Pastor wird Gefängnis-Seelsorger

Abschied von der Christuskirche: Pastor Karl-Uwe Reichenbächer (vorne, Mitte) mit dem Kirchengemeinderat, eingerahmt von Pastorin Silke Breuninger (links) und Propst Thomas Drope.
Abschied von der Christuskirche: Pastor Karl-Uwe Reichenbächer (vorne, Mitte) mit dem Kirchengemeinderat, eingerahmt von Pastorin Silke Breuninger (links) und Propst Thomas Drope.

Abschied von Karl-Uwe Reichenbächer in der Christuskirche / 54-Jähriger möchte sich neuer Herausforderung stellen

shz.de von
03. Januar 2018, 10:41 Uhr

Voller Optimismus, „als Pastor wie ein Jünger, also ein Schüler in der Nachfolge Jesu zu leben und zu wirken“, zog Karl-Uwe Reichenbächer im Frühling 2012 in das Pfarrhaus der Christuskirche in der Pinneberger Bahnhofstraße ein. Ehefrau Melanie und ihr zweieinhalbjähriges Töchterchen waren auch dabei. Jetzt, nach weniger als sechs Jahren, ist er wieder ausgezogen – inzwischen allein. Am Altjahresabend beendete die Amtsentpflichtung durch Propst Thomas Drope seinen Dienst in der Gemeinde.

Etwa 125 Gläubige hatten sich zum Abschied eingefunden, weniger als damals bei seinem Dienstantritt, aber deutlich mehr als bei regulären Sonntagsgottesdiensten. Ein Zeichen der dankbaren Wertschätzung, die er sich in Pinneberg erworben hat. „Merci, merci, merci“, sang „Kreuz und Quer“, der bekannte Chor der Gemeinde, dem Pastor hinterher. „Deine Tränen tun weh, so weh, so weh“, wie es weiter heißt in dem Udo-Jürgens-Lied, um dann in den Ratschlag zu münden, „Schau nach vorn, nicht zurück, zwingen kann man kein Glück.“ Ergriffen spendete die Gemeinde dem Chor und seinem Leiter, Kantor Andreas Polzin, dafür anhaltenden Applaus.

Reichenbächer hat aus seiner Liebe für Schlager nie einen Hehl gemacht. Sie spielten neben Tanz, etwas Kabarett und anderen humoristischen Einlagen in den „anderen Gottesdiensten“, eine Rolle, die er zusätzlich zu den traditionellen Sonntagsterminen an manchen Freitagabenden anbot. Propst Thomas Drope outete sich gerne als Fan dieses spielerischen Zugangs zu biblischen Geschichten, ging dann aber mit großem Ernst auf die weltlichen Belastungen eines Pastors als Leiter des Gemeindebetriebs ein. „Manches hat mehr Kraft gekostet als Dir zur Verfügung stand“, fasste er diesen Aspekt zusammen. Damit zielte Drope auf Reichenbächers Verantwortung in einer finanziell schwierigen Zeit, vor allem wegen des Neubaus der Kindertagesstätte in Thesdorf.

Er hatte sich viel vorgenommen für Pinneberg. Kollegin Silke Breuninger ging nachdenklich auf das ein, „was gelungen ist und was nicht geglückt ist“. Das tröstliche Lied, das sie zitierte, hatte Dietrich Bonhoeffer kurz vor seiner Ermordung im KZ Flossenbürg gedichtet: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“

Mit 54 Jahren möchte sich Reichenbächer nun einer neuen Herausforderung stellen. Er übernimmt die Stelle des Gefängnisseelsorgers in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg. Der Pastor sehe darin die Chance, sich „künftig auf das pastorale Kerngeschäft, die Seelsorge, an diesem für Kirche fremden, anderen Ort zu konzentrieren“, begründet er den Wechsel.


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