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Letzte Predigt : Pastor Michael Mattern - Abschied eines begnadeten Erzählers

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Die Stephansgemeinde beschert scheidendem Pastor Michael Mattern feierlichen Abschied. Entpflichtung durch Propst Drope.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 16:00 Uhr

Noch einmal stand Michael Mattern als amtierender Gemeindepastor auf der Kanzel der evangelischen Stephanskirche. „Meine letzte Predigt“, las er vom Manuskriptblatt ab und schon hatte er die Lacher auf seiner Seite. Das war nach etwa 3000 Gottesdiensten nach seiner ersten Predigt vor 38 Jahren. 27 Jahre davon predigte er an „dieser schönen Kirche im Dorf“, wie er sie nannte. Er werde sie vermissen.

Es folgte eine seiner längsten Predigten, wie Mattern selbst zugab. Sie war humorvoll wie man es von ihm kannte und erwartete. Sie war voller Geschichten, denn Mattern ist ein begnadeter Erzähler. Aber sie war auch voller Pausen. Kämpfte er Abschiedsschmerz nieder? Es schien so, aber der Pastor hatte sich zu gut im Griff, um sich Sentimentalität zu deutlich anmerken zu lassen. Er werde viel vermissen, fuhr Mattern fort. Dann kam die Aufzählung: die gute Seele im Kirchenbüro, den Hausmeister, der sich mit WLAN und anderen komplizierten Dingen auskennt, den Diakon, den Kirchengemeinderat, die vielen regelmäßigen Gottesdienstbesucher, den Magnolienbaum vor seinem Bürofenster und nicht zuletzt die Bauern, die den Erntedank in die Kirche gebracht haben.

Joachim Sagemann war einer der Bauern. Er blickte wehmütig auf die vielen Erntedankfeste zurück, die er gemeinsam mit dem Pastor und vielen anderen Helfern gestaltet hatte. In manchen Geschichten des Pastors ging es um Fußball. Da war die Sache mit der HSV-Mannschaft, die er vor einem Spiel segnete. Da schien die Sonne noch strahlend hell. Zu Spielbeginn goss es dann in Strömen. Als er das Segnen bei einem späteren Anlass wiederholen wollte, verzichteten die Fußballer dankend, erinnerte sich Mattern.

In einer anderen Fußballgeschichte spielte der SPD-Politiker und Sprecher der Spielvereinigung Blau-Weiß Gerhard Manthei die Retter-Rolle. Er habe für die heranwachsenden Söhne des Pastors zwei Fußballtore organisiert und damit den Familienfrieden gerettet, erzählte Mattern. Manthei ergänzte, er habe auch den Pastor selbst als Fußballer in den Verein geholt. Von Matterns Abschiedspredigt war der Lokalpolitiker regelrecht hingerissen: „Weltklasse war das“, schwärmte er nach dem Gottesdienst, als im Gemeindesaal bei Umtrunk, Imbiss, Musik und vielen Grußworten weitergefeiert wurde.

Die offizielle Entpflichtung des Gemeindepastors nahm Thomas Drope, Propst des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein, vor. Grußworte gab es vom Kirchengemeinderat, von Bürgervorsteherin Gudrun Bichowski, von Bürgermeisterin Christiane Küchenhof und anderen. Musiklehrer Bernd Treumann trug eine Arie aus Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium Elias vor. Für Musik sorgten auch Pianistin Amina Hawae, Hornist Tobias Haas und natürlich Organist Martin Fiedrich. Schließlich wurde aufgetischt. Es war eine lange Abschiedsfeier, genau das Richtige für den Mann, der über als dienstältester Pastor des Kirchenkreises in den Ruhestand trat.

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