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Pinneberger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 21:14 Uhr

Halstenbek : Pannen, Witz und Uraufführung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zwölfte Neujahrsgala mit den Hamburger Kammersolisten erstmals in der neuen Borchert-Aula.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 00:34 Uhr

Halstenbek | Die Halstenbeker Neujahrsgala wird seit zwölf Jahren abgehalten, immer mit den Hamburger Kammersolisten – aber erstmals fand sie nun in der High-Tech-Aula des neuen Wolfgang-Borchert-Gymnasiums statt. Volker Deising vom Kulturkreis Halstenbek freute sich in seiner Begrüßung am Mittwochabend: „Das ist ein toller Anblick, kein Vergleich zur alten Aula. Vor mir sitzen jetzt 500 Menschen, das sind hundert mehr als früher.“ Das Konzert – diesmal mit den Solisten Marret Winger (Sopran) und Jun-Sang Han (Tenor) – war restlos ausverkauft.

Deising lobte das professionelle Niveau der Licht- und Tontechnik, doch damit haperte es etwas: Den Musikern war zunächst die Bühne zu dunkel, kurz darauf sorgten kreischende Mikrofone dafür, dass wirklich jeder im Saal wach war, und zu guter Letzt wurde es mollig warm. Der zweite Violinist Stefan Schmidt, der moderierte, versicherte: „Wir feilen noch daran.“ Dazu gesellten sich stürzende Noten, Pulte und sogar Musikinstrumente und leider war für den erkälteten Han nach den hohen Tönen seiner zweiten Arie erstmal Schluss. Ein etwas pannenbehafteter Abend, was jedoch dem Spaß des Publikums keinen Abbruch tat.

Das Programm gliederte sich in einen klassischen und einen frivolen Teil mit Soli für unterschiedliche Musiker: Das Oboen-Duo Christian Specht und Peter Haberland gab den barocken Komponisten Albinoni zum Besten – „ein Feuerwerk an Oboentönen“, so Schmidt – und Klarinettist Christian Seibold verzauberte die Zuhörer mit dem zarten Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert. Han, der bei der Puccinis Arie des Rodolfo mit geschlossenen Augen auf seinen Einsatz wartete und die Musik sichtlich genoss, zeigte trotz Erkältung sein enormes Stimmvolumen und erntete Bravorufe. Winger, die für jeden Auftritt ein neues Outfit parat hatte, brillierte unter anderem in der beliebten Arie „O mio babbino caro“, ebenfalls Puccini, mit Klangschönheit und ihrer nuancierten Interpretation bei allerbester Schmollmine wie es sich für die Rolle der Lauretta gehört.

Der „seriöse Teil“ des Abends endete mit einer Überraschung: „Unser erster Cellist Valeri Krivoborodov organisiert unser Programm und lässt seit zwölf Jahren jeden Soli spielen, nur nicht sich selbst“, so Schmidt. „Jetzt, wo er die Organisation an andere abgibt, muss er ran. Ich habe für ihn ein Stück mit zwölf musikalischen Zitaten geschrieben und das feiert jetzt seine Uraufführung.“ Für Schmidts „Surrealistischen Cello-Traum“ waren alle drei Cellisten notwendig, um die dichte, mal düster-chromatische und mal elegische Collage an Cello-Motiven – darunter Saint-Saëns’ „Schwan“ oder Bachs Cellosuite – zu spielen.

Dem anspruchsvollen Werk folgten Operettenmelodien von Johann Strauß und Franz Lehár zum Schunkeln und Polkatöne zum Mitklatschen. Winger zeigte sich mit dem koketten „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ in Hochform. Als besonderes Highlight entpuppte sich der Schlagzeuger, der zu Josef Strauß’ „Feuerfest“-Polka einen gestimmten Amboss an den Bühnenrand rollte und darauf spielte – gelegentlich, denn als Schmied hatte er natürlich noch ein Bier und ein Brötchen in der Schürzentasche.

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