Lebensgefahr in Thesdorf : Offene Tore zu den Bahngleisen - Kinder nutzen Zugang zum Spielen

Das Tor neben dem Aufgang lässt sich kinderleicht öffnen. Der Sperrriegel ist nur aufgelegt.
Das Tor neben dem Aufgang lässt sich kinderleicht öffnen. Der Sperrriegel ist nur aufgelegt.

Ein Bürger kritisiert die Bahn. „Wir sind nicht verpflichtet, dort überhaupt Tore anzubringen oder alles einzuzäunen. Dazu gibt es keine Vorschrift“, sagt eine Bahnsprecherin.

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03. Juni 2015, 10:00 Uhr

Thesdorf | Der Thesdorfer Bahnhof könnte zur Todesfalle werden: Gleich zwei Tore an der S-Bahnstation, die den Weg zu den Stromtrassen frei machen, sind nicht gesichert. Sie zu öffnen, ist kinderleicht. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: „Ich habe an einem Sonntag drei Kinder dort unten spielen sehen, direkt vor den Gleisen. Die waren nicht älter als acht Jahre“, sagt Peter Lindemann.

Der Fernsehjournalist aus Hamburg ist oft in Thesdorf unterwegs. Den Missstand beobachtet der 63-Jährige bereits seit fast drei Wochen. „Ich habe seitdem zwei Mal bei der Service-Nummer der Bahn angerufen. Die Nummer hängt dort für solche Fälle schließlich im Eingangsbereich“, berichtet Lindemann.

Jedes Mal habe ihm die Frauenstimme von der Bahn zugesichert: „Wir geben das weiter und kümmern uns darum.“ Dabei habe er beim zweiten Anruf auch darauf hingewiesen, bei Untätigkeit die Medien einzuschalten. Die Antwort der Bahn: „Das müssen Sie nicht, wir kümmern uns.“ Doch passiert ist seither nichts. „Das kann einfach nicht sein. Das ist fahrlässig“, schimpft Lindemann. Deswegen wendete er sich an das Pinneberger Tageblatt. Die Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) beschwichtigt: „Wir sind nicht verpflichtet, dort überhaupt Tore anzubringen oder alles einzuzäunen. Dazu gibt es keine Vorschrift“, sagt Sabine Brunkhorst. „Dennoch sollten die Tore geschlossen sein. Wer sie geöffnet hat, wissen wir nicht.“

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„Wir sind nicht verpflichtet, dort
überhaupt Tore
anzubringen oder alles einzuzäunen.“

Sabine Brunkhorst
Bahn-Sprecherin
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Brunkhorst betont: „Ein offenes Tor ist keine Einladung dazu, die Gleise zu betreten.“ Wer auf die Gleisanlagen unbefugt geht, den erwarte eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro. Bei einer konkreten Gefährdung des Bahnbetriebs könne ein solcher Eingriff auch als Straftat mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden. „Aufgrund der Größenordnung ist ein komplettes Einzäunen – wie bei Wasserstraßen und Autobahnen – nicht möglich.“ Aus ihrer Erfahrung weiß sie: „Wer darüber steigen möchte, für den sind auch geschlossene Tore kein Hindernis.“ Brunkhorst weist die Verantwortung von sich: „Auch Eltern sollten die Verkehrserziehung nicht aus den Augen verlieren. Diese hört schließlich nicht auf der Straße auf.“ Dennoch verspricht sie: „Ein DB-Mitarbeiter wird  kurzfristig die Tore schließen.“

Peter Lindemann habe auch mit dem ansässigen Kioskbetreiber gesprochen. „Der hat das Tor provisorisch mit Kabelbinder zugemacht.“ Eine dauerhafte Lösung sei das aber keinesfalls. „Ich bin davon ausgegangen, dass das eine Kleinigkeit ist und sofort von der Bahn behoben wird. Ein Unding, dass noch nichts gemacht wurde“, sagt er.

Betroffen sind in Thesdorf ein Tor direkt neben der Aufgangstreppe und eines am Park&Ride-Parkplatz. Beim ersten ist der Sperrriegel nur aufgelegt. Versucht man ihn hoch zu heben, hat man ihn plötzlich in der Hand. Die Tür zu den Treppenstufen Richtung S-Bahnschienen lässt sich also ohne Weiteres öffnen. Das andere Tor ist ebenfalls nicht abgeschlossen. Dabei fahren auf den Schienen bei Thesdorf nicht nur die eher langsamen S-Bahnen. Auch Güter- und Schnellzüge rauschen dort vorbei.

Auch zwischen dem Park&Ride-Parkplatz und den Gleisen ist ein offenes Tor. (Foto: Oster)
Auch zwischen dem Park&Ride-Parkplatz und den Gleisen ist ein offenes Tor. (Foto: Oster)

Den auf den Gleisen spielenden Kindern hat Peter Lindemann übrigens gesagt, sie sollen wieder hoch kommen. „Das haben sie zum Glück auch schnell gemacht“, sagt der 63-Jährige. Doch über die Ignoranz der Bahn ärgere er sich. „Ich hätte einfach gleich die Polizei rufen sollen. Dann wäre hier sicher schneller etwas passiert“, sagt der Fernsehjournalist.

„Ein normaler Mensch geht zwar nicht zu den Gleisen hinunter. Aber für Kinder ist das ein reines Abenteuer“, sagt Lindemann. Er ist empört: „Ich begreife es einfach nicht. Auf der einen Seite wird regelmäßig gesagt, wie gefährlich Bahnübergänge und -gleise sind, und auf der anderen Seite unternimmt hier niemand etwas, um die Gefahr zu vermeiden.“ Er frage sich: „Wie kann die Bahn so etwas ignorieren? Muss denn erst etwas Schlimmes passieren, bis hier jemand kommt?“. Lindemann fasst zusammen: „Das ist fahrlässig.“

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