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Das Sonntagsgespräch : „Niemals vergessen, dass Fische Lebewesen sind“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute sprechen wir mit Siegfried Stockfleth vom Sportangelverein „Posenkieker“ Uetersen.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2015 | 15:00 Uhr

Uetersen | Siegfried Stockfleth ist eines der Gründungsmitglieder und Vorsitzender des Sportangelvereins „Posenkieker“ Uetersen sowie Präsident des Landesanglerverbandes Schleswig Holstein. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, warum er den Sport vor allem nervösen Zeitgenossen empfiehlt.

Was zeichnet den Sportangelverein „Posenkieker“ aus?
In erster Linie unsere 10 Gewässer mit 110 Hektar Wasserfläche. Dazu kommt ein gesunder Fischbestand. Das sind für einen Angler die wichtigsten Kriterien. Der Natur – und besonders der Gewässerschutz sind für uns von großer Bedeutung und wir legen sehr viel Wert darauf, dass das gesamte Biotop in Ordnung ist. Bei der Naturschutzbehörde geht der Schutz häufig leider nur bis zur Wasseroberfläche. Was darunter passiert, interessiert bestenfalls am Rande.

Wie sieht Ihre Arbeit als Vorsitzender aus?
Dazu gehören natürlich wie bei jedem Vereinsvorsitzenden die administrativen und organisatorischen Angelegenheiten. Außerdem bin ich fast jeden Tag bei unseren Gewässern und kontrolliere, ob alles in Ordnung ist. So entnehme ich beispielsweise laufend Gewässerproben und prüfe Sauerstoffgehalt und PH-Wert. Bei der Arbeit helfen auch die mehr als 400 Mitglieder mit. Sie müssen einmal pro Jahr einen achtstündigen Dienst übernehmen.

Was macht für Sie den Reiz des Angelns aus?
Ich genieße es, mich in der Natur aufzuhalten und diese zu beobachten. Dadurch finde ich meine innere Ruhe. Ich war auch lange Zeit aktiver Wettkampfangler, habe mich für 22 deutsche Meisterschaften qualifiziert und wurde deutscher Meister. Seit einer Gesetzesänderung ist das Wettkampfangeln aber nicht mehr erlaubt. Deswegen fing ich an, mich auf das Meeresangeln zu konzentrieren und habe zwei Weltmeisterschaften ausgerichtet. 2010 in Heiligenhafen konnte unsere U21-Mannschaft sogar Weltmeister werden. Die gesamte Veranstaltung war ein riesiger Erfolg und eine Werbung für das Angeln. Sehr gut kam auch an, dass alles, was gefischt wurde, als Spende an die Heiligenhafener Tafel ging.

Worauf ist beim Angeln zu achten?
Es gibt Gesetze, die einzuhalten sind. Ich muss als Vorsitzender des Landesanglerverbands dafür sorgen, dass die Mitglieder von neuen Bestimmungen überhaupt etwas erfahren und diese beachten. So will das Land beispielsweise wegen des Rückgangs des Dorsch-Bestands in der Ostsee, dass Angler dort in Zukunft nicht mehr als zehn Dorsche pro Tag fangen und nicht mehr in die Laichzonen fahren dürfen.

Wie ist aus Ihrer Sicht als Landesvorsitzender die Situation im Vergleich zu anderen Bundesländern?
Sehr gut. Vor allem die Ausbildung funktioniert hervorragend. Ich selbst bin seit 1965 Dozent und Prüfer. Allein im vergangenen Jahr hatte ich 1650 Prüflinge. Insgesamt gibt es 100 Lehrer, die in Schleswig-Holstein ausbilden. Wenn jemand angeln will, braucht er einen Jahresfischereischein. Den gibt es nur, wenn die Fischereischeinprüfung bestanden wurde.

Was zeichnet einen guten Angler aus?
Fairness und Achtung gegenüber dem Fisch. Ein Angler sollte niemals vergessen, dass Fische Lebewesen sind, die man vernünftig behandeln sollte. Dazu muss man sich an die Vorschriften der Vereine und an die Gesetze halten. Das gebietet schon der Respekt vor der Natur.

Für wen ist das Angeln die geeignete Sportart?
Vor allem für unruhige und nervöse Leute oder für jemanden, der im Beruf sehr viel zu tun hat. Das Angeln ist ein Ruhepol für gestresste Menschen.

Worauf ist beim Einstieg zu achten?
Ich empfehle mit den Augen zu klauen und sich von denen einiges abzuschauen, die etwas fangen. Die Auswahl der Rute, Schnurstärke und Tiefe einstellen – es gibt etliches zu beachten. Wenn jemand die Prüfung bestanden hat, dauert es etwa zwei Jahre bis er ein guter Fischer ist. Ideal ist, wenn man sich von Freunden oder Verwandten alles erklären lassen kann. Ich selbst bin durch meinen Vater im Alter von fünf Jahren zum Angeln gekommen.

Siegfried Stockfleth (76) ist seit 1969 Vorsitzender des Sportangelvereins „Posenkieker“ und steht seit 1996 an der Spitze des Landesverbandes. Er hat drei Kinder und lebt in Uetersen.
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