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90 Jahre Walt Disney Company : Neun Jahrzehnte Erinnerungen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Rückblick: 1923 ist das Jahr, in dem Walt Disney seine Firma gründete. Zur gleichen Zeit wird Lothar Jaensch geboren.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 06:00 Uhr

„Ich bin älter“, lacht Lothar Jaensch (90), als er auf 90 Jahre Walt Disney angesprochen wird. Knapp vier Monate vor der Gründung des Filmstudios, das Klassiker wie „Bambi“ und „Mickey Maus“ produzierte, wird der Elmshorner in Schlesien geboren. Während in den USA die ersten Zeichentrickfilme in die Kinos kommen, absolviert Jaensch die Schule. 1938 fängt er in einem großen Kaufhaus in Breslau, dem heutigen polnischen Wroclaw, seine Lehre zum Textilkaufmann an. Nur ein Jahr später beginnt der Zweite Weltkrieg. „Dass wir diese Zeit erleben mussten, ist traurig“, so der Rentner.

1941 wird der damals 17-Jährige während des Arbeitsdiensts in Pommern eingesetzt. Während in Hollywood der Elefant Dumbo mit seinen übergroßen Ohren über die Bildschirme fliegt und die Herzen des Publikums erobert, gefriert in Pommern das Trinkwasser und erschwert die Situation der Arbeitsdienstler.

Im März des Folgejahres wird Jaensch zum Militär eingezogen und als Funker der 21. Panzerdivision im Afrika-Feldzug eingesetzt. Als die Truppe in Bengasi eingeschlossen ist, wird Jaensch mitgeteilt, dass er am folgenden Tag Panzer fahren soll - eine Aufgabe, der er sich nicht gewachsen fühlt. Kurze Zeit später bombadieren britische Flieger den Panzer. „Den musste ich dann zum Glück nicht mehr fahren“, so Jaensch.

Trotz der Wirren des Weltkriegs wird im August 1942 in den USA die Geschichte vom Bambi, dem Rehkitz mit den Kulleraugen, durch Disney erzählt. Jaensch bekommt davon nichts mit, obwohl es er und seine Kameraden ab Mai 1943 in Texas in ein Kriegsgefangenenlager kommen. „Dort ging es uns nicht schlecht. Am ersten Tag hing ein Schild da, dass man sich noch einmal Essen nachholen konnte, am nächsten Tag war das Schild weg, weil wir so zugeschlagen haben“, erinnert sich der Senior. Trotzdem seien die Bedingungen gut gewesen und einige Insassen konnten sogar außerhalb des Lagers arbeiten.

1948 darf er zurück nach Deutschland

Jaensch hilft in der Küche vor Ort, bis er nach Frankreich gebracht und dort in einer Farbenfabrik eingesetzt wird. „Durch die Arbeit habe ich meinen Geruchssinn verloren“, sagte der Elmshorner im Gespräch mit dieser Zeitung. Trotzdem fühlt er sich wohl, schließt Freundschaft mit einem Flamen, der dafür sorgt, dass Jaensch mehr Lebensmittel erhält. Als der Elmshorner 1948 zurück nach Deutschland darf, bittet er den Mann um seine Adresse. „Der sagte, du wirst uns doch eh vergessen, sobald du zuhause bist“, berichtet der 90-Jährige. Doch jahrzehntelang unterhält er mit dem ehemaligen Kollegen Kontakt. Nach Elmshorn führte ihn sein Bruder, der inzwischen dort sesshaft geworden war.

1953 ließ Disney Peter Pan, der nicht erwachsen werden wollte, über die Leinwand fliegen, während Jaensch sich dazu entschied, den Bund der Ehe einzugehen. 60 Jahre lang gingen seine Frau und er gemeinsam durch dick und dünn. Und wie in den Disneyfilmen erlebt Jenisch sein persönliches Happy-End. Auf die Frage, ob er die Trickfilmklassiker, die seit seinem Geburtsjahr produziert wurden, geschaut hat antwortet er: „Für so etwas hatte ich kaum Zeit, ich hab immer viel gearbeitet.“

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