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Pinneberger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 14:37 Uhr

Golfballtaucher : Perlen unter Wasser

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Erfolgreiches Geschäft: Sascha Kruse sucht auf den Golfplätzen im Kreis Pinneberg nach dem, was andere beim Spielen in Teich versenkt haben.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2013 | 10:51 Uhr

Frühmorgens auf der Golfanlage Gut Wulfsmühle: Nur ein paar Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg durch die düstere Wolkendecke. Sie spiegeln sich im trüben Teich der Bahn 8 – Daly’s Shortcut. Luftblasen steigen an der Oberfläche des Teichs auf. Irgendwie beängstigend. Plötzlich taucht Sascha Kruse mit Algen und Schlamm bedeckt und mit einem überdimensionalen Netz voller Golfbälle in Hand auf.

Seit etwa zwei Stunden befindet sich der 37-Jährige sich nun im „Badeparadies“ der Golfanlage. Mehr als 100 Kugeln haben den Weg mit ihm zusammen an die Oberfläche geschafft. Ein sehr lohnenswertes Areal da unten, denn weitere prall gefüllte Säcke liegen am Rande des Tümpels.

Die Suche nach den verlorenen „Schätzen“ bringt einige Schwierigkeiten mit sich: „Unter Wasser sehe ich so gut wie nichts, alles was hart und rund ist, kommt in mein Netz.“ Dabei kommen nicht nur die wertvollen Kugeln zu Tage, oftmals erblickt auch mal ein Golfschläger, Autoschlüssel oder Mobiltelefone das Licht der Welt.

Das Golfballnetz haltend, untersucht der ausgebildete Taucher seine Errungenschaften. Die Bälle werden in drei Kategorien eingeteilt: „Schrott“, „Mittel“, – Bälle, die zum Verkauf geeignet sind – oder „Perle“, äußerst gut erhaltene Lakeballs, auf Deutsch Teichbälle.

Bis zu 100 000 Kugeln fischt Kruse jährlich aus dem Wasser. „Das Sortieren ist sehr zeitaufwendig, danach werden sie in einer Bälle-Waschmaschine gereinigt“, berichtet der 37-Jährige. Anschließend kann ein gemischtes Golfball-Sortiment im Clubhaus erworben werden. 15 Bälle kosten zehn Euro.

"Ich bin noch lange nicht satt"

Im Februar nimmt Kruse seine Planung für die komplette Saison vor, Sommerurlaub mit der Familie fällt dann oft - wie passend - ins Wasser. „Ich bin wie der Eismann, im Sommer muss ich mir mein Geld verdienen“, bringt es Kruse schmunzelnd auf den Punkt.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann meldete das Golfballtauchen im Jahr 2003 als Gewerbe an. Auf 35 Plätzen in Schleswig-Holstein begibt er sich seitdem in seichte Tümpel. Das Wasser sei sein Zuhause, so der zweifache Familienvater aus Lenthförden. Das Leuchten in seinen Augen spricht Bände, das kühle Nass ist sein Element. Die Frage nach seiner beruflichen Zukunft beantwort Stefan Kruse ohne mit der Wimper zu zucken: „Ich bin noch lange nicht satt. Das Golftauchen macht mir soviel Spaß, da denke ich noch nicht an das, was in zehn Jahren ist.“

Und schon macht er sich wieder bereit zum Tauchgang. Die Brille aufgesetzt, das Atemgerät geprüft und los geht es auf die Suche nach neuen weißen Kugeln - oder verlorengegangenen iPhones.

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