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Pinneberger Amtsgericht : Panne im Folter-Prozess

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Martin P. soll einen 25-Jährigen eingesperrt und stundenlang misshandelt haben - sein angebliches Opfer erschien nicht zur Verhandlung.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Zu mehr als einer Anklageverlesung kam es am Donnerstag nicht beim Jugendschöffengericht Pinneberg. Denn da der Geschädigte Benjamin B., der als Zeuge aussagen sollte, nicht zum Gerichtstermin erschien, forderte Staatsanwältin Dagmar Staack, die Beweisaufnahme zu verschieben.

Der Angeklagte Martin P. soll den 25-jährigen B. dieses Jahr am Pfingstsonntag gegen 8.30 Uhr in der Wedeler Wohnung von Jusy M. eingesperrt haben. In den folgenden drei Stunden soll er B. dann mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf misshandelt, ihn mit einem Elektroschocker am Oberschenkel verletzt und mit einem Küchenmesser bedroht haben. Damit habe P. erreichen wollen, dass B. eine Anzeige zurückzieht, die er zuvor gegen P. erstattet habe. Bei dieser Anzeige sei es um ein Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz gegangen.

Als B. nach drei Stunden die Wohnung verlassen konnte, sei er geschwächt auf der Straße zusammen gebrochen. Er habe eine Schädelprellung sowie Prellungen an der rechten Schulter und am rechten Oberschenkel erlitten.

Während all das geschah, soll der 20-jährige M. anwesend gewesen sein und die Tür zu seiner Wohnung bewacht haben. Gegen ihn erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Beihilfe.

Nachdem Staack geschildert hatte, was aus ihrer Sicht am Pfingstsonntag geschehen sei, wollte Richterin Dagmar Trüller die Beweisaufnahme eröffnen. Die beiden Angeklagten erklärten sich auch bereit, zu den Tatvorwürfen Stellung zu nehmen. Doch bevor das geschehen konnte, fiel den Prozessbeteiligten auf, dass bisher niemand das mutmaßliche Opfer gesehen hatte.

„Den Geschädigten möchte ich unbedingt zu dieser Sache hören“, teilte Staack dem Gericht mit. Natürlich könne man trotzdem damit beginnen, die Angeklagten zu befragen, doch ohne eine Aussage von B. werde die Staatsanwaltschaft kein Plädoyer halten.

Die Richterin versuchte daraufhin, B. telefonisch zu erreichen, um den Prozess nicht verschieben zu müssen. Doch damit hatte sie keinen Erfolg.

Wie M.s Verteidiger Henry Brendel mitteilte, sei es nicht das erste Mal gewesen, dass B. nicht erschien, obwohl er als Zeuge geladen war. Ursprünglich habe der Prozess gegen P. bereits am 24. September am Landgericht Itzehoe geführt werden sollen. Dann aber entschied man sich, den Prozess gegen die beiden Angeklagten gleichzeitig zu führen. Auch damals habe B. vor Gericht gefehlt und gesagt, ihm sei die Sache nicht so wichtig. Er wurde dann von der Polizei vorgeführt. Dies geschah gestern nicht. Die Verhandlung soll Ende November fortgesetzt werden.

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