zur Navigation springen

„Mensch des Jahres 2014“ : Nicole Jung sammelte für die Beethovenstraße und ist nominiert

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nicole Jung sammelt mit einem Team nach dem Hochhausbrand in Elmshorn Spenden für die ehemaligen Bewohner.

Elmshorn | Nicole Jung wohnt an der Elmshorner Kleiststraße. Etwa zweieinhalb Kilometer sind es bis zur Beethovenstraße, wo im Juni ein Feuer wütete, das mehr als 160 Menschen deren Wohnungen raubte. Mit anderen Helfern reagierte Jung sofort, organisierte eine Spendensammelstelle und teilte fünf Wochen lang Kleidung, Lebensmittel und Möbel an diejenigen aus, die alles verloren hatten. Darum ist Jung stellvertretend für die Freiwilligen Kandidatin für die Wahl zum „Mensch des Jahres“.

Sie erinnert sich noch gut an den Abend des 21. Juni 2014. „Ich konnte zwar keinen Rauch sehen, aber ich habe den Alarm gehört. Hier sind ständig Feuerwehrautos vorbeigefahren.“ Schon bald waren im sozialen Netzwerk Facebook die ersten Bilder zu sehen. „Morgens um 8 Uhr hatte ich plötzlich über 50 Beiträge auf meinem Handy. Mir war klar: Da ist was Schlimmes passiert“, erinnert sich Jung. Spontan gründete sie die Facebookgruppe „Hilfe für die Beethovenstraße“. Die Resonanz war groß. Bis zum Mittag waren mehr als 500 Menschen beigetreten. Viele machten erste Hilfsangebote, wollten Kleidung spenden. Mit einer Freundin wollte sie die Kleidung einsammeln und zu den Betroffenen bringen.

Doch ein Besuch in der Elsa-Brändström-Schule, Notunterkunft nach dem Feuer, zeigte: Die meisten Menschen waren schon woanders untergekommen. „Ein Entrümpelungsunternehmer hat sein leeres Ladenlokal auf Klostersande angeboten. Dort konnten wir erstmal alles sammeln. Da sind dann im Minutentakt Leute vorgefahren, die Sachen abgegeben haben.“ Es bildete sich ein festes Helferteam. Außer Jung arbeiten auch die Elmshornerinnen Nicole Lorentz, Suzan Staben, Manuela Wendt und Ute Pohl regelmäßig in der Sammelstelle.

Hilfsteam arbeitet jeden Tag neun Stunden lang

„Es waren immer mindestens zwei Leute da. Wochentags neun Stunden lang. Das war ein Vollzeitjob“, sagt Jung. Zu Beginn war die Nachfrage der Betroffenen gering. „Manche waren erstmal mit sich selbst beschäftigt. Viele haben sich bestimmt auch geschämt“, sagt Jung. Nach zwei Wochen mussten das Ladenlokal geräumt werden. Die Stadt vermittelte den alten Schlecker-Markt an der Schulstraße, der weitere drei Wochen Domizil der Sammelstelle wurde. Die Elmshorner spendeten auch Lebensmittel und Möbel. „Wir waren wie ein Tante-Emma-Laden. Nur haben wir die Sachen halt kostenlos an die Betroffenen abgegeben.“ Auch Elmshorner Unternehmen boten Hilfe an. „Wir haben eine Kaffeemaschine bekommen. So wurde unsere Sammelstelle zum Treffpunkt. Die Leute kamen zum schnacken und Kaffee trinken.“

Nicht alles lief perfekt. Im Internet wurden Vorwürfe laut. „Ich sei pressegeil und würde mich an den Spenden bedienen. Das wurde sehr persönlich“, bedauert Jung. Auch nutzten einige Spender die Gelegenheit, um Schrott zu entsorgen. Betroffene klagten auch über mangelndes Engagement der Deutschen Annington, Eigentümerin des Feuer-Hauses. Aber Jung zieht ein positives Fazit: „In Elmshorn haben alle super zusammengearbeitet.“

Welle der Solidarität nach der Feuerkatastrophe

Für Rettungskräfte und Feuerwehr ist es einer der größten Einsätze der vergangenen Jahre gewesen: Ende Juni brannte das Dachgeschoss eines Hochhauses an der Elmshorner Beethovenstraße. 100 Wohnungen wurden unbrauchbar, mehr als 160 Menschen standen plötzlich auf der Straße. Sie mussten Hab und Gut zurücklassen.

Viele Elmshorner zeigten ihre Solidarität mit den Feueropfern und begannen, Spenden zu sammeln. Unter ihnen war auch Nicole Jung. Gemeinsam mit etlichen Helfern richtete sie in einem leerstehenden Laden auf Klostersande eine Sammelstelle für Sachspenden ein. Die Freiwilligen richteten außerdem im sozialen Netzwerk Facebook eine Plattform ein, auf der sie Hilfsangebote koordinierten. Das Spendenbüro wurde schließlich in eine ehemalige Schlecker-Filiale an der Schulstraße verlegt.

„Im Fünf-Minuten-Takt kamen Spenden“, sagte Nicole Jung Mitte August, als sie und ihre Mitstreiter eine Dankesurkunde der Stadt Elmshorn für ihr Engagement bekamen. Der Krisenstab im Rathaus hatte bis dahin mehr als 350 Spendenangebote registriert. War die Resonanz der Betroffenen unmittelbar nach der Katastrophe noch verhalten, kamen mit der Zeit immer mehr Menschen in das Spendenbüro, um Hosen, Hemden oder auch Möbel und Lebensmittel abzuholen. Das Haus an der Beethovenstraße ist weiter unbewohnbar. Die Sanierungsarbeiten dauern bis weit ins kommende Jahr hinein.

Und so können Sie mit abstimmen

 

Wer von ihnen der „Mensch des Jahres 2014“ im Kreis Pinneberg wird, liegt nun in Ihrer Hand. Sie können sich auf drei Weisen an der Aktion  beteiligen: Schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff „Mensch des Jahres 2014“ an service@a-beig.de. Alternativ können Sie für Ihren „Mensch des Jahres“ auch bis einschließlich 23. November anrufen (für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunknetz kostet es mehr). Oder Sie senden eine SMS mit dem Inhalt „shz beig“ und der zweistelligen Kandidatennummer an die 42020 (Kosten sind tarifabhängig). Wir stellen Ihnen alle Nominierten im der nächsten Woche auch noch einmal ausführlich vor.

  • Montag, 20. Oktober Rolf-Oliver Hertling (01375-80401237-01)
  • Dienstag, 21. Oktober Gisela Maier (01375-80401237-02)
  • Mittwoch, 22. Oktober Willy Matzen (01375-80401237-03)
  • Donnerstag, 23. Oktober Helmut Fricke (01375-80401237-04)
  • Freitag, 24. Oktober Mireille-Christin Rehmann (01375-80401237-05)
  • Sonnabend, 25. Oktober Nicole Jung (01375-80401237-06)
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 25.Okt.2014 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen