Sommerpause : Ohne Karneval können sie nicht sein

Tanzmariechen Sina-Marie Schmidt und Büttenrednerin Bärbel Gröschke (rechts) posieren beim Fototermin am Elbstrand von Wedel.
Tanzmariechen Sina-Marie Schmidt und Büttenrednerin Bärbel Gröschke (rechts) posieren beim Fototermin am Elbstrand von Wedel.

Füße hochlegen und bis zum Sessionsstart am 11. November entspannen? Das ist für die Moorreger Karnevalisten nicht drin

shz.de von
27. August 2018, 12:00 Uhr

Sommer, Sonne, Temperaturen von über 30  Grad. Da denkt niemand an Karneval, für viele Menschen die fünfte Jahreszeit – und die schönste Zeit des Jahres. Die Session endet mit dem Aschermittwoch und traditionell wird am 11. November die neue mit der Prinzenproklamation eingeläutet. Dazwischen heißt es ausruhen, entspannen und die Beine hochlegen. Oder nicht?

Nein! „Der Sommer ist die wichtigste Trainingszeit“, sagt Sina-Marie Schmidt. Als Tanzmariechen muss sie ihren Solotanz einüben und auch in den Garden werden die neuen Darbietungen einstudiert. „Im Sommer wird durchtrainiert, soweit es möglich ist“, sagt Schmidt. Seit 2006 tanzt sie bei den Moorreger Karnevalisten, 2012 stand sie erstmals als Tanzmariechen auf der Bühne. Einmal pro Woche trainiert sie mit der Garde, einmal alleine.

Etwa 26 Tänzerinnen sind in Moorrege aktiv. Die Mädchen in der Weißen Garde sind zwischen sechs und elf Jahre alt, in der Roten Garde zwischen zwölf und 15 Jahre und ab 16 kann in der Blauen Garde getanzt werden. „Es kostete schon Überwindung“, sagt Schmidt über das Training bei 30 Grad und mehr. „Die Trainer achten aber darauf, dass es für uns angenehm bleibt und wir es körperlich hinbekommen.“ Es gäbe mehr Trinkpausen und die Trainingsdauer werde individuell angepasst. Eine Sommerpause? „Die ist nicht drin“, sagt Schmidt. Nach Aschermittwoch wurde vier Wochen pausiert, in denen die Trainerinnen neue Lieder heraussuchten und die Choreografien entwickelten. Seitdem wird am neuen Programm gearbeitet. „Wir arbeiten verstärkt an der Kraft, Ausdauer und den Grundlagen wie Rad, Spagat oder Sprüngen. Denn in der kurzen Pause verkürzen sich die Bänder schon“, sagt das Tanzmariechen. Beim Workshop im Oktober müssen die Tänze sitzen. „Dann wird einen Tag nur trainiert.“

Eine Sommerpause gibt es auch für den Präsidenten der Moorreger Karnevalisten nicht. „Wir halten den Verein am Laufen, fragen Veranstaltungsorte an und klappern die Seniorenresidenzen ab“, beschreibt Kai-Uwe Egger einige Aufgaben von Vorstand und Geschäftsführung des mehr als 200 Mitglieder zählenden Vereins. „Wir sind die ganze Zeit immer dabei“, sagt Egger. Beim Ernte-Move in Appen hat der Verein einen eigenen Wagen, Gruppen werden für Hochzeiten und Geburtstage gebucht. Aber im Fokus sind immer die drei „Tollen Tage“ mit Närrischer Nacht, Februarsitzung, Kinderkarneval und Seniorenprunksitzung. „Darauf sind alle Aktivitäten ausgerichtet“, sagt Egger. Vor allem für das kommende Jahr. Dann werden die Moorreger Karnevalisten 55 Jahre alt. Seine wichtigste Aufgabe: Ein neues Prinzenpaar finden.

„Es wird nicht einfacher, einen Prinzen und eine Prinzessin zu finden“, sagt Egger. Er selbst hat die Aufgabe zwei Jahre in Folge übernommen. „Wir führen viele Gespräche, aber der Zeitaufwand schreckt viele ab“, sagt der Karnevalspräsident. Bis zu 35 Auftritte gibt es. Während sich die Garden diese aufteilen, sollte das Prinzenpaar idealerweise möglichst häufig dabei sein. „Als ich Prinz war, habe ich nicht einen Auftritt verpasst“, sagt Andreas Wölm, Vizepräsident der Moorreger Karnevalisten. Für ihn sei die Zeit unvergesslich: „Jeder, der es mitgemacht hat, erlebt eine schöne und tolle Zeit.“

„Wir geben im kommenden Jahr erstmals eine Festzeitung heraus. Da gibt es einiges zu tun“, erläutert Stefanie Fricke, Vorsitzende des Werbeausschusses. Inhalte müssen vorbereitet, Sponsoren gesucht werden. Derzeit wird über ein Online-Bestellsystem für Eintrittskarten nachgedacht. Zudem laufen die Werbemaßnahmen für die Sitzungen an: Plakate und Banner werden vorbereitet, neue Flyer erstellt und für die Geschäftsführung gab es eine Werbemappe für Gespräche mit Veranstalterin. „Wir wollen unsere Bandbreite zeigen und klar machen, dass wir nicht nur Karneval sind, sondern einen bunten Nachmittag gestalten können“, sagt Ernst Ottenbacher, der nicht nur den Chor „Zwischentöne“ leitet, sondern auch eine neue Trommelgruppe ins Leben gerufen hat.

„Den Sommer nutzen wir zum Proben“, sagt Ottenbacher. Spätestens zu Weihnachten soll es die ersten Auftritte geben. „Wir trainieren seit März wöchentlich“, sagt er über die zehnköpfige Gruppe, die zukünftig bei Veranstaltungen wie Erntedankumzügen oder Weihnachtsparaden auftreten soll. „Wir nutzen den Sommer auch, um neue Mitglieder zu gewinnen“, sagt er. Das Ziel seien 20 Aktive. Wer mitmachen oder es einfach einmal ausprobieren will, soll sich bei ihm unter Telefon (01 78) 4 89 73 28 melden. „Ich gehe auch im Sommer ans Telefon“, sagt Ottenbacher lachend. Wenn er nicht gerade mit den „Zwischentönen“ die neuen Lieder probt, beim Männerballett tanzt oder neue Sketche einübt. Im Mai waren die Sänger dreimal im Studio und haben die neuen Stücke eingesungen. „Diese laufen bei Auftritten als Vollplayback im Hintergrund, damit die Stimmen voller klingen“, erläutert Ottenbacher. Was live gesungen wird, wird jetzt eingeübt. Ebenso die Sketche und die Auftritte der Kindergruppe „Kolibris“. „Ende August sammelt der Programmausschuss, was die Abteilungen ausgearbeitet haben“, sagt Ottenbacher. Einzig das Männerballett pausiert im Sommer. „Das Training beginnt im September. Das ist auch nicht so aufwendig“, sagt er.

Nicht einmal Schatzmeister Hans-Peter Lütje kann durchatmen: „Wenn die Session vorbei ist, gehen alle Rechnungen bei mir ein. Ich muss den Jahresabschluss vorbereiten.“ Zudem werden im Sommer die Beiträge eingezogen, der Etat für die kommende Session geplant und den Abteilungen zur Verfügung gestellt. Zudem müssen für Auftritte bei Hochzeiten und Geburtstagen Rechnungen geschrieben werden. Etwa 25 000  Euro kostet eine komplette Session. „Die Haupteinnahmen sind natürlich unsere großen Veranstaltungen“, sagt Lütje. Sein Wunsch: „Gerade in meiner Heimatgemeinde Appen dürften zum Karneval noch ein paar mehr Menschen ins Bürgerhaus kommen.“

Hat von den Karnevalisten wirklich niemand Zeit für eine Sommerpause? „Ich mache eine Sommerpause. Die brauche ich auch“, sagt Bärbel Gröschke. Seit etwa zehn Jahren ist sie als Büttenrednerin im Verein aktiv. In der Hauptsaison von Januar bis Aschermittwoch steht sie teilweise dreimal pro Woche in der Bütt. „Nach Aschermittwoch brauche ich eine lange Sommerpause“, sagt sie. Ab August, September arbeite sie an ihrem neuen Programm. „Wenn mir was auffällt, schreibe ich es auf oder schneide es aus.“ Viele Inspirationen erhalte sie aus Zeitungsartikeln. „Ansonsten habe ich viele Bücher auf Platt, in denen ich Ideen finde“, sagt Gröschke. „Die bleiben aber im Hochsommer im Schrank.“

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moorreger-karnevalisten.de

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