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Hetlingen bei Hamburg : Olé im Klärwerk: 25.000 Liter gefälschter Tequila vernichtet

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Eine Containerladung gefälschten Tequila vernichten: Für die Mitarbeiter eines großen Klärwerks bei Hamburg ist das eine Lachnummer, für die mexikanischen Produzenten aber eine ernste Angelegenheit.

Hetlingen | Aus 25.000 Litern gefälschtem Tequila werden 20.000 Kilowattstunden Strom. Das verspricht die Chefin des Klärwerks von Hetlingen (Kreis Pinneberg) bei Hamburg, Christine Mesek, am Donnerstag der mexikanischen Botschafterin Patricia Espinosa Cantellano. „Wir hätten das auch schön abfackeln können“, sagt der Vorsitzende des Verwaltungsrats der kommunalen Anlage, Roland Krügel, mit Blick auf den Alkoholgehalt von über 65 Prozent. Auch angesichts der Menge schmunzelt er: „Für die Anlage ist das eine Lachnummer.“ Den Mexikanern ist es aber sehr ernst, ihnen kommt es auf die öffentliche Wirkung an. Auf einen Hinweis von ihnen hin hat der Zoll im Hamburger Hafen am 10. Oktober einen Container beschlagnahmt.

Untersuchungen in Berlin und Mexiko bestätigten, dass es sich nicht um echten Tequila handelt. Diese Spirituose hat seit 1974 eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Sie darf nur aus der Region des mexikanischen Bundesstaates Jalisco kommen und einen Alkoholgehalt von 35 bis 55 Prozent haben. Und ganz wichtig: Echter Tequila wird aus dem Herz der Blauen Agave hergestellt, die als besonders hochwertig gilt.

In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage stark gestiegen, sagt der eigens angereiste Präsident des Tequila-Regulierungsrates, Miguel Ángel Dominguez Morales. 172 Millionen Liter exportierte Mexiko im vergangenen Jahr. 4,4 Millionen Liter - etwa 2,6 Prozent - gingen nach Deutschland. Die Mexikaner begründen die hartnäckige Verfolgung von Tequila-Fälschungen vor allem mit dem Verbraucherschutz. Die illegalen Getränke können Methanol enthalten, der Leber und Gefäße schwer schädigen und sogar zum Tod führen könne, sagt der Generaldirektor der Bundeskommission zum Schutz vor gesundheitlichen Risiken, Jorge Antonio Romero Delgado.

Es läuft: Miguel Ángel Dominguez Morales (von links) und Patricia Espinosa Cantellano lassen den falschen Tequila in eine Vergärungsanlage des Hetlinger Klärwerks strömen. Beamtinnen des Zolls (rechts) überwachen die Aktion.  (Foto: Thieme)
Es läuft: Miguel Ángel Dominguez Morales (von links) und Patricia Espinosa Cantellano lassen den falschen Tequila in eine Vergärungsanlage des Hetlinger Klärwerks strömen. Beamtinnen des Zolls (rechts) überwachen die Aktion. (Foto: Thieme) Foto: Thieme (3)
 

Es geht aber natürlich auch um wirtschaftliche Interessen. Der Tequila-Export hat einen Wert von rund 800 Millionen Euro. Es gibt acht große Produzenten in Mexiko, die mehr als die Hälfte des Branntweins destillieren. Daneben gebe es aber auch zahlreiche kleine Unternehmen und 17.500 Agaven-Anbauer. Ihnen ist der Schutz der Marke wichtig. „Mexiko hat sehr viel Zeit und Mühe gebraucht, um diese Rechte zu bekommen“, erklärt Botschafterin Espinosa. Tequila war die erste Herkunftsbezeichnung Mexikos, inzwischen sind es 14.

Den Fälschern will Mexiko nun das Handwerk legen. Die in Hamburg beschlagnahmte Menge sei nur ein Teil von insgesamt 220.000 Litern gefälschten Tequila, die in die EU exportiert worden seien, sagt der Regierungsberater Christophe Zimmermann. Wie er auf die Zahl kommt, wo die Menge überall hingeliefert wurde, will er nicht sagen. „Die Ermittlungen laufen.“ Eine mexikanische Zollbeamtin bestätigt immerhin, dass ein Hintermann Mexikaner sei.

Die Vernichtung des gefälschten Branntweins wird in einer Urkunde bestätigt, die Mesek der Botschafterin überreicht. Genau genommen ist das zu dem Zeitpunkt nicht ganz korrekt. Die Vergärung des Alkohols dauert 24 Stunden. Aber die Klärwerk-Leiterin ist sich sicher: „Die Bakterien freuen sich heute und schreien Olé.“ Das dabei entstehende Klärgas kommt ins Blockheizkraftwerk und wird dort zur Stromerzeugung genutzt. Eine Rechnung für die Entsorgung gibt es trotzdem. Laut Gebührenordnung fallen für die 25 Kubikmeter Branntwein 46,85 Euro an, wie Mesek erklärt. An wen die Rechnung gehen wird, ist noch nicht klar. Die Kosten für die Reise der 28-köpfigen Delegation aus Mexiko an die Elbe dürften weit höher gewesen sein.

 

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erstellt am 10.Dez.2015 | 16:14 Uhr

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