösungen, so Kreissprecher Marc Trampe. „Ändert sich nichts, besteht die Möglichkeit, dass wir ordnungsrechtlich tätig werden.“

Was aber passiert, wenn es einfach nicht genug Fachkräfte gibt? Das Dana Pflegeheim Appen habe zu den Einrichtungen gehört, die die Quote nicht erfüllten, so Heimleiterin Schäfer. „Wir haben dann Fachkräfte aus Spanien akquiriert.“ Über Kontakte seien dieses Jahr insgesamt zehn Gesundheits- und Krankenpfleger überwiegend aus Alicante in die Dana-Einrichtungen nach Quickborn und Appen gekommen. „Es läuft inzwischen“, so Schäfer. Wie lange sie bleiben? Schäfer wisse es nicht.

Die Helene-Donner-Residenz nimmt die Hilfe von Zeitarbeitsfirmen in Anspruch. „Das kostet doppelt soviel wie jemanden fest einzustellen“, sagte von der Heide zu der „Notlösung“. Bei der Awo würden vermehrt Teilzeit-Fachkräfte eingestellt, die aus der Elternzeit zurückkommen und in ihren Arbeitszeiten weniger flexibel sind, so Wiese. „Die Arbeitspläne werden drumherum gebaut“. Zudem lasse die Awo einige angestellte Pflegehelfer über ein Förderprogramm des Arbeitsamts in verkürzter Zeit ein Examen machen.

Weniger Probleme scheint es laut Pressesprecher Sebastina Kimstädt in den Einrichtungen der Regio-Kliniken in Elmshorn und Kummerfeld zu geben. Auch Reinhold Kinle, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Pinneberg, halte die Fachkraftquote „noch“ in den Pflegeeinrichtungen. An anstehende Verrentungen denke er jedoch ungern. DBVA-Vorsitzende Kaleve erklärt, der Bund habe 2011 eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive gestartet, um zehn Prozent mehr Plätze für die dreijährige Ausbildung zur Verfügung zu stellen. „Doch die Schieflage war bereits vorher da. Es hätte schon früher mehr ausgebildet werden müssen.“

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