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Prozess in Itzehoe : Pädophiler aus Elmshorn: „Ich richte draußen Schaden an“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Elmshorner missbraucht zwei Kinder. Den Jungen lockte er mit einer X-Box in seine Wohnung.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2014 | 07:30 Uhr

Itzehoe | „Ja, die Handlungen haben stattgefunden.“ Das räumte der 25 Jahre alte Elmshorner Christof R. am Donnerstagvormittag – direkt nach der Anklageverlesung – vor der dritten Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe ein. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten zuvor vorgeworfen, sich zwischen Januar und Oktober 2013 siebenmal am damals fünf Jahre alten Tom und zweimal an der zu der Tatzeit sechs Jahre alten Lisa (Kindernamen von der Redaktion geändert) sexuell vergangen zu haben.

Das Gericht sah es nach dem Geständnis des Mannes sowie nach der Vernehmung von vier Zeugen als erwiesen an, dass sich der Arbeitslose in acht Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatte. In einem Tatvorwurf wurde das Verfahren gegen den ehemals Drogensüchtigen eingestellt. Die drei Berufsrichter und die zwei Schöffen verurteilten Christof R. schließlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie einer stationären Behandlung in einer psychiatrischen Klinik. Damit blieb das Gericht unter dem von der Staatsanwaltschaft zuvor geforderten Strafmaß von zweieinhalb Jahren.

Christof R. hatte eigenen Aussagen zufolge Tom über dessen Großmutter kennengelernt, die in einer Wohnung neben der des Angeklagten wohnte. Am Anfang des vergangenen Jahres sei der Junge öfter bei ihm gewesen, um mit seiner Spielekonsole X-Box zu spielen. Laut des Elmshorners hat das Kind dabei meistens auf seinem Schoss gesessen. Dabei habe der Erwachsene fünfmal in die Hose des Jungen gegriffen und dessen Glied berührt. Zudem habe er Tom einmal aufgefordert, sein eigenes, erigiertes Glied anzufassen und daran zu reiben. Das habe das Kind zunächst verneint, später dennoch einmal für einen kurzen Zeitraum getan. Darüber hinaus hat sich Christof R. einmal angezogen auf Tom gelegt und sich an ihm gerieben. Danach sei er ins Badezimmer gegangen, um sich selbst zu befriedigen.

Bis Juni behielten Tom und Christof R. alles für sich. Dann sprach das Kind auf einmal seine Patentante auf das Glied vom Angeklagten an. Das alarmierte die gelernte Sozialpädagogin. Sie suchte daraufhin das Gespräch mit dessen Eltern. Diese reagierten und zeigten Christof R. an.

Tom war jedoch nicht das einzige Opfer: Im Spätsommer 2013 hat Christof R. laut Ansicht des Gerichts der Tochter seiner Cousine, Lisa, beim gemeinsamen Spielen im Garten einmal fest im Intimbereich berührt. Sie habe daraufhin über starke Schmerzen im Unterleib geklagt. Lisas Mutter ging von einer Blasenentzündung aus. Hellhörig wurde sie nach eigenen Angaben erst, als Lisa begann, von einem Geheimnis zu sprechen. Später habe das Mädchen dann erzählt, dass der 25-Jährige sie beim Versteckspiel im Intimbereich angefasst und fest zugedrückt habe. Laut des Angeklagten sei das aber nur ein Versehen gewesen. Doch das hat ihm das Gericht nicht abgenommen.

Alle Fragen werden beantwortet

Christof R. war umfänglich geständig, beschrieb die Tathergänge ausführlich und beantwortete sämtliche Fragen. Als Hülsing ihn fragte, ob dem bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vom Amtsgericht Pinneberg Verurteilten bewusst gewesen sei, dass er etwas Strafbares getan hatte, sagte der 25-Jährige: „Ja, leider war mir das bewusst.“

Christof R. sagte auch, dass es ihm nach den Taten nie gut gegangen sei. Dass ihm bewusst sei, etwas Verbotenes getan zu haben. Aber auch, dass er Hilfe benötigt: „Ich weiß, dass ich draußen Schaden anrichte“, sagte der Mann, der bereits 40 Stunden beim Elmshorner Verein Wendepunkt in Therapie gewesen war.

Doch die Mitarbeiter des Wendepunkts hätten Christof R. nicht richtig behandelt, sagte Gutachter Professor Dr. Hartmut Bosinski gestern: Bei dem Elmshorner handle es sich um einen Kernpädophilen mit einer Persönlichkeitsstörung. Der Mann habe eine Lernbehinderung, in seiner Kindheit und Jugend keine Zuneigung erfahren, sei in der Förderschule in Quickborn gemobbt und von seinem Stiefvater geschlagen worden. Hinzu kämen Depressionen und starkes Suchtverhalten. Aufgrund der hohen „Rückfallwahrscheinlichkeit“ und der fehlenden Behandlungsmöglichkeiten bei dieser sexuellen Neigung, empfahl der Professor die stationäre Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Das Gericht schloss sich dem an. Der Vorsitzende Richter stellte aber auch fest: „Für die Aussetzung der Strafe auf Bewährung ist kein Raum.“ Denn im jetzigen Zustand sei der Angeklagte eine Gefahr für die Allgemeinheit.

Welche Schäden Tom und Lisa von den Übergriffen davontragen werden, sei noch unklar. Der Junge ist laut Aussage seiner Mutter und seiner Patentante seitdem verhaltensauffällig. Dem Mädchen ginge es wieder gut.

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