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Kneipenschläger-Prozess : Neun Zeugen mit neun Versionen

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wer hat hier eigentlich was gemacht? Vier Männer müssen sich wegen einer Prügelei im Uetersener König Eck vor Gericht verantworten.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Am Amtsgericht Elmshorn hat gestern ein Prozess begonnen, dessen Hauptverhandlungssache eine Kneipenschlägerei ist. Diese hatte sich am 26. Januar im Uetersener König Eck ereignet. Vier Männer mussten sich dafür vor Gericht verantworten. Zweien von ihnen wurden gleichzeitig noch weitere Straftaten zur Last gelegt.

Insgesamt neun Zeugen sagten gestern darüber aus, wie die Schlägerei in der Gaststätte verlaufen sein soll, durch die ein 31-Jähriger Prellungen erlitt. Doch was tatsächlich geschah, ließ sich dadurch nicht rekonstruieren.

Das Geschehen habe sich zunächst im hinteren Bereich des Lokals abgespielt. Darüber waren sich alle Zeugen einig. Nach Aussage des Geschädigten sei der 26-jährige Daniel K. an ihm vorbeigegangen und habe ihn geschubst. Er habe dann zurückgeschubst, die Situation sei eskaliert. Der Geschädigte habe dann auf dem Fußboden gelegen und sei von mehrere Personen getreten und geschlagen worden. Um wen es sich dabei gehandelt habe, könne er jedoch nicht mehr mit Sicherheit sagen.

Dann sei Türsteher John S. eingeschritten. Gemeinsam mit seinem Bekannten Florian S., der ebenfalls angeklagt war, habe er den Geschädigten vor die Tür des Lokals gebracht. Dieser sei aufgebracht gewesen, habe wieder in die Gaststätte hinein gewollt. Florian S. sei daraufhin nach draußen gekommen und „gab mir eine“, wie der Geschädigte vor Gericht sagte. Bei seiner polizeilichen Vernehmung habe er jedoch nicht erwähnt, von Florian S. geschlagen worden zu sein, wie Verteidiger Christof Kordik erwähnte. „Im Nachhinein weiß ich aber, dass Florian S. das gemacht hat“, erläuterte der Geschädigte diesen Widerspruch.

Falsch ausgedrückt, falsch erklärt

Die Staatsanwaltschaft war nach den Zeugenaussagen nicht sicher, inwiefern Florian S. als Täter für die Körperverletzung infrage käme. Aus diesem Grund ließ das Gericht diesbezüglich die Anklage gegen ihn fallen. Schließlich sei Florian S. auch noch wegen Urkundenfälschung und dem Besitz von Schussmunition angeklagt. Dazu wurde gestern jedoch noch kein Urteil gefällt.

Das Verfahren gegen Daniel K. stellte das Gerichtgestern vorläufig ein. Jedoch mit der Auflage, dass dieser in den kommenden sechs Monaten insgesamt 450 Euro an den Lions Club Elbmarsch zahlen müsse. Sonst müsse er sich erneut vor Gericht verantworten. John S., der auf dem Polizeirevier noch gesagt habe, Daniel K. habe mehrfach auf den Geschädigten eingeschlagen, sprach gestern nur noch von einem Schlag. „Da habe ich mich falsch ausgedrückt und das falsch erklärt“, begründete er den Unterschied zwischen der polizeilichen Vernehmung und seiner Aussage vor Gericht.

Inwiefern die beiden anderen Angeklagten, Tobias K. und Timo M., für die Kneipenschlägerei verurteilt werden, soll während der Prozessfortsetzung am kommenden Mittwoch entschieden werden. „Herr M. wurde nur durch die Aussage von John S. belastet, und das dessen Aussage stimmt, zweifle ich stark an“, sagte M.s Verteidigerin Franziska Hammer. Sie werde Freispruch für ihren Mandanten fordern.

Auch Tobias K. muss noch auf sein Urteil warten. Er ist wegen einer weiteren Körperverletzung angeklagt. Diese habe er wohl begangen, allerdings sei er so betrunken gewesen, dass er sich nicht mehr daran erinnere, sagte er gestern.

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