zur Navigation springen

Kreis Pinneberg : Paket-Ärger: Gewerkschaft sauer auf die Post

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zahlreiche Kunden sind unzufrieden. Verdi spricht von Renditegier.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Ärger mit der Post – und noch viel mehr Ärger bei der Post: Mehrere Kunden sind derzeit sauer über die Zustellung. Die Post nennt „notwendige Veränderungen“ als Grund. Die Gewerkschaft Verdi spricht hingegen von „skandalöser Form der Renditegier“. Hintergrund ist offensichtlich die Neugründung der DHL Delivery GmbH, mit der die Post die Löhne ihrer Angestellten drücken will.

„Ich bekam eine Benachrichtigung, obwohl ich zu Hause war“, „Das Paket wurde nicht am verabredeten Ort abgelegt“, „Meine Straße wurde wegen einer Baustelle nicht angefahren, obwohl sie von einer Seite zugänglich war“, lauten nur drei Beschwerden von Postkunden aus dem Raum Elmshorn. Das liege daran, dass die Elmshorner Zusteller nun in Wedel eingesetzt würden, hieß in einer Postfiliale. Ärger mit der Paketzustellung ist beileibe nicht nur ein Elmshorner Problem. Das belegen Beschwerden aus anderen Kommunen des Kreises Pinneberg.

Dass es Ärger gab und gibt, bestreitet Postsprecher Jens-Uwe Hogart nicht: „Wir hatten durchaus einige Schwierigkeiten.“ Zum einen habe die Grippewelle das Unternehmen erwischt und auch ein Warnstreik habe für Probleme gesorgt. Zudem habe es eine „gewisse Umorganisation“ gegeben. Die sei aber nun abgeschlossen. Künftig werde es wieder eine „stabile Zustellung“ geben. Konkreter wurde Hogardt auch auf Nachfrage nicht: „Manchmal bedarf es gewisser Veränderungen.“

Eindeutig wird hingegen Lars-Uwe Rieck, Landesfachbereichsleiter Postdienste, Speditionen und Logistik bei der Gewerkschaft Verdi. Er spricht von „Zerschlagung der Paketzustellung“. Die Post habe die DHL Delivery GmbH gegründet, damit die  nach und nach die Paketzustellung übernehme. Allerdings zu schlechteren Bedingungen für die Mitarbeiter. Statt weiterhin nach dem Post-Haustarif sollten die Zusteller künftig nach dem Tarif der Logistikbranche bezahlt werden. Etwa 20 Prozent weniger Gehalt seien das. In diesem Zusammenhang würden häufig langjährige und bewährte Kräfte versetzt. „Das ist ein riesiger Verschiebebahnhof“, schimpft Rieck. Die Post setze ihre Kundenbindung aufs Spiel.

Keine Alternativen für kurzfristig Beschäftigte

Vor allem kurzfristig Beschäftigte seien mangels Alternativen in die neue GmbH gewechselt. Die Gewerkschaft nennt das menschenverachtend und spricht von „politischer Geiselnahme“. Wirtschaftlich sei das nicht begründbar. Die Rendite im klassischen Postbereich liege aktuell bei 8,3 Prozent. „Nicht das Lohnniveau der Post, sondern die Renditegier des Postvorstands“ sei das Problem.

Rieck glaubt auch nicht, dass die Kunden künftig keinen Anlass mehr zur Kritik haben werden. Denn in der neuen GmbH würden, auch wegen der niedrigeren Löhne, Mitarbeiter beschäftigt, die sich zum einen nicht gut vor Ort auskennen, zum anderen auch nur kurzfristig den Job übernähmen. Sein Fazit: „Die Post verspielt ihren guten Ruf.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen