DAS SONNTAGSGESPRÄCH : „Nirgendwo so schlecht wie in Pinneberg“

„Der Trend geht klar in die falsche Richtung“, sagt ADFC-Sprecher Ulf Brüggmann zur Situation in Pinneberg.
„Der Trend geht klar in die falsche Richtung“, sagt ADFC-Sprecher Ulf Brüggmann zur Situation in Pinneberg.

Ulf Brüggmann (ADFC Pinneberg) kritisiert die Situation für Radfahrer in der Kreisstadt.

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26. November 2017, 14:00 Uhr

Pinneberg | Ulf Brüggmann ist Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Pinneberg und Umgebung. Im Sonntagsgespräch äußert er sich unter anderem zum Verhältnis zwischen Autofahrern und Radlern und erklärt, was Radfahrern in Pinneberg fehlt.

Frage: Ist Pinneberg eine Radfahrerstadt?
Ulf Brüggmann: Ganz klar nein. Die Situation ist nirgendwo so schlecht wie in Pinneberg. Das ist nicht nur meine subjektive Meinung, sondern auch objektiv belegt. Alle zwei Jahre gibt es einen Fahrrad-Klimatest. Die vergangenen Jahre belegte Pinneberg in Schleswig-Holstein jeweils den letzten Platz und gehörte bundesweit zu den zehn schlechtesten Kommunen.

Wo liegen die Probleme für Radfahrer in Pinneberg?
Die Radfahrer werden meistens auf Radwege gezwungen, die in einem ziemlich schlechten Zustand sind und unvermittelt irgendwo enden. Ein Beispiel dafür ist der Bahnhof, wo der Radweg mitten auf dem neuen Parkplatz aufhört. Insgesamt ist der Zustand so schlecht, dass viele in Pinneberg nicht das Fahrrad nutzen, weil es ihnen zu gefährlich ist. Dabei ließen sich viele Strecken mit dem Rad schneller und kürzer als mit dem Auto zurücklegen.

Gibt es irgendetwas, das in Pinneberg gut läuft?
In Sachen Fahrradverkehr fällt mir da nichts ein. Wenn es irgendwo bauliche Veränderungen gibt, ist die Situation für Radler danach meistens noch schlechter als zuvor. Deswegen wünschen wir als ADFC uns momentan, dass möglichst wenig passiert, bis ein Umdenken in der Verwaltung stattgefunden hat. Der Trend geht klar in die falsche Richtung. Daher schauen wir neidisch nach Hamburg oder Elmshorn, wo es Radverkehrskoordinatoren gibt, die enorm viel für die Sicherheit tun. Dort steigt auch der Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr.

Findet der ADFC mit seinen Anliegen bei Politik und Verwaltung Gehör?
Politik und Verwaltung muss man differenziert betrachten. Wenn wir auf die Politik zugehen, finden wir immer Gehör. Schade ist nur, dass die Politiker unsere Angebote zu wenig nutzen. Wenn wir beispielsweise eine Radtour anbieten, um Brennpunkte gemeinsam zu begutachten, ist niemand dabei. In der Verwaltung haben wir zu Bürgermeisterin Urte Steinberg ein gutes Verhältnis. Sie hat für uns immer ein offenes Ohr. In der zuständigen Fachbehörde im Rathaus ist Bürgerbeteiligung dagegen völlig unerwünscht. Unsere Vorschläge werden brüsk abgewiesen.

Ulf Brüggmann (52) ist seit 2011 ADFC-Mitglied und seit drei Jahren Sprecher des ADFC Pinneberg und Umgebung. Der Diplom-Ingenieur ist verheiratet und wohnt in Appen.

Wie ist Ihrer Meinung nach generell das Verhältnis zwischen Autofahrern und Radfahrern?
Das Miteinander funktioniert überwiegend gut. Es gibt natürlich in beiden Gruppen einzelne, die durch Fehlverhalten sich und andere gefährden. Für den Pkw-Fahrer bedeutet das meistens höchstens Kratzer im Lack. Der Radfahrer landet dagegen auch mal im Krankenhaus. Die Tendenz ist aber insgesamt sehr positiv. Immer mehr Autofahrer erkennen die Radler als vollwertige Verkehrsteilnehmer an. Es wird nur noch selten gehupt, wenn Radfahrer wie vorgesehen die Fahrbahn nutzen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass das Radfahren generell immer beliebter wird.

Warum fahren Sie so gern Fahrrad?
Ich schätze die Bewegung an der frischen Luft. Zudem kann ich die Fahrzeit viel besser einkalkulieren als mit dem Auto. Auch mein Umfeld stellt fest, dass ich wesentlich ausgeglichener bin, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs war.

Welche sind Ihre Lieblingsstrecken im Kreis?
Der Weg durch das Tävsmoor von Appen nach Heist ist sehr schön. Auch für den Weg von Pinneberg in die Hamburger City habe ich eine tolle Strecke mit gerade einmal sechs Ampeln gefunden.

Was zeichnet den ADFC aus?
Wir haben das Ziel, für mehr Rücksichtnahme und ein besseres Miteinander im Straßenverkehr zu werben. Dabei sind wir auf einem guten Weg. In Pinneberg und Umgebung beeindruckt mich das Engagement der Mitglieder. Es bringt einfach Spaß, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Unsere Veranstaltungen wie die regelmäßigen Radtouren werden nicht nur von den Mitgliedern hervorragend angenommen.

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