Nahverkehr im Kreis Pinneberg : Nordbahn, Nah.SH und Deutsche Bahn stellen sich der Kritik

Im Gespräch mit Fahrgästen: Robert Guggenberger von der Deutschen Bahn (v. l.), Nis Nissen, Geschäftsführer der Nordbahn, Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos), Nah.SH-Geschäftsführer Bernhard Wewers und Jochen Kiphard von der Nah.SH.
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Im Gespräch mit Fahrgästen: Robert Guggenberger von der Deutschen Bahn (v. l.), Nis Nissen, Geschäftsführer der Nordbahn, Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos), Nah.SH-Geschäftsführer Bernhard Wewers und Jochen Kiphard von der Nah.SH.

Das Podium wird regelrecht von Fragender Fahrgäste überrollt.

shz.de von
15. Mai 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Die Wut war groß, das Interesse auch. Etwa 80 Besucher nutzten am Dienstagabend die Gelegenheit, ihrem Ärger über die Bahn Luft zu machen, darunter auch die Bürgerinitiative „Dorfbahnhof – Nein Danke“ aus Tornesch. Die Nah.SH und die Stadt Pinneberg hatten die Veranstaltung im Pinneberger Ratssaal organisiert. Auf dem Podium saßen Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos), Nah.SH-Geschäftsführer Bernhard Wewers, Jochen Kiphard von der Nah.SH, Nis Nissen, Geschäftsführer der Nordbahn und Robert Guggenberger von der DB Regionalbahn.SH. Moderator Joachim Möller  führte durch den Abend und wurde von Fragen geradezu überrollt.

Die Struktur des Abends stellte sich als katastrophal heraus. Möller sammelte mehr als eine Stunde lang Fragen aus dem Publikum. Die Veranstaltung war auf zwei Stunden angesetzt. Mit solch einem großen Interesse hatte der Moderator anscheinend nicht gerechnet. Denn es wurden immer mehr Themen, denen sich das Podium widmen sollte. Von Lapalien wie zu wenig Licht im Abteil, über die schlechtere Anbindung nach Kiel, bis hin zur Taktung. Am Ende standen satte 40 Fragen bereit, beantwortet zu werden. Nur war bei der vierten Antwort die Zeit abgelaufen.

Bürgermeisterin Steinberg hoffte zu Beginn noch, dass Nah.SH-Geschäftsführer Wewers „ein Geschenk mitgebracht hat“. Pinneberg brauche dringend bessere und planbare Verbindungen. Wewers machte aber klar, dass er zwar an Nikolaus geboren sei: „Geschenke verteilen kann ich aber nicht.“

Probleme mit der Pünktlichkeit und volle Abteile wurden mit den zu spät gelieferten Zügen und technischen Problemen erklärt. Es habe in den ersten Monaten nicht genügend Sitzplätze gegeben, räumte Nissen ein. „Dafür muss ich mich auch entschuldigen.“ Doppelstöckige Bahnen könnten laut Nissen aus Sicherheitsgründen nicht für den Nahverkehr genutzt werden – der Einstieg sei nicht ebenerdig möglich. Dass sich die Türen teilweise nicht öffnen ließen, liege nicht an den vollen Zügen, sondern an der zu hohen Bahnsteigkante. An dem Problem werde gearbeitet.

Die Besucher ließen sich nicht besänftigen und verlangten eine Entschädigung für die Entbehrungen in den vergangenen Monaten. Zudem herrschte auch Unverständnis darüber, dass der neue Fahrplan Elmshorn bevorzuge, Pinneberg hingegen benachteilige. Ein neuer Fahrplan sei eben „immer ein Kompromiss aus vielen Wünschen“, so Wewers. Zudem habe die Kreisstadt eine S-Bahn-Verbindung.

In der Summe habe die Umstellung mehr Vor- als Nachteile, glaubt Nissen. Dies habe eine Befragung ergeben, die noch nicht ganz abgeschlossen ist. Außerdem sei man in Gesprächen mit der DB-Netz-AG, ob weitere Züge zwischen Elmshorn und Pinneberg möglich sind. Vor den Sommerferien liege ein Ergebnis vor. Auch zusätzliche Halte des Regional-Express (RE) würden geprüft. Die Situation werde sich zusätzlich entspannen, wenn die bestellten RE-Züge der Deutschen Bahn geliefert werden. Guggenberger hofft, dass dies im Dezember 2016 der Fall sein wird. Am 15. Juni wird Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) zum Gespräch in Tornesch erwartet. Es bleibt abzuwarten, ob der ein Geschenk für die Pendler mitbringt.

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