„Nur die glücklichen Tage zählen“

Der Jubilar feierte im Kreise der Familie mit den Töchtern Ilka Nerger (Zweite von links) mit Ehemann Ingo sowie Uta Schmitz mit Ehemann Uwe.
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Der Jubilar feierte im Kreise der Familie mit den Töchtern Ilka Nerger (Zweite von links) mit Ehemann Ingo sowie Uta Schmitz mit Ehemann Uwe.

Hasloher feiert 103. Geburtstag

shz.de von
17. Mai 2018, 16:00 Uhr

„Das Glück liegt in der Hand des Menschen selbst“, sagt Hans Knust, der gerade im Seniorenwohnheim „Haus Am Rehhagen“ seinen 103. Geburtstag gefeiert hat. Sein Rezept, wie er so alt geworden ist, lässt sich in wenigen Stichworten zusammenfassen: Lebensfreude, Optimismus, die große Liebe sowie freundschaftliches und verständiges Zusammenleben mit anderen Menschen.

Sein größtes Lebensglück war „seine Traudi“, wie er seine Ehefrau Waltraud liebevoll nennt und dass er „sie so lange haben durfte“, sagt Knust. Der rüstige Senior spricht ruhig, besonnen, seine Worte sind gut gewählt. In der Schule, die Knust in den 1920er Jahren besuchte, war er Klassenbester, berichtet seine Tochter. Obwohl er heute fast blind ist und kaum noch hören kann, macht der gebürtige Hamburger keineswegs einen unzufriedenen Eindruck. Mit seinem Rollator ist Knust sogar recht mobil und geistig fitter als so mancher 60-Jährige.

„Ich habe die glücklichsten Jahre mit meiner Liebsten verbracht. Jetzt bin ich derjenige, der länger leben muss“, sagt Knust. Seine Frau, die sechs Jahre jünger war, ist 2014 gestorben. Sein Lebensende selbst zu bestimmen, käme für ihn trotzdem nicht in Frage. Der Tod soll nach seiner Meinung ein Schicksal bleiben.


Disziplinierter Selbstversorger

Seit fast einem Jahr lebt Knust im „Haus Am Rehhagen“, und auch das sei jetzt ein Glück und ein Geschenk für ihn, wie er betont. Selbst wenn der Umzug aus seinem Wahl-Altersruheort Malente für den Senior etwas überraschend kam: Bis vor einem Jahr lebte er noch allein und selbstständig in der Wohnung in der ostholsteinischen Schweiz, in der er zuletzt mit Traudi wohnte. Als er einige Male gestürzt war, holten ihn seine Kinder zurück in die Nähe seiner Geburtsstadt Hamburg und damit in ihre Nähe in das Seniorenwohnheim nach Hasloh.

Knust wurde geboren, als es in Deutschland noch einen Kaiser gab. Er hat zwei Weltkriege miterlebt sowie den Bau und den Fall der Berliner Mauer. Fast beiläufig erwähnt er, dass es auch ein Glück für ihn war, im Krieg „nicht als Soldat umgekommen zu sein“. Wenn der 103−Jährige über seine Vergangenheit spricht, dann am liebsten von seiner glücklichsten Zeit: 40 Jahre, die er nach Eintritt seines Rentenalters gemeinsam mit seiner großen Liebe in Malente verbrachte.

Dabei war es, wie Knust erklärt, nicht nur das harmonische Zusammenleben mit seiner Ehefrau, sondern auch das mit anderen Menschen in seiner Umgebung. Im Laufe der Zeit hätten beide durch ein gutes, verständiges Miteinander, wie er sagt, zahlreiche Freundschaften in der Wahl-Altersheimat aufgebaut.

Die Entscheidung, im Rentenalter aus der Stadt heraus in die Provinz zu ziehen, stellte sich für Knust ebenfalls als Glück dar. Mit seiner Frau ging Knust jeden Tag in der von beiden geliebten Natur spazieren. Insgesamt waren die Eheleute, die sich bereits aus Kindertagen kannten, mehr als 65 Jahre verheiratet.

Knusts Eltern besaßen in Hamburg-Stellingen eine Konditorei, in der Traudi schon als junges Mädchen mit ihrer Mutter einkaufte. So lernte sich das Paar kennen. Nach ihrer Hochzeit führten die beiden die Konditorei 20 Jahre lang weiter, bevor sie diese im Zuge der Schließung vieler „Tante-Emma-Läden“ verkauften.

Gemeinsam zogen sie die beiden Töchter Uta und Ilka groß. Mittlerweile ist Knust Groß- und Urgroßvater von drei Enkeln und drei Urenkeln. Die letzten Jahre vor seiner Pensionierung arbeitete der Senior im Außendienst der Stadt Hamburg und kontrollierte die Speiseeiszubereitung in Eiscafés und Restaurants.

Zu seinem 103. Geburtstag brachten viele der Bewohner, das komplette Personal sowie der von Schwiegersohn Uwe Schmitz engagierte, im Seniorenwohnheim beliebte Sänger und Entertainer Hardy Hartmann dem Jubilar ein Ständchen. Zur Geburtstagsfeier hatte Knust alle Bewohner und das Personal zu Kaffee und Kuchen eingeladen.

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