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Pinneberger Tageblatt

18. August 2017 | 15:17 Uhr

Otter sind die neuen Stadtbewohner

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ansiedlung Prüfung der Pinnau ergab, dass die scheuen und streng geschützten Tiere eingezogen sind und Pinneberg mögen

Schwimmhäute, langer Schwanz, glänzendes Fell: Die Otter sind da. Der Bestand, der in Schleswig-Holstein fast ausgerotteten Tiere hat sich erholt. Jetzt sind sie in Pinneberg eingewandert und haben ihr Revier abgesteckt. Es scheint, als fühlten sich die Otter wohl in der Kreisstadt – erste Aufnahmen aus der Pinnau zeigen sie als wohlgenährte Schwimmkünstler.

„Wasserqualität und Futterangebot stimmen wieder“, sagt Edelgard Heim, Stationsleiterin der Haseldorfer Außenstelle des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). „Die Wasserqualität in den Fließgewässern Schleswig-Holsteins hat sich dank zahlreicher Naturschutzmaßnahmen generell erholt. Gefährliche Pestizide wurden verboten und Kläranlagen optimiert. Das hat sich positiv ausgewirkt.“

Einst als Fischereischädlinge gebrandmarkt und wegen ihres schönen Fells gejagt, sind Fischotter jetzt streng geschützt. Sie wandern aus Dänemark und Mecklenburg-Vorpommern langsam wieder ein. Von 195 Exemplaren berichtete im vergangenen Jahr der „Jahresbericht zur biologischen Vielfalt Jagd- und Artenschutz“. Weil Otter meist nachts unterwegs sind, kann man sie sehr schlecht zählen. Ihre Hinterlassenschaften wie Futterreste und Kot (Losung) geben einen Nachweis auf ihre Existenz. Heim: „Und wenn man großes Glück hat, bekommt man sie vor die Linse einer Wildtierkamera.“


Flächendeckendes Otter-Monitoring


„Wir machen ein flächendeckendes Otter-Monitoring. Da können wir feststellen, wo Populationen sind und wie sie sich ausbreiten“, sagt Heim. Dass sich der scheue Fischotter auch mitten in Pinneberg wohlfühlt, war für die Naturschutz-Profis allerdings eine echte Überraschung. Heim: „Mein Kollege Arne Drews aus Kiel wollte die Pinnau inspizieren. Er sollte prüfen, ob die Durchlässigkeit des Gewässers für den Fischotter gewährleistet ist, wenn er sich dann irgendwann einmal dort ansiedeln sollte.“ Doch der Fischotter hatte seine Umzugspläne bereits ohne Hinzuziehung des Landesamtes in die Tat umgesetzt und sich in der Pinnau häuslich eingerichtet. „Die Natur ist eben unberechenbar“, sagt Heim lachend.

In dem Bericht von Drews heißt es: „Die meisten Bereiche des Pinnau-Durchflusses durch Pinneberg sind naturfern ausgebaut und subjektiv wenig attraktiv für Fischotter.“ Aber viele Areale seien hinreichend abgezäunt. So wäre der Fischotter vor Menschen und Hunden sicher und habe Rückzugsorte gefunden, in denen er in Ruhe jagen und fressen könne. Drews konnte die intensive Nutzung durch den Fischotter quer durch die City nachweisen.

Otter werden nicht mehr bejagt, ihre Lebensbedingungen haben sich verbessert und trotzdem sind sie in Gefahr, weil sie riesige Reviere haben, die sie durchstreifen: „Der größte Feind der Otter ist gegenwärtig der Autoverkehr. Wenn sie unter einer Brücke nicht hindurchkommen, dann gehen sie oben rüber. Im schlechtesten Fall werden sie bei ihren Ausflügen überfahren“, so Heim. Diese langen Touren entlang der Gewässerläufe kann man den Ottern nicht abgewöhnen. Trockentunnel und angelegte Uferstreifen sollen helfen, sie vor Autos zu schützen.

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