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Warnung vor Haustier-"Mafia" : Panikmache im Barmstedter Rathaus

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Barmstedter Stadtverwaltung verteilt ein Flugblatt, das vor einer Haustier-"Mafia" mit einer ausgeklügelten Masche warnt. Laut Polizei und Tierschutzverein ist an den Vorwürfen nichts Wahres dran.

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erstellt am 14.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Die Mitarbeiter im Barmstedter Rathaus sind als zuverlässige Hilfe für die Probleme und Anliegen der Bürger bekannt. Im Vorraum des Rathauses liegen verschiedene Flyer und Tipps, die das Leben in der Stadt vereinfachen sollen. Doch ein vermeintlich gut gemeinter Rat entpuppt sich als Panikmache. Auf einem Din-A4-Zettel wird vor betrügerischen Altkleider-Sammlern gewarnt, die es vermeintlich auf das Hab und Gut der Barmstedter Bürger abgesehen haben. Auch die Haustiere sollen in Gefahr sein. Die Masche: Die Gauner platzieren verschiedenfarbige Wäschekörbe vor den Häusern der Bürger. Mit dieser Masche können sie – so die Schilderung auf dem Handzettel – die Grundstücke ausspähen und mittels verschiedenfarbiger Körbe kennzeichnen. Die Farbe Blau weise etwa darauf hin, dass sich auf dem Grundstück Hunde befinden, rot stehe für Katzen, die Farbe Gelb soll ein lohnendes Einbruchsobjekt kennzeichnen. Zudem werden gleich Handlungsanweisungen für die Bürger mitgeliefert: Man solle die Körbe umgehend vernichten. Drahtzieher soll eine Haustier-„Mafia“ bestehend aus „ausländischen Großfamilien“ sein.

Auch wird Bezug auf Polizei und „diverse Interessengruppen“ genommen. Eine Nachfrage dieser Zeitung bei der für Barmstedt zuständigen Polizeidienststelle ergibt: „Die Polizeidirektion Bad Segeberg hat mit dem Flyer nichts zu tun und kann diesen inhaltlich nicht bestätigen“, so deren Polizeisprecherin Silke Westphal. Außerdem solle man diese vermeintliche Warnung nicht ernst nehmen: „Es handelt sich um eines dieser so genannten urbanen Märchen oder auch Hoaxes“, sagt Westphal (siehe Artikel unten). Auch der Tierschutzverein Pinneberg und Umgebung weiß von angeblichen Katzendieben mit Wäschekörben nichts: „Davon habe ich noch nie etwas gehört“, sagt der Vorsitzende, Peter Dorendorf, auf Anfrage über den Flyer. Tierdiebstahl komme zwar schon mal vor, doch nicht in dem Umfang wie im Flyer beschrieben: Dort ist von bis zu zehn Tieren pro Nacht die Rede.

Im Barmstedter Rathaus zeigt sich Uwe Dieckmann vom Bürgerservice auf Nachfrage dieser Zeitung zunächst überrascht von der Kritik. „Die Flyer liegen bereits seit zwei oder drei Jahren aus“, sagt Dieckmann. Er berichtet von Einzelfällen, die von den Bürgern an die Verwaltung herangetragen wurden. Diese seien aber mittlerweile äußerst selten geworden. „Daher werden wir die Flyer jetzt entfernen“, so Dieckmann. Bereits kurz nach Anfrage dieser Zeitung waren die Flugblätter aus dem Rathaus verschwunden.

Über die Urheber des Flyers kann auch das Rathaus keine Auskünfte geben. Auf dem Zettel sind lediglich zwei Internet-Adressen genannt. Eine davon ist abgeschaltet. Im Impressum der zweiten ist eine Person in Leverkusen genannt. Auf der Website werden vor allem Tierschutztipps und Hinweise zu Presseartikeln genannt.

Verschwundene Tiere in Deutschland

Auch wenn an der Wäschekorb-Masche nach Polizeiangaben nichts dran ist, verschwinden laut der Tierschutzorganisation Tasso pro Jahr mehrere 100.000 Hunde und Katzen in Deutschland. Der eingetragene Verein  widmet sich seit mehr als 30 Jahren der Registrierung und Rückvermittlung entlaufener Tiere. 

Auf der Homepage des Vereins können zum Beispiel Suchmeldungen von verlorenen Haustieren veröffentlicht werden. 2012 waren nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Haustiere bei Tasso registriert. www.tasso.net

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