Das Sonntagsgespräch : „Ohne das Filmen gehe ich ein wie eine Primel“

Ingo Frenzel liebt den Kick, Menschen zu unterhalten.
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Ingo Frenzel liebt den Kick, Menschen zu unterhalten.

Der Uetersener Filmemacher Ingo Frenzel verrät, woher er seine Inspiration bekommt und welche Filme ihm selbst gefallen.

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21. Januar 2018, 12:00 Uhr

Uetersen | „Die Zombiejäger“, „Bond reloaded“ – Werke, die zeigen, dass der Uetersener Filmemacher Ingo Frenzel bestimmt nicht für 08/15-Kino steht. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, warum es ihm so viel Spaß bringt, Filme zu produzieren und worauf es ihm dabei ankommt.

Wie sind Sie dazu gekommen, Filme zu produzieren?
Frenzel: Schon seit meiner Kindheit bin ich großer Filmfan und habe im Kino vom Italo-Western über James Bond bis zu Godzilla alles verschlungen. Meine ersten eigenen Sachen habe ich mit der Super-8-Kamera meiner Eltern gedreht. Die war eigentlich für den Urlaub gedacht, landete dann aber bei mir. Die erste öffentliche Vorführung von einem meiner Filme fand 1997 im Sportlerheim Heidgraben statt. Ich war damals ziemlich aufgeregt und habe gehofft, dass niemand wegrennt und alle an den richtigen Stellen lachen. Zum Glück waren die Zuschauer zufrieden.

Ingo Frenzel (57) wohnt in Uetersen, arbeitet als Kraftfahrer, ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Frenzel ist nicht nur für ungewöhnliche Filme bekannt. Er ist außerdem Initiator und Organisator des Deichpiratenfestivals und hat das regelmäßig im Uetersener Burg-Kino stattfindende Kurzfilmfestival „Unschärfe“ ins Leben gerufen, bei denen der „Sunny“ - so etwas wie die Uetersener Oscars - verliehen werden.

Wie kam es dazu, dass Sie inzwischen sogar semi-professionelle Filme drehen?
Das hängt auch damit zusammen, dass ich einige Zeit in einer Uetersener Videothek aushalf. Da bin ich mit anderen Filmverrückten zusammengekommen und es hat sich eine Clique gebildet, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollte. Irgendwann kam der Punkt, dass ich einen Fan-Movie über James Bond drehen wollte. Der sollte aber zumindest semi-professionell sein. Dabei ist es seitdem geblieben. Mein Weg ist übrigens ungewöhnlich. Ich habe mit Spielfilmen angefangen und bin dann auf Kurzfilme umgestiegen. Bei den meisten Filmemachern ist es umgekehrt.

Was bedeutet es Ihnen, Filme zu drehen?
Das ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Meine Frau sagt immer, dass ich ohne das Filmen eingehe wie eine Primel. Man darf mir alles wegnehmen, nur nicht das Filmen. Sogar die Drehbücher schreibe ich selbst.

Was macht den besonderen Reiz daran aus, Filme zu produzieren?
Ich mache Filme, die ich selbst gerne gesehen hätte. Außerdem gibt es mir einen Kick, die Menschen zu unterhalten. Das ist vermutlich bei jedem Filmemacher so. Am schlimmsten für mich wäre es, wenn ich die Leute langweile. Das war zum Glück bisher nicht der Fall. Ich werde zwar nie in Hollywood landen und meine Filme weiterhin vermutlich nur in der Region gezeigt. Aber das ist mir egal. Ich mache weiter, solange es geht.

Wie entstehen die Ideen für Ihre Filme?
Das ist ganz unterschiedlich. Viele Inspirationen bekomme ich durch Musik. Die Idee für ein neues Projekt mit dem Titel „Ich bin’s, D(e)ad“ ist durch einen Albtraum entstanden, den ich nach dem Aufwachen gleich in der Nacht zu Papier gebracht habe. Die Geschichte spielt in einem Imbiss. Im Mittelpunkt stehen zwei Pflege-Geschwister, die sich dort nach Jahren wiedertreffen und dann von Psychopathen heimgesucht werden. Aktuell arbeite ich an „The Brain, the Crazy, the Coolness and the Mute”. Dabei handelt es sich um einen Thriller mit vier Killern in der Hauptrolle. Die Idee dazu entstand durch „Zwei glorreiche Halunken“. Mein Projekt spielt allerdings nicht im Wilden Westen, sondern in der Gegenwart. Geplant sind drei zusammenhängende Kurzfilme, aus denen später ein Spielfilm werden soll.

Welche Filme gefallen Ihnen selbst?
Ich finde viele Gerichtsfilme faszinierend, zum Beispiel „Zeugin der Anklage“. Auf ein Genre bin ich allerdings nicht festgelegt. Ich mag alles, was nicht langweilig ist. Das ist bei Büchern genauso. Wenn mich die ersten Seiten langweilen, lege ich das Buch gleich wieder weg.

Wie schaffen Sie es, Ihre Filme zu finanzieren?

Das ist nicht ganz einfach. Für „Bond reloaded“ habe ich mich sogar verschuldet. Dank meiner Kontakte schaffe ich es, die Ausgaben in Grenzen zu halten. Ab und an unterstützen mich auch Sponsoren. „Ich bin’s, D(e)ad“ und „The Brain, the Crazy, the Coolness and the Mute” sollen unter anderem durch Crowdfunding finanziert werden.

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