Portrait : „Ohne Kontakte geht in dem Job gar nichts“

SV Halstenbek-Rellingen-Manager Detlef Kebbe hat vom Ex-HSV-Profi David Jarolim vor kurzem ein Trikot dessen neuen Klubs FK Mladá Boleslav in Tschechien erhalten.
SV Halstenbek-Rellingen-Manager Detlef Kebbe hat vom Ex-HSV-Profi David Jarolim vor kurzem ein Trikot dessen neuen Klubs FK Mladá Boleslav in Tschechien erhalten.

SV Halstenbek-Rellingen-Manager Detlef Kebbe prägt seit mehr als drei Jahrzehnten den Fußball in der Region.

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15. März 2014, 06:00 Uhr

Der Regionalligist im Emsland, der Zweitligist in Dresden und der Landesligist aus dem Kreis Pinneberg – Detlef Kebbe kann zu so ziemlich jedem Klub etwas sagen. Ein Gespräch mit ihm ist ein spannender Exkurs durch ein paar Jahrzehnte Fußballgeschichte. Schließlich ist der Manager des Oberligisten SV Halstenbek-Rellingen (HR) seit mehr als drei Jahrzehnten in der Szene zu Hause und zählt HSV-Legenden wie Horst Hrubesch, Uli Stein und Bernd Wehmeyer zu seinem Freundeskreis. „Ohne Netzwerk und Kontakte geht in dem Job gar nichts“, weiß der 62-Jährige. Für ihn hat sich mit dem Managerposten bei HR der Kreis geschlossen.

Als er noch bei seinen Eltern in Rellingen wohnte, spielte Detlef Kebbe fünf Jahre in den Nachwuchsteams der SV Halstenbek-Rellingen. Später war er für den VfL Pinneberg und den Tangstedter SV aktiv. In Tangstedt hat der zweifache Familienvater auch ein Haus gebaut.

Während der Fußballer Kebbe keine bleibenden Spuren hinterlassen konnte, hat sich der Manager Kebbe längst einen Namen gemacht, der weit über den Kreis hinaus reicht. Seine organisatorischen Qualitäten sorgten dafür, dass er bereits mit 32 in Tangstedt zum Ligaobmann wurde. Der frühere Fußball-Abteilungsleiter des VfL Pinneberg, Karl-Heinz Stallinger, wurde dort auf den Jung-Manager aufmerksam und lockte ihn zum VfL. Dort blieb Kebbe 18 Jahre. „Das war eine wunderschöne Zeit“ schwärmt der 62-Jährige. Nur das Ende war mit der überraschenden Entlassung unschön. „Danach dachte ich, ich verliere den Boden unter den Füßen.“

Dass ihn die Trennung tief verletzt hat, ist Kebbe immer noch anzumerken, auch wenn er betont: „Der VfL ist ein toller Verein, über den ich nie etwas Schlechtes sagen würde.“ Siege gegen Pinneberg schmecken aber trotz allem besonders süß. . .

Kebbes Kontakte zu Bundesliga-Profis des Hamburger SV, Kundschaft bei seinem Arbeitgeber Mercedes Burmester in Rellingen, brachten den Duft des großen Fußballs in die Kreisstadt. Mit Peter Hidien, Jürgen Stars und Bernd Wehmeyer spielten mehrere HSV-Stars am Ende ihrer Karriere in Pinneberg. Peter Nogly machte er während seiner Zeit in Wedel zum Trainer des TSV. Es gibt auch zahlreiche private Berührungspunkte. Bei der Hochzeit von Horst Hrubesch war Kebbe Trauzeuge und seine Frau Rosi ist die Patentante von Uli Steins Tochter Jennifer. Auch mit den aktuellen Profis versteht sich der HR-Manager gut. So loste Verteidiger Johan Djourou Ende Dezember des vergangenen Jahres die Gruppen für das Hallenturnier um den Sottmann-Cup der SV Halstenbek-Rellingen aus. Ex-HSVler David Jarolim schickte vor kurzem ein Trikot seines neuen Klubs FK Mladá Boleslav in Tschechien. Wer so viele Kontakte hat, gerät irgendwann zwangsläufig ins Visier der Großklubs. „Es gab immer mal wieder Angebote aus dem Profibereich“, berichtet Kebbe. Er blieb aber dem Kreis Pinneberg treu, auch wenn er ein wenig bedauert, nicht eine der Chancen wahrgenommen zu haben. Wegen der Familie sei ihm das Risiko aber zu groß gewesen. „Außerdem bin ich ein bodenständiger Typ.“ Deshalb arbeite er bereits seit 45 Jahren bei der Walter Burmester GmbH. „Seriös, fair und immer ehrlich“ – so beschreibt der 62-Jährige die Eigenschaften, die für ihn im Job und im Fußball unabdingbar sind. Wobei nicht jeder mit allzu großer Offenheit umgehen könne, erklärt Kebbe. Er stehe dafür, dass die gesetzten Ziele – sei es der Auf- oder die Rettung vor dem Abstieg – tatsächlich erreicht werden.

Momentan denkt er aber nicht nur über den HR-Kader für die kommende Saison nach. Wie alle, deren Herz für den HSV schlägt, beschäftigt ihn momentan natürlich die Krise des Bundesliga-Dinos. „Ein Abstieg hätte unabsehbare Folgen“, vermutet Kebbe.

Für ihn ist der Fußball „zugleich Hobby und Beruf“. Entspannen könne er sich bei den Spielen der Halstenbeker allerdings nicht. Das gelingt eher mit den Brieftauben, von denen er etwa 100 hat. Die SV Halstenbek-Rellingen ist nach Tangstedt, Pinneberg und Wedel seine vierte Station als Ligaobmann beziehungsweise Manager. Der Wechsel zu HR war für Kebbe auch aus familiärer Sicht ein Gewinn. „Meine Frau hat sich schon vorher immer am liebsten die Halstenbeker Spiele angeschaut“, sagt der 62-Jährige schmunzelnd. Das hänge auch damit zusammen, dass Sohn Marco für HR spielte. Wäre seine Frau nicht ebenfalls fußballverrückt, hätte er seine Arbeit als Manager und das Familienleben auch gar nicht miteinander vereinbaren können, betont Kebbe. Wie lange er noch Manager sein wird, weiß er nicht. Mit dem Fußball ist aber auch danach nicht Schluss. Kebbe plant, im Anschluss als Spielerberater zu arbeiten. Dann allerdings im Profibereich. „Irgendwie muss ich meine ganzen Kontakte ja nutzen.“, sagt er lächelnd.

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