zur Navigation springen

Pinneberg : Nordbahn zeigt sich kulant gegenüber Flüchtlingen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Flüchtlinge fahren versehentlich mit falschem Ticket und müssen 120 Euro Strafe zahlen. Das Unternehmen zeigt sich aber kulant und erstattet das Bußgeld.

Pinneberg | Es ist 8.50 Uhr, als Wisal Saleem Alsadi am Pinneberger Bahnhof in den Zug Richtung Elmshorn steigt. Fünf Minuten später kommt der Schaffner. Die Syrerin (43) und ihre Begleitung zeigen die Fahrkarten vor. Tagestickets für je sechs Euro. Wenige Minuten später sind sie um 120 Euro ärmer, halten stattdessen einen Bußgeldschein in den Händen. Alsadi versteht an diesem Morgen des 3. September die Welt nicht mehr. Doch sie erhält Hilfe von der Pinnebergerin Beate Seifert. Die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin wendet sich Anfang der Woche an die Bahngesellschaft. Die Nordbahn reagiert schnell und erstattet das Geld aus Kulanz.

Was war passiert? Alsadi und Jomaa El Sheikh wollen an diesem Donnerstagmorgen zur Ausländerbehörde nach Elmshorn. Ihren Termin dort haben sie um 9.45 Uhr. Doch in Pinneberg stehen sie erst einmal ratlos vor dem Automaten. Welches Ticket ist denn bei all den Tasten das Richtige? Ein anderer Bahnfahrer hilft den beiden. Um 8.46 Uhr lösen sie zwei Fahrscheine. Tageskarten für den „Großbereich AB“.

Um 8.50 Uhr steigen sie in die Nordbahn. Unwissend, dass ihre Tageskarte erst ab 9 Uhr gültig ist. Als der Schaffner seinen Kontrollgang macht, wirft er den beiden Syrern Schwarzfahren vor. Es ist 8.55 Uhr. „Der Schaffner war nicht nett. Er war böse zu uns“, erinnert sich die Bauingeneurin, die in ihrer Heimat für die UN gearbeitet hat. „Ich habe versucht, ihm die Situation zu erklären – auf Deutsch, auf Englisch und auf Arabisch“, so die 43-Jährige. Trotzdem verlangt der Schaffner pro Person 60 Euro. „Auch die anderen Passagiere haben auf ihn eingeredet, uns zu verschonen. Es waren doch bloß fünf Minuten“, sagt Alsadi. „Doch er ließ sich einfach nicht stoppen“, fügt sie fassungslos hinzu. Die 120 Euro zahlten die beiden in bar.

Alsadi ist seit fünf Monaten in Deutschland und lebt in Pinneberg. Im Café Pino lernt sie Deutsch. Dort vermittelte jemand den Kontakt zu Seifert. „Meiner Meinung nach ist das eine sehr unfaire Behandlung und unberechtigte Forderung. Man hätte ihnen den reduzierten Betrag in Rechnung stellen können“, sagt Seifert. Deswegen wendete sie sich an die Nordbahn, bat um ein reduziertes Bußgeld. Das wird in Höhe von 20 Euro fällig, wenn der Fahrgast ein nicht ausreichendes Ticket vorzeigt.

Einen Tag nachdem Seifert sich per E-Mail an die Nordbahn gewendet hat, bekommt sie bereits eine positive Antwort. „Das ging erstaunlich schnell“, sagt sie und freut sich für die beiden Flüchtlinge. Die Nordbahn hat umgehend den kompletten Betrag erstattet. „Wir reagieren in solchen Fällen kulant und mit Augenmaß“, sagt Christiane Lage-Kress, Pressesprecherin der Nordbahn. „Trotzdem kann es passieren, dass eine Situation nicht richtig eingeschätzt wird. Auch unsere Mitarbeiter haben gewisse Vorlagen, an die sie sich zu halten haben“, ergänzt sie.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 18.Sep.2015 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert