Silversurfer : Offline leben war gestern

Senioren interessiert sehr, was ihre Enkel machen. Das erfahren sie in sozialen Netzwerken wie Facebook. Das sagen Medienforscher.
Senioren interessiert sehr, was ihre Enkel machen. Das erfahren sie in sozialen Netzwerken wie Facebook. Das sagen Medienforscher.

Deutsche Ruheständler sind längst im Internet zu Hause. Sie nutzen es vor allem zur Kommunikation.

shz.de von
07. Mai 2015, 13:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Geschichte mit den Großeltern, die einen Browser für eine Dusche und Cookies für Kekse halten, entspricht lange nicht mehr der Realität. Der rüstige Rentner ist online. Opa postet Grüße im Netz und Oma flimmert nur noch per Skype über das iPad, sodass für die Enkel der Eindruck entstehen kann, sie wohne auch darin. Das Internet-Verhalten deutscher Senioren unterscheidet sich kaum vom Bundesdurchschnitt. Dies geht aus einer Umfrage des IT-Lobbyverbands Bitkom hervor. Demnach ist etwa die Hälfte aller Deutschen über 65 Jahre im World Wide Web unterwegs und 55 Prozent davon sind sogar über soziale Netzwerke wie Facebook und Co. erreichbar.

Was aber machen die Silversurfer da eigentlich im Netz? Ganz klar im Vordergrund stehen Kommunikation und Information. Neun von zehn Senioren schreiben E-Mails, acht von zehn informieren sich über das Zeitgeschehen und zwei von drei über Gesundheitsfragen. Auf Einkaufstour geht gut die Hälfte und etwa jeder Vierte chattet mit der Familie oder schaut Filme.

Der Online-Oldie ist ein gern gesehener Online-Shopper geworden. Er hat Zeit, Geld und weiß, was er will. Dabei möchte der Senior nicht als solcher angesprochen werden, was nicht bedeutet, dass er keine speziellen Bedürfnisse hat. Doch nur, weil Frau oder Mann 50 plus Begriffe rund um Wellness und Gesundheit – von Inkontinenzeinlagen bis zu Vitaminen – in die Suchmaske tippt, möchte man nicht als unmündig dargestellt werden. Von Rechtschreibfehlern und inflationärem Gebrauch von jugendlichen Anglizismen fühlen sie sich genervt.

Noch immerhin 41 Prozent möchten sich ganz und gar nicht mit der Materie beschäftigen. Anders als junge Leute benötigten die Altmeister den PC nicht unbedingt, um damit ihr Leben zu bewältigen. Leider hat fast jeder Zehnte auch niemanden, der ihm helfen könnte. Doch je einfacher die Handhabung neuer Technik mit Tablets und Co wird, je leichter wird es, auch diejenigen mit geringerer technischer Affinität zu erreichen. Für eine Einordnung ist aber nicht das tatsächliche Alter entscheidend, sondern eher die Erfahrung in der Nutzung elektronischer Medien, sagt Elizabeth Prommer, Direktorin am Institut für Medienforschung an der Universität Rostock.

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Immerhin gelten 27 Prozent aller Deutschen sowieso als „internetferne Verunsicherte“, 37 Prozent gar als „digitale Outsider“, wie auch das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet herausfand. Zudem hängen weite Regionen Deutschlands noch mit dem 100 Jahre alten Klingeldraht am Netz, Millionen Haushalte haben gar keinen Zugriff auf einen ausreichend schnellen Zugang und warten auf die Einlösung des Versprechens der schwarz-roten Bundesregierung auf „schnelles Internet für alle“.

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