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Pinneberger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 03:01 Uhr

Jan Gawryluk : Personal-Posse sorgt für Wirbel

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Erst sollte er bleiben, jetzt soll er gehen: Die Bürgermeisterin will KSP-Chef Jan Gawryluk trotz Votums der Politik keinen neuen Vertrag geben.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Eine Top-Personalie sorgt für Wirbel. Es geht um Jan Gawryluk, seit acht Jahren Chef des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg (KSP). Christdemokraten, FDP, Grüne und Bürgernahe wollen dessen Vertrag über den Ruhestand hinaus verlängern. Die parteilose Bürgermeisterin Urte Steinberg will das nicht. Sie kündigte gestern an, die Stelle auszuschreiben. Trotz eines anders lautenden Votums des Hauptausschusses. Steinberg geht somit auf Konfrontationskurs mit Teilen der Politik – auch mit der CDU, die sie vor anderthalb Jahren für das Bürgermeisteramt nominierte.

Stand jetzt, muss Gawryluk im Mai in Rente gehen. Am Mittwochabend hatten CDU, Bürgernahe, Grüne und FDP die Rathauschefin in vertraulicher Sitzung aufgefordert, den Vertrag des  KSP-Chefs um ein Jahr zu verlängern – mit Blick auf die Herausforderungen, vor denen der Servicebetrieb steht. Vor allem der kürzlich vorgelegte Schulsanierungsplan hatte dem 65-Jährigen fraktionsübergreifend hohes Ansehen beschert. 

Dass die Stelle des Werkleiters dennoch ausgeschrieben werden soll, begründet Steinberg mit vertragrechtlichen Problemen. Eine juristische Prüfung habe zweifelsfrei ergeben, dass Gawryluk nach Ablauf der Regelarbeitszeit nur ein unbefristeter Vertrag angeboten werden könne. Gawryluk könnte also selbst entscheiden, wann er seinen Platz an der Spitze des KSP räumt. „Das Risiko für die Stadt ist mir zu hoch“, so Steinberg gestern. Ziel sei es jetzt, zügig neu zu besetzen. Die Bewerbungsfrist laufe ab sofort. Zu dem Konflikt mit Teilen der Politik will sich die Bürgermeisterin nicht äußern: „Das ist eine Personalangelegenheit, die in vertraulicher Sitzung diskutiert wurde.“

Die sozialdemokratische Fraktionschefin Angela Traboldt hatte sich bereits im Vorfeld  dafür ausgesprochen, den KSP in jüngere Hände zu legen. Und darauf hingewiesen, dass die Verantwortung fürs Personal bei der Rathauschefin liege. Ihre Fraktion folgte ihr im Hauptausschuss  – und stimmte gegen die Vertragsverlängerung. Kommentieren wollte Traboldt das gestern nicht weiter: „Die Sitzung war nicht öffentlich.“

Andere sind weniger verschlossen: „Wir bleiben dabei, dass ein Wechsel an der Spitze des KSP in der derzeitigen Situation nicht gut ist“, so CDU-Fraktionschef Andreas Meyer. Schließlich sei erst kürzlich der kaufmännische Leiter des Betriebs ausgetauscht worden. „Für uns war immer klar, dass Gawryluk gehalten werden soll“, so Meyer. Das habe Bürgermeisterin Steinberg stets kundgetan.

Uwe Lange (Die Bürgernahen) wird noch deutlicher: „Formaljuristisch hätte man das Problem lösen können, das ist doch alles an den Haaren herbeigezogen.“ Für ihn stehe fest, „dass der Stadt Pinneberg mit der Entscheidung der Bürgermeisterin ein Schaden entstehen“ werde. „Unsere Schulleiter werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“, so Lange. Womöglich habe Steinberg im Rathaus die falschen Berater.

Joachim Dreher, Fraktionschef der Grünen, zeigte sich gestern genervt: „Ich bin sehr enttäuscht, dass eine Bürgermeisterin das Mehrheitsvotum von vier Ratsfraktionen ignorieren will.“ Für den Kommunalen Servicebetrieb sei das ein ganz schlechtes Zeichen. Dreher erinnert daran, dass Pinneberg vor einigen Jahren einen Wirtschaftsförderer über den Ruhestand hinaus beschäftigte. „So etwas geht also durchaus.“

Er wisse nicht, „welcher Teufel Frau Steinberg derzeit reitet“, sagt FDP-Fraktionschef Werner Mende. „Es war schließlich ihre Idee, Gawryluk ums Weitermachen zu bitten“, so der Liberale. Damit habe die Bürgermeisterin auch nie hinterm Berg gehalten. Der KSP-Chef habe sich zudem sehr um die Stadt verdient gemacht. „Ich weiß nicht, warum Steinberg ihre Meinung komplett geändert hat.“

Und was sagt der Betroffene selbst? „Ich bin enttäuscht“, antwortet Jan Gawryluk. Ihm sei mehrmals unter Zeugen signalisiert worden, dass der Vertrag verlängert werden solle. Andere Job-Angebote habe er daraufhin abgelehnt. Von der Diskussion im  Hauptausschuss sei er seitens Steinberg nicht in Kenntnis gesetzt worden. Ob er juristisch gegen die Stadt vorgehen wird, ließ Gawryluk gestern offen. Kann er Steinberg mittels Zeugenaussagen eine so genannte Vertragsanbahnung nachweisen, dürfte er wohl mit Schadensersatz rechnen.

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