„Unternehmen im Dialog“ : Peter Brandl sorgt für kollektive Selbstreflektion im Pinneberger Ratssaal

Eindringlich: Managementcoach und Pilot Peter Brandl hielt einen Vortrag, der das Publikum nicht einen Moment gelangweilt hat.
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Eindringlich: Managementcoach und Pilot Peter Brandl hielt einen Vortrag, der das Publikum nicht einen Moment gelangweilt hat.

Mut haben, Fehler zu machen: Coach und Top-Redner Peter Brandl rüttelt sein Publikum bei „Unternehmen im Dialog“ auf.

shz.de von
08. März 2018, 12:30 Uhr

Pinneberg | Nach dem Vortrag von Peter Brandl setzte im Pinneberger Ratssaal eine kollektive Selbstreflektion ein. Die Zuhörer diskutierten darüber, welchem der beschriebenen Typen sie selbst am nächsten kommen: Als langjähriger Berufspilot und Fluglehrer nutzte Brandl für sein Coaching Erfahrungen aus der Luftfahrt und präsentierte dem Publikum drei mögliche Entscheider-Typen. Gehört man nun eher zum Bodenhocker, der zwar festgefahren ist, den Menschen um sich herum aber Zeit und Raum geben kann? Oder zu den Segelfliegern, die Chancen sehen und umsetzen, aber immer auf externe Energie angewiesen sind? Oder ist man der Starfighter-Pilot, der kraftvoll mit Vollgas Berge versetzt, aber manchmal nicht genug Besonnenheit zeigt? „Ich gehöre eindeutig zu den Starfighter-Piloten“, bekannte die Pinneberger Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos). Landtagsabgeordneter Kai Vogel (SPD) musste länger nachdenken: „Ehrlich gesagt, habe ich von allem etwas.“ 

Abendseminar mit Erkenntnispotenzial

Für genügend Gesprächsstoff hat Brandl gesorgt. Der 50-Jährige gehört zu den Top-100-Rednern der Republik und hat am Dienstagabend gezeigt, wie gekonnt er seine Zuhörer mitreißen kann. Eingeladen von der Pinneberger Wirtschaftsförderung, machte er die siebte Veranstaltung von „Unternehmen im Dialog“ zu einem Abendseminar mit Erkenntnispotenzial. Der Kommunikationsprofi und Autor sprach vor mehr als 100 Pinneberger Unternehmern, Politikern und Interessierten. Vor dem Vortrag auf seine Motivation angesprochen, sagte er: „Ich möchte mit meinen Vorträgen mit Mythen aufräumen, inspirieren, den Zuhörern Werkzeuge mitgeben und unterhalten.“

Obwohl Brandl jetzt Vollzeit-Coach ist und nur noch privat fliegt, ist er immer noch so klar strukturiert wie im Cockpit. Er stellt Fragen, mit denen sich Führungskräfte auseinandersetzen sollten, um ihre Unternehmen auf Flughöhe zu halten. „Sie müssen ihre Richtung kennen und wissen, wo Sie hinwollen“, sagte Brandl und fragte: „Wo soll Ihr Unternehmen in zehn Jahren ankommen?“ Auch die Beschäftigung mit der eigenen Person sei existenziell. „Wer sind Sie? Hören Sie auf, sich etwas vorzumachen“, sagte der Coach. Das erfordere den Mut zur schonungslosen Aufarbeitung – Lebenslügen adé.

Fehlerkultur ändern

Die dritte Frage markierte Brandls leidenschaftlichen Appell für eine Änderung der Fehlerkultur in Unternehmen: „Haben Sie den Mut, Fehler zu machen?“, fragte er. Sein Tipp war die Lagerfeuer-Übung, die er auch mit seinen Flugschülern absolviert hat: In einer kleineren Gruppe bekennt sich jeder vor den anderen zu seinem schlimmsten Fehler. „So trainiert man das Problembewusstsein und kann zusätzlich voneinander lernen“, sagte Brandl. Auch die Suche nach einem Schuldigen sei unsinnig: „Besser ist es, den Mitarbeiter zu fragen, wie lange er von diesem Fehler weiß.“ So werde das Verschweigen von Fehlern zum Fehler. Nur das sei effektiv und bringe das Unternehmen weiter.

Brandl hat seine Zuhörer im Pinneberger Rathaus nicht eine Minute gelangweilt. Das wäre auch schlimm, denn als Vorstand der „German Speakers Association“ ist er für den Nachwuchs mitverantwortlich und bildet junge Redner aus. Wie damals mit seinen Flugschülern, macht ihm das Coachen Spaß. „Ich erreiche Menschen. Das gefällt mir“, sagt er.

Als Brandl das Rathaus verließ, diskutierten seine Zuhörer im Foyer des Ratssaals bei Snacks und Getränken immer noch. Sie fragten sich beispielsweise, ob seine Aussage wahr sei, dass es besser ist, eine falsche als gar keine Entscheidung zu treffen. Brandl hat an diesem Abend zum Nachdenken angeregt. Ob das zu Veränderungen im Verhalten führt, wird sich zeigen. Wie formulierte er es noch? „98 Prozent von allem, was wir tun, ist Gewohnheit. Jetzt kommt es darauf an, ob wir bereit sind, den Autopiloten neu zu programmieren.“

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