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Nein zu Krieg und Rüstungsexport : Ostermarsch des Friedensnetzwerks in Wedel

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Rund 200 Menschen demonstrieren gegen Rassismus, Ausgrenzung und ungleiche Lebenschancen.

Wedel | Es war ein bewegender Moment, als zwei junge Frauen aus Syrien am Mikrofon das Wort ergriffen, mit Tränen in den Augen in englischer Sprache von ihrer Flucht erzählten und sich für die Aufnahme und Hilfe in Deutschland bedankten. Da bedurfte es keiner Übersetzung, um zu verstehen, was die Flüchtlinge empfinden. Der traditionelle Ostermarsch des Friedensnetzwerks des Kreises Pinneberg stand ganz im Zeichen der Kriegsereignisse im Nahen und Mittleren Osten. 200 Menschen, darunter die Wedelerin Marianne Wilke, die seit 1961 an Osterkundgebungen teilnimmt, hatten sich dazu am vergangenen Sonnabendvormittag auf dem Wedeler Rathausplatz versammelt.

Marianne Wilke, 86 Jahre alt, aus Wedel ist seit 1961 bei jedem Ostermarsch dabei.
Marianne Wilke, 86 Jahre alt, aus Wedel ist seit 1961 bei jedem Ostermarsch dabei. Foto: Krohn

Irmgard Voß, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin in Heidgraben, hatte eine Gruppe von jungen Menschen aus Syrien und Afghanistan nach Wedel begleitet. „Sie baten mich, anlässlich des fünften Jahrestags des Kriegsbeginns in Syrien sprechen zu dürfen“, sagte sie. Maha Kalah, eine 17-jährige Syrerin, musste bei ihrer Flucht nach Deutschland Familie und Freunde hinter sich lassen. „Ich möchte mir hier ein besseres Leben aufbauen, ohne Blut und ohne Tod. Ich möchte meine Träume verwirklichen“, sagte sie. Maya Sadia, 22 Jahre alt, die in Syrien drei Jahre lang Physik studierte, wünscht sich Frieden auf der ganzen Welt: „Deswegen sind wir heute hier.“

 

Als Hauptrednerin hatte Ostermarsch-Organisatorin Irmgard Jasker Christine Buchholz von der Partei Die Linke in die Rolandstadt geholt. Die Bundestagsabgeordnete aus Hessen erteilte Krieg, Rüstungsexport und westlichen Interventionen in den Krisengebieten eine deutliche Absage. „Wer etwas gegen die Fluchtursachen tun will, muss zu allererst etwas gegen diese Kriege und dieses Elend tun“, forderte sie. Die deutsche Politik habe die Kriege jedoch mit erzeugt oder mit verschärft, etwa durch Waffenexporte.

Christine Buchholz, Bundestagsabgeordnete der Linken, sprach zu den Demonstranten.
Christine Buchholz, Bundestagsabgeordnete der Linken, sprach zu den Demonstranten. Foto: Krohn

Deutsche Firmen gehörten in Sachen Waffenproduktion zur Weltspitze. Damit dies so bleibe, erteile die Bundesregierung großzügig Rüstungsexportgenehmigungen, kritisierte Buchholz.

Der sogenannte Krieg gegen den Terror, der vor 15 Jahren in Afghanistan begonnen habe, bringe neuen Terror hervor, so die Bundestagsabgeordnete. Es gebe keinen „sauberen“ Krieg. Bomben und Drohnenangriffe bekämpften Terrorismus nicht. „Jeder extralegal getötete Kämpfer, jeder getötete Zivilist, führt dazu, dass Gruppen wie Al Kaida und der IS weiter rekrutieren können.“ Terrorismus sei kein Problem des Islams, er sei auch ein Problem der Gesellschaft: „Die Täter von Paris und Brüssel waren Teil unserer Gesellschaften.“ Rassismus, Ausgrenzung und ungleiche Lebenschancen bedeuteten nicht, dass Betroffene automatisch zu Terroristen würden. Der Islamische Staat (IS) könne nur nachhaltig geschwächt werden, wenn sich im Irak und in Syrien politisch etwas verändere. Im Anschluss an die Ostermarschrede zogen die Demonstranten durch die Wedeler Innenstadt bis zum Theaterschiff Batavia. Dort wurde ein Friedensfest mit Livemusik, Diskussionen und Spielen für Kinder gefeiert.

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erstellt am 29.Mär.2016 | 10:00 Uhr

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