Nach Fahrplanumstellung : Pendler klagen über Platznot in den Zügen der Nordbahn

Die Nordbahn fährt, anders als bisher die Deutsche Bundesbahn, nicht mit Doppelstockwaggons.
Die Nordbahn fährt, anders als bisher die Deutsche Bundesbahn, nicht mit Doppelstockwaggons.

Bahnfahrer im Kreis Pinneberg ärgern sich über überfüllte Züge der Nordbahn zwischen Elmshorn und Hamburg.

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18. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Tausende Pendler aus dem Kreis Pinneberg sind von den Fahrplanänderungen bei der Bahn zu Beginn dieser Woche betroffen. Eine der vielen Neuerungen: Die Regionalbahnverbindungen werden nicht mehr von der Deutschen Bahn, sondern von der Nordbahn bedient. Zahlreiche Pendler üben nun massive Kritik an den Änderungen. Die Züge seien völlig überfüllt.

Marion Meierdirks etwa muss täglich von Pinneberg zu ihrem Arbeitsplatz nach Hamburg. „Die Nordbahn fährt nur noch mit drei Wagen. Und sie hat auch keine Doppelstockwaggons. Morgens warten am Pinneberger Bahnhof Massen“, beklagt sie. „In den Zügen stehen die Leute dicht an dicht. Es geht zu wie bei einem Viehtransport.“ Am Montagmorgen habe es auf einer Fahrt zwei Zwischenfälle gegeben. „Vor mir ist eine Frau zusammengesackt. Wir wussten nicht, wie wir reagieren sollen, haben nach einem Arzt im Zug gerufen“, beschreibt Meierdirks die Situation in der Nordbahn. Schließlich habe sich eine Ärztin durch die Menschenmassen gekämpft. „Gerade hatte die umgekippte Dame etwas zu trinken bekommen, da riefen Passagiere aus einem anderen Zugteil nach einem Arzt.“

Anscheinend war Meierdirks nicht die Einzige, die die Situation als „Unding“ empfand. „Es muss Einiges passiert sein. Viele haben Beschwerde-E-Mails verschickt.“ Sie selbst habe sich auch an die Nordbahn gewandt. „Dort hat man mir mitgeteilt, nichts tun zu können. An der Taktung der Verbindungen und der Zahl der Waggons sei nichts zu ändern.“ Meierdirks sagt auch: „Wir zahlen für unsere Tickets viel Geld. Und die Leute kommen teilweise nicht in die Züge hinein, so voll ist das.“ Auf die S-Bahn umzusteigen, sei keine Alternative. „Dann fahre ich 42 statt 18 Minuten.“

Die Sprecherin der Nordbahn, Christiane Lage, bestätigte auf Anfrage, dass das Unternehmen Montag und Dienstag etwa 200 schriftliche Beschwerden oder Anfragen registriert habe. Und auch, dass es zu einem Arzteinsatz  gekommen ist. „Es ist in der Tat so, dass die Züge sehr voll sind“, räumte Lage am Mittwoch im Gespräch mit dieser Zeitung ein. Grundsätzlich sei vorgesehen, dass in der Hauptverkehrszeit die Nordbahnen als Doppeltraktion fahren, sprich, dass zwei Züge aneinander gekuppelt sind. „Zurzeit können wir diese Doppeltraktionen nicht immer anbieten, da zum einen noch nicht alle unsere Fahrzeuge da sind und wir zudem unsere Flotte durch zwei Leihfahrzeuge ergänzen.“ Die Nordbahn bedauere diesen Umstand sehr, sagte Lage. Auch, „dass wir sagen müssen, dass wir diese Situation bis Anfang März leider nicht ändern können, denn erst zu dem Zeitpunkt erwarten wir die restlichen Fahrzeuge“. Schuld seien Verzögerungen bei der Fahrzeugherstellung. Die Nordbahn sei darüber „sehr unzufrieden“, sagte die Unternehmenssprecherin.

Lage wies darauf hin, dass das Land Schleswig-Holstein sowohl über die Taktung als auch das Platzkontingent entscheide – und nicht die Nordbahn selbst. Dem zufolge reichten die Kapazitäten aus.

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