„Nichts zu tun, ist größtes Risiko“

Gelöste Stimmung, bevor es zur Sache ging: Dr. Paul Raab (IHK Kiel/Elmshorn, von links), Wirtschaftsförderer Harald Poppner, Gastgeber Capt. Thomas Pötzsch, Dominique Neumann (Geschäftsführer CTP-Logistik), Professor Dr. Henning Vöpel (Geschäftsführer HWWI) und Bürgermeister Marc Trampe (parteilos).
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Gelöste Stimmung, bevor es zur Sache ging: Dr. Paul Raab (IHK Kiel/Elmshorn, von links), Wirtschaftsförderer Harald Poppner, Gastgeber Capt. Thomas Pötzsch, Dominique Neumann (Geschäftsführer CTP-Logistik), Professor Dr. Henning Vöpel (Geschäftsführer HWWI) und Bürgermeister Marc Trampe (parteilos).

Unternehmens-Gemeinde-Dialog zum Thema „Digitalisierung – Quo vadis Rellingen?“ bei Gastgeber Thomas Pötzsch/CTP

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07. Februar 2019, 16:00 Uhr

Erfolgsmodell Unternehmens-Gemeinde Dialog in Rellingen seit 2012: Am Dienstagabend bewies Capt. Thomas Pötzsch, Chef der in Rellingen ansässigen global agierenden Logistik-Firma für Schiffsgüter CTP, nicht nur Gastfreundschaft. Mit Professor Dr. Henning Vöpel, seit 2014 Geschäftsführer des Hamburgischen WeltWirtschaftsinstituts (HWWI) sowie Dr. Paul Raab von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kiel, Geschäftsstelle Elmshorn, konnte Pötzsch zwei Experten präsentieren, die kompetent und visionär das Thema des Abends „Digitalisierung – Quo vadis Rellingen?“ – beleuchteten.

Etwa 70 Kaufleute folgten der Einladung. Auch Vertreter aus der Politik und Verwaltung mit Bürgermeister Marc Trampe (parteilos), Büroleiter Uwe Goldt und Wirtschaftsförderer Harald Poppner ließen sich die Impulsvorträge und Diskussionen nicht entgehen. Laut Pötzsch, der zu Beginn digital eine Innenblick seiner Weltfirma gewährte, wählte die „komplexe Thematik, um sie für uns alle hier vor Ort, vor den Toren der großen Stadt, greifbar zu machen.“ Stichwort: lokale Herausforderungen auch lokal relevant betrachten.

Im leergeräumten Kraftraum im Untergeschoss des CTP-Firmensitzes in der Hauptstraße 12 setzte Professor Vöpel gleich einen inhaltlichen Fokus seiner Ausführungen: „Digitalisierung muss in einer Demokratie stets als Nutzen, nicht als Gefahr verstanden werden.“ Und legte zum Thema „Digitalisierung und Transformation von Wirtschaft und Region“ eine ernüchternde Prognose nach: Deutschland stagniere und verliere in Sachen Digitalisierung. Lediglich drei Milliarden Euro investiere die Bundesregierung bis 2025 in die Digitalisierung. Ein Budget, dass allein China für ein Jahr aufbringe.

„Nichts zu tun, ist das größte Risiko“, unterstrich Vöpel weiter. Der Volkswirtschafler mit Forschungs- und Themenschwerpunkten wie Konjunkturanalyse, Geld- und Währungspolitik, Finanzmärkte und Digitalökonomie warnte davor, die „Neuvermessung der Welt“ zu verpassen. Denn die unaufhaltsame Digitalisierung verändere Bildung, Arbeit und Sozialstaat in nicht zu unterschätzenden Dimensionen. Es gehe um Marktmacht. „Die verlagert sich zu denen, die Informationen haben“, unterstrich Vöpel weiter. Firmen-Giganten wie Apple, Amazon, Facebook und Alibaba würden dafür Pate stehen. „Wahrheit und Lüge, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung als große Expedition ohne Landkarte“ – Vöpel geizte während seines 40-minütigen Vortrags nicht mit Schlagwörtern, die Bilder im Kopf erzeugten.

Ein Phänomen, das auch dem zweiten Gastreferenten, Dr. Raab, gelang. Scheinbar konträr zu den Vöpel-Ausführungen, sieht der IHK-Chef der Geschäftsstelle Elmshorn eine andere Entwicklung: „Zwar ist für jede Firma ein Internetauftritt überlebenswichtig. Zu beobachten ist aber, dass Internethändler analoge Läden eröffnen.“ Denn der Trend sei, dass Kunden sich im Internet informieren, aber dann stationär einkaufen würden. Fakt sei: „Der Kunde sucht das Erlebnis, den Kontakt zum Menschen.“ Und wolle sich gleichzeitig von anderen abheben. „Das Massenprodukt ist out, Individualismus ist in“, sagte Raab.

Details, die anschließend für reichlich Diskussionen sorgten. Kehraus der analogen Gäste war gegen Mitternacht. Erfolgsmodell Unternehmens-Gemeinde-Dialog – kein Widerspruch.

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