Note Vier fürs Fahrradklima

Der ADFC hat den Test 1988 entwickelt. Bürger haben Radwege und Familienfreundlichkeit bewertet. Symbolfoto: Guido Kirchner/dpa
Der ADFC hat den Test 1988 entwickelt. Bürger haben Radwege und Familienfreundlichkeit bewertet. Symbolfoto: Guido Kirchner/dpa

Beim Test 2018 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) schneidet Halstenbek unbefriedigend ab

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08. Mai 2019, 16:00 Uhr

Halstenbek | Alle zwei Jahre testet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) das Fahrradklima von Städten und Gemeinden. Nun liegen die Zahlen für 2018 vor – und Halstenbek schneidet unbefriedigend ab. Gesamtnote: 4,0. Zwar etwas besser als ihr Nachbar Pinneberg (4,5), insgesamt landet Halstenbek in ihrer Stadtgrößenklasse (weniger als 20 000 Einwohner) aber deutschlandweit auf Platz 130 von 186. Schleswig-Holstein weit belegt Halstenbek immerhin Platz 13 von 26. Vergleichszahlen zu den Jahren davor gibt es nicht.

Vom 1. September bis zum 30. November 2018 konnten Radfahrende in Halstenbek über das Fahrradklima abstimmen. 97 Menschen nutzten die Chance. Positiv wurde bewertet, dass Bürger ihre Drahtesel im Öffentlichen Verkehr mitnehmen können. Auch geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung und die gemischte Altersstruktur der Radfahrer sind ein Plus für die Gemeinde. Als negativ sind die Oberfläche sowie die Reinigung der Radwege aufgelistet. Zudem bemängeln die Bürger, dass es keine öffentlichen Fahrräder gibt.

Bürgermeister Claudius von Rüden (SPD) bedauert das Ergebnis: „Da gibt es nichts schönzureden. Es besteht Handlungsbedarf. Die Gemeinde machte sich aber mit vielen Schritten bereits auf den Weg zu einer fahrradfreundlichen Gemeinde.“ Maßnahmen wie die Erarbeitung eines Fahrradkonzepts, Bike-and- Ride-Anlagen an S-Bahnhöfen, Einrichtung einer Fahrradstraße Thesdorfer Weg, mehr Geld im Haushalt für Radwege, konzeptionelle Mitarbeit für Radschnellwege in der Metropolregion Hamburg und Aufklärungskampagnen, unter anderem mit dem örtlichen ADFC, sollen Halstenbek ganz nach vorne bringen.

Erstmals beschäftigte sich die Umfrage mit dem Thema Familien. Durch Zusatzfragen konnte die Familienfreundlichkeit bewertet werden. Auch hierbei kommt Halstenbek bei Bürgern schlecht weg. Mehr als die Hälfte meint, dass man Kinder im Grundschulalter nicht ohne schlechtes Gewissen allein Rad fahren lassen kann. Note: 4,1.

Das Thema steht längst auf der Agenda der Politik. Das sagen ihre Repräsentanten. Olaf Damm (CDU): „Die CDU Halstenbek setzt sich grundsätzlich für sichere und sinnvolle Radwege im Gemeindegebiet ein. Als aktuelles Beispiel möchten wir die, von uns federführend verabschiedete, Sanierung des Schulradweges am Schützenplatz/Bahndamm nennen. Wir haben zum Halstenbeker Ortsverband des ADFC regen Kontakt und auch im Rahmen unserer Fraktionssitzungen bereits den Austausch gesucht. Wir wünschen uns auch eine gemeindeübergreifende Konzeption, die zum Teil ja auch vom Kreis (Fahrradachsen) bereits vorangetrieben wird.“

Dieter Thomas (Grüne): „Aus Sicht der Grünen kamen die Ergebnisse nicht überraschend. Seit Jahrzehnten wurde der Radverkehr auch in Halstenbek stiefmütterlich behandelt. Erfreulicherweise ändert sich das langsam. Wir haben endlich unsere erste Fahrradstraße, es gibt eine Arbeitsgruppe zur Radverkehrsplanung, ein Radschnellweg wird von Elmshorn durch Halstenbek nach Hamburg geplant, auf grüne Initiative wurden im Kreis Pinneberg zusätzliche Mittel bereitgestellt und es hat sich in Halstenbek eine sehr aktive ADFC-Ortsgruppe gebildet. Versäumnisse aus Jahrzehnten lassen sich leider nicht kurzfristig beheben, aber wir arbeiten weiter daran.“ Christoph Bittner (SPD): „Das Ergebnis ist höchst unbefriedigend und es zeigt Handlungsbedarf auf. Manches ist allerdings bereits auf den Weg gebracht: Erfolgreich hat sich die SPD dafür eingesetzt, dass der Thesdorfer Weg als Fahrradstraße ausgewiesen wird. Auf Initiative der SPD-Bauausschussmitglieder haben Fahrradtouren mit interessierten Bürgern durch die Gemeinde stattgefunden. Ergebnis ist eine Mängelliste, die der Verwaltung vorliegt. Im Gemeindehaushalt 2019 wurden auf Antrag der SPD die Mittel für die Unterhaltung von Fuß- und Radwegen auf 120 000 Euro verdoppelt. Eine weitere Verbesserung erwarten wir von einem Radverkehrskonzept für die Gemeinde, das im Moment erarbeitet wird.

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