zur Navigation springen

Hundeverkauf bei eBay-Kleinanzeigen : Opfer des Internet-Tierhandels: Tierheime werden zu Gnadenhöfen

vom

Sie werden bei eBay immer weiter verkauft - bis sich kein Käufer mehr findet: Für manche Hunde wird das Konsumverhalten der Menschen zum Problem. Einige landen als schwer vermittelbar im Tierheim.

shz.de von
erstellt am 01.Mai.2017 | 10:19 Uhr

Elmshorn | Kai-Uwe ist gerade einmal zehn Monate alt und etwa 25 Zentimeter groß. Doch der schwarz-weiß-gefleckte Jack Russell Terrier hat Traumatisches hinter sich: Er wurde mindestens dreimal über das Internet verkauft und musste mehrere Wintermonate ausgesperrt auf einem Balkon verbringen. Jetzt lebt Kai-Uwe im Tierheim Elmshorn – zusammen mit anderen Opfern des Internet-Tierhandels.

„Dieses Phänomen breitet sich extrem aus und führt dazu, dass Tierheime zu Gnadenhöfen werden“, sagt Tierheim-Leiterin Anke Darius. „Denn die Tiere, die über das Internet von einem unerfahrenen Halter zum nächsten weitergegeben werden, kommen mit großen Problemen zu uns und sind oft kaum vermittelbar.“

Tierheim-Leiterin Anke Darius (links) sieht das Problem bei unseriösen Züchtern.

Tierheim-Leiterin Anke Darius (links) sieht das Problem bei unseriösen Züchtern.

Foto: sh:z
 

Das ist nicht nur für die Tiere schwer, sondern bereitet auch dem Tierheim Probleme, das sich zu großen Teilen über Spenden finanzieren muss. Die Wurzel des Übels sind für Darius Züchter, denen es ausschließlich um den Profit geht. „Bis zu fünf Würfe im Jahr sind legal. Diese Leute züchten vor allem kleine Hunde und bieten sie dann über Internetportale wie Ebay-Kleinanzeigen zum Verkauf an“, sagt Darius. „Damit verdienen sie bis zu 7000 Euro im Jahr.“

Anders als seriöse Züchter achteten diese Leute nicht darauf, wem sie ihre Hunde verkaufen oder ob die Käufer mit den Tieren zurecht kommen. „Wenn die neuen Besitzer dann auf Probleme stoßen – etwa weil der junge, noch unerzogene Hund aufs Sofa pinkelt – verkaufen sie ihn über das Internet weiter“, erklärt Darius. Irgendwann seien die Tiere dadurch so verunsichert, dass sie bei der kleinsten Unsicherheit ihres Besitzers die Kontrolle übernähmen. Dann fangen viele Hunde an zu beißen oder zerfetzen ihre Leine. 

Am Ende kommen die Tiere dann ins Tierheim – wie Kai-Uwe. Der kleine Hund ist voller Angst, traut sich kaum, seine neue Heimat zu verlassen. Solche Tiere brauchen erfahrene neue Besitzer, die ihnen Sicherheit geben und mit ihnen an ihren Problemen arbeiten. „Aber die sind nicht leicht zu finden“, sagt Anke Darius. „Deshalb bleiben so viele Tiere so lange bei uns – manchmal bis zu ihrem Tod.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen