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„Mensch des Jahres 2014“ : Nominiert ist Helmut Fricke

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Helmut Fricke aus Moorrege organisiert mit anderen Jägern Ausstellungen im Haseldorfer Elbmarschenhaus.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2014 | 09:30 Uhr

Moorrege | Jäger töten Tiere. Und das hat mit Naturschutz nichts zu tun: Mit diesem Vorurteil sieht sich Jäger Helmut Fricke häufig konfrontiert. Deswegen hat er es sich mit anderen Kollegen aus dem Kreis Pinneberg zur Aufgabe gemacht, den Menschen zu zeigen, dass Jagd und Naturschutz zusammengehören. Ein besonderes Augenmerk richtet er dabei auf Schulklassen. Deswegen ist Fricke einer der Kandidaten für die Wahl zum „Mensch des Jahres“.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sind ständig wechselnde Ausstellungen im Haseldorfer Elbmarschenhaus. Vor allem am Wochenende sind dort Städter aus Hamburg zu Gast, die nach Frickes Einschätzung mit dem Leben auf dem Lande nicht besonders vertraut sind. Im Gespräch komme dann oft der Einwand: Sie töten die Tiere. Die Tiere leiden. Das ist ethisch verwerflich.

„Wenn ich frage, geben die meisten aber auch zu, selbst gelegentlich oder regelmäßig Fleisch zu essen“, sagt Fricke schmunzelnd. Und dann kämen sie ins Grübeln. „Wenn Jäger ein Tier waidgerecht erlegen, leidet es nicht. Die Kugel ist schneller als der Schall. Das Tier ist tot, bevor es den Schuss bemerkt. Nutztiere aus der Landwirtschaft, die können durchaus leiden“, meint der 72-Jährige. Außerdem sei Wildbret bestes Biofleisch.

Wissen der Kinder besser als gedacht

Im Elbmarschenhaus konzipiert Fricke sogenannte Dioramen. Das sind Modelle von Landschaften mit Tierpräparaten. „Ich habe festgestellt: Die Besucher lernen vor allem über das Sehen. Sie lesen eher selten die Erläuterungstexte“, sagt Fricke. Die Präparate – also echte ausgestopfte Tiere – ermöglichten eine gute Vorstellung von Aussehen und tatsächlicher Größe. Außerdem stehen Fricke und seine Kollegen zur Verfügung, um Fragen zu beantworten.

„Ich habe dabei festgestellt, dass das Wissen der Kinder gar nicht so schlecht ist, wie man vielleicht meint“, sagt Fricken. Zumindest die Namen könnten sie zuordnen – auch wenn Detailkentnisse zum Leben der Tiere fehlten. „Da sind die Kleinen oft besser als ihre Eltern. Die verwechseln schon mal Dachs und Marder“. Fricke lacht. Und die Kinder können oft erstaunliche Zusammenhänge herstellen. „Als ein Junge mal über das Fell eines Dachses streichelte, hat er gesagt: ,Mein Opa hat einen Pinsel zum Rasieren aus soetwas.’“, erinnert sich Fricke.

Bis zum vergangenen Jahr hat Fricke auch eine Arbeitsgemeinschaft in der Moorreger Grundschule betreut. Da kam ihm zugute, dass er Pharmazeut in Rente ist und eine Menge über Wildpflanzen weiß. „Ich bin vorher raus und habe eimerweise Pflanzen gesammelt. So konnte ich den Kindern auch Naturthemen näherbringen, die über die Jagd hinausgehen.“ Außerdem nimmt er die Kinder manchmal mit zu einem Hochsitz. „Da zeigt sich schnell, wer genug Geduld hat, um auch mal länger als eine Viertelstunde zu warten, bis etwas zu sehen ist.“

Fricke ist als Waidmann Spätberufener. Seinen Jagdschein hat er erst 2006 als Rentner gemacht. „Meine Frau hatte mich einfach bei einem Kursus angemeldet, weil mich Wild und Natur schon seit meiner Kindheit sehr interessieren“, sagt Fricke. Das Thema habe ihn bis heute nicht losgelassen.

Fasane in der Marsch - immer seltener

Was heute als Natur bezeichnet wird, hat mit der Wildnis von vor 2000 Jahren nichts mehr zu tun. Die Menschen sind stattdessen von einer Kulturlandschaft umgeben, in der es kein natürliches Gleichgewicht zwischen den Tier- und Pflanzenarten mehr gibt. Deswegen leisten Jäger einen Beitrag zum Natur- und Artenschutz, indem sie Tiere schießen. „Wir müssen etwa beobachten, ob das Verhältnis der männlichen und weiblichen Tiere bei den Rehen ausgewogen ist“, sagt Fricke.

Wichtige Themen seien derzeit die kleiner werdende Population von Fasanen und Rebhühnern, etwa in der Haseldorfer Marsch, und die Einwanderung regional untypischer Arten. Zu diesen Neozoen genannten Arten gehören etwa der Mink, ein amerikanischer Marder, und der Marderhund – eine aus Russland eingewanderte Art. Die Raubtiere sind nicht nur Konkurrenten für heimische Räuber wie den Fuchs. Sie erhöhen auch den Druck auf die Beutetiere. Doch die Bedrohung von Niederwildarten, zu denen Fasan und Rebhuhn gehören, hat auch etwas mit der Veränderung der Landschaft zu tun. „Rebhuhnküken brauchen zum Überleben Insekten, die auf niedrig wachsenden Wildkräutern vorkommen. Weil immer mehr bunte Ackerrandstreifen verschwinden, fehlt eine Nahrungsquelle“, sagt Fricke. Er und seine Kollegen sind immer sonntags im Elbmarschenhauses präsent. Dort geben die Jäger auch Tipps zum Schutz vor Zecken, etwa bei Wanderungen.

Und so können Sie mit abstimmen

 

Wer von ihnen der „Mensch des Jahres 2014“ im Kreis Pinneberg wird, liegt nun in Ihrer Hand. Sie können sich auf drei Weisen an der Aktion  beteiligen: Schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff „Mensch des Jahres 2014“ an service@a-beig.de. Alternativ können Sie für Ihren „Mensch des Jahres“ auch bis einschließlich 23. November anrufen (für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunknetz kostet es mehr). Oder Sie senden eine SMS mit dem Inhalt „shz beig“ und der zweistelligen Kandidatennummer an die 42020 (Kosten sind tarifabhängig). Wir stellen Ihnen alle Nominierten im der nächsten Woche auch noch einmal ausführlich vor.

  • Montag, 20. Oktober Rolf-Oliver Hertling (01375-80401237-01)
  • Dienstag, 21. Oktober Gisela Maier (01375-80401237-02)
  • Mittwoch, 22. Oktober Willy Matzen (01375-80401237-03)
  • Donnerstag, 23. Oktober Helmut Fricke (01375-80401237-04)
  • Freitag, 24. Oktober Mireille-Christin Rehmann (01375-80401237-05)
  • Sonnabend, 25. Oktober Nicole Jung (01375-80401237-06)
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