Ohne parteipolitisches Geplänkel

Kommunalpolitisches Frauennetzwerk des Kreises Pinneberg möchte den Anteil von weiblichen Gremiumsmitgliedern steigern

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09. März 2018, 16:00 Uhr

Im Kommunalpolitischen Frauennetzwerk des Kreises Pinneberg ziehen alle an einem Strang: Das Netzwerk hat sich 2017 gegründet und bündelt frauenrelevante Themen über Parteischranken hinweg. „Wir bieten Politikerinnen aus unseren Städten und Gemeinden überparteiliche Vernetzungen an“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Pinneberg, Tinka Frahm.

Vorderstes Ziel sei es, den Frauenanteil in den Parteien des Kreises zu erhöhen – derzeit werde nur jeder vierte Sitz von einer Frau besetzt. „Viel zu wenig“, kritisiert die Pinneberger Gleichstellungsbeauftragte Deborah Azzab-Robinson. Die Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Heike Beukelmann, stimmt zu: „In unseren politischen Ausschüssen muss sich endlich auch unsere Gesellschaft widerspiegeln. Und die ist nun mal männlich und weiblich.“ Der Negativtrend sei nicht nur im Kreis Pinneberg auszumachen, monieren die Netzwerkerinnen, auch im Schleswig-Holsteinischen Landtag oder im Bundestag hätte nach der letzten Wahl die Zahl der Mandatsträgerinnen abgenommen.

Den Hauptgrund für die weibliche Unterrepräsentanz sehen sie in der noch immer traditionellen Arbeitsteilung in Familien. „Männer sorgen doch selten dafür, dass der Kühlschrank gefüllt ist, dass dem kranken Kind die Medikamente gereicht oder die Hausaufgaben vernünftig erledigt werden“, sagt die stellvertretende Kreispräsidentin Sabine Schaefer-Maniezki (Grüne). „Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Frauen als Hinderungsgrund für kommunalpolitische Mitarbeit die familienunfreundlichen Sitzungstermine und die überlangen Gremiensitzungen angeben.“

Victoria Kuczka, Vorstandsmitglied der SPD Halstenbek, möchte Sitzungszeiten generell straffen und begrenzen: „In maximal zwei bis drei Stunden kann man das Programm auch durchziehen.“ Konzentrierteres Arbeiten, Sachlichkeit und weniger Selbstdarstellung täten der politischen Arbeit gut und würden Sitzungszeiten familienkompatibler und somit frauenfreundlicher machen. Was Viele nicht wissen: Anfallende Kinderbetreuungskosten während der Sitzungszeiten werden zu 100 Prozent erstattet.

Weibliche Politikneulinge sprängen oft wieder ab, weil sie sich in den Parteien nicht gut aufgenommen fühlen. Beukelmann: „Man wird ins kalte Wasser gestoßen. Es gibt viel zu wenig Einführungen in die Strukturen der Gremien- und Parteiarbeit. Da wollen wir helfen. Politikinteressierte Frauen im Kreis, können sich an uns wenden.“ Zusätzlich hielte auch der fehlende wertschätzende Umgang in den Fraktionen viele Frauen von der Politik fern: „Wir steuern dagegen. Durch unser Netzwerk gibt es für Politikerinnen und interessierte Frauen regelmäßig einen fairen, kollegialen Austausch in angenehmer Atmosphäre“, informiert Frahm.

Schaefer-Maniezki möchte besonders auf dem Land mehr Frauen für die politische Arbeit interessieren: „Gerade in ländlichen Gebieten beanspruchen Männer immer noch die vorderen Plätze für sich. Dort trauen sich Frauen noch nicht in die erste Reihe. Die wollen wir unterstützen.“ Sabine Lankau von der BfB Wählergemeinschaft Uetersen macht klar, dass das Netzwerk natürlich auch für Wählergemeinschaften offen sei.

Das nächste Treffen des Kommunalpolitischen Frauennetzwerkes des Kreises Pinneberg findet am Freitag, 25. Mai, von 19 bis 21 Uhr im Schenefelder Lustis an der Industriestraße statt, Anmeldungen per E-Mail.

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t.frahm@kreis-pinneberg.de


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