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Pinneberger Tageblatt

23. August 2017 | 21:39 Uhr

Nur nicht nach Heidenheim

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fans aus dem Kreis Pinneberg bangen und hoffen / „Sonst bleibt der Verein auf lange Sicht zweitklassig“

Das Zittern nimmt kein Ende. 180 Minuten muss der Hamburger SV noch überstehen, um den Sturz in die Zweitklassigkeit, den ersten der Vereinsgeschichte, abzuwenden. Die zwei Relegationsspiele gegen Greuther Fürth – heute Abend ab 20.30 Uhr in der heimischen Arena und am Sonntag ab 17 Uhr in der Fürther Trolli-Arena – lassen niemanden kalt, der auch nur ansatzweise mit dem Urgestein der Fußball-Bundesliga sympathisiert. Wie verhält es sich da erst mit der Gemütslage eingefleischter Fans?

„Ich habe ein bisschen Angst vor den beiden Spielen“, gesteht Jens Kuzel, Sprecher des Pinneberger Fanklubs „Volksparkjunxx“. „Aber ich glaube, die Mannschaft ist wachgerüttelt.“ Raphael Westphal, 21-jähriger Dauerkarteninhaber aus dem Kreis Pinneberg, sagt: „Ich bin sehr angespannt. Bis zum Schlusspfiff wird alles gegeben – seelisch wie körperlich.“


Erwartungen mancher Fans sind gedämpft


Seine Stimmung bezeichnet Peter Gottschalk aus Moorrege als „sehr gespannt“. Er sei enttäuscht, „weil ich festgestellt habe, dass die Mannschaft das Beste gibt, aber nicht mehr kann. Meine Erwartungen sind nicht allzu groß, aber ich bin auch hoffnungsvoll.“ Mit seinen 73 Jahren, davon 60 als HSV-Mitglied, vermag sich Gottschalk als Vorsitzender des Fanklubs „Pro HSV – der andere Fanclub“ kaum vorzustellen, dass der Abstieg am Sonntagabend Realität werden könnte, denkt aber schon an mögliche Folgen: „Es wäre schlimm, weil dann Veränderungen greifen, die wir noch gar nicht abschätzen können. Der Abstieg wäre eine mittlere Katastrophe für die Sportstadt Hamburg.“

Zwei Stufen höher siedelt Kuzel das Schreckensszenario zweite Liga an: „Der Abstieg wäre eine ganz große Katastrophe. Dann bleibt nur noch, dass sich der Verein mit der Strukturreform am 25. Mai wieder gut aufstellt, damit wir direkt wieder aufsteigen können. Das ist der einzige Weg.“ Welche Auswirkungen der Niedergang des HSV auf emotionaler Ebene hätte, das beschreibt Westphal so: „Es würde eine Welt zusammenbrechen für alle, die hinter dem Verein stehen. Die Spieler können woanders Millionen-Verträge unterschreiben, aber es gibt Fans, die für den HSV ihr letztes Hemd geben und unter der Woche 40 Stunden im Bus nach Chisinau fahren. Es geht auch um die Identität der Stadt.“ Er spricht deshalb wohl allen Fans aus der Seele, wenn er fordert: „Ich erwarte, dass sich die Mannschaft den A . . . aufreißt. Das hat sie oft vermissen lassen. Aber sie hat auch gezeigt, was mit 110 Prozent Einsatz möglich ist.“


Bedingungslose Unterstützung


Geht es nach dem Anhang, sollte der HSV heute den Grundstein für den Klassenverbleib legen – und kann dabei laut Kuzel auf bedingungslose Unterstützung von den Rängen zählen: „Wir brauchen einen Zu-Null-Sieg in der Größenordnung 3:0 oder 4:0, dann können wir entspannt nach Fürth reisen. Die Fans werden alles geben, auch wenn es zu Hause schiefgeht. Und auch, wenn wir nächste Saison nach Heidenheim fahren – aber das wird nicht passieren.“

Der HSV gegen den Meister der dritten Liga aus einer Kleinstadt in Baden-Württemberg? Das will sich ein Anhänger aus Holm – HSV-Fan seit 1983, der namentlich nicht genannt werden möchte – nicht ausmalen: „Ich hoffe, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen. Ich befürchte, dass der Verein sonst auf lange Sicht zweitklassig bleibt.“ Nur das könnte wohl den Abstieg des letzten Bundesliga-Dinos noch negativ übertreffen.

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erstellt am 15.Mai.2014 | 16:00 Uhr

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