Neues Konzept für die Wep

Sehen die Wirtschaftsförderung im Kreis Pinneberg nach vielen Querelen wieder auf einem guten Weg: Andreas Fohrmann, Oliver Stolz, Harald Schroers und Wilhelm Alms.
Sehen die Wirtschaftsförderung im Kreis Pinneberg nach vielen Querelen wieder auf einem guten Weg: Andreas Fohrmann, Oliver Stolz, Harald Schroers und Wilhelm Alms.

Wirtschaftsförderung des Kreises stabilisiert sich / Weniger Risiken für die Steuerzahler / Politische Parteien bekommen mehr Kontrolle

shz.de von
04. Juni 2014, 16:00 Uhr

Die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg mbH (Wep) hat ein neues Konzept. Nachdem sie jahrelang auf Schlingerkurs war, teilweise hoch verschuldet, ein Risiko für den Steuerzahler, wollen Geschäftsführung und Gesellschafter sie nun mit ihrem „Strategiekonzept 2014 bis 2018“ in ruhigeres Fahrwasser lenken.

Die Wep, deren Mehrheitsgesellschafter der Kreis ist, wird in Zukunft wieder Gewerbegrundstücke kaufen. Außerdem soll die Belastung für den Kreis sinken, indem die Basisförderung halbiert wird. Der Pinneberger Kreistag will das Geschäftsgebaren der Wep stärker als bisher kontrollieren. Am Montag hatte die Gesellschafterversammlung der Neuausrichtung zugestimmt. Zuvor hatte auch der Hauptausschuss des Kreistags in nichtöffentlicher Sitzung sein Placet gegeben.

Landrat Oliver Stolz maß dem Konzept fast historische Bedeutung zu: „Mit dem Handlungsplan gibt es eine neue Wep.“ Stolz sprach von einer schwierigen Liquiditätslage in der Vergangenheit, von Überschuldung, von einem hochproblematischen Unternehmen. Seit 2006 ist Harald Schroers Geschäftsführer der Wep. Ihm attestieren sowohl die politischen Parteien im Kreistag als auch Landrat und Aufsichtsrat gute Arbeit. „Dank des Geschäftsführers ist die Wep heute schuldenfrei“, sagte Stolz und bemühte eine Fußballmetapher in Anlehnung an den Hamburger Sportverein (HSV). „Wir haben den Abstieg vermieden. Nun eröffnet uns das Konzept neue Möglichkeiten“, sagte Stolz.

Die Kreisressourcen sollen geschont werden. „Bisher mussten wir häufig Kredite oder Garantien schultern“, sagte Stolz. Der Kreis zahlt zukünftig nur noch 100 000 statt wie bisher 200 000 Euro an Basisbeitrag, der für die Wirtschaftsförderung gedacht ist. Zudem soll die Wep diesen Geschäftsbereich nicht mehr mit Geld aus dem Grundstücksgeschäft quersubventionieren.


Andere Kreis leisten sich Gründerzentren


Was Schroers von der Kürzung hält? „Wenn ich zufrieden wäre mit dem, was ich bekomme, wäre ich ein schlechter Geschäftsführer“, sagte er diplomatisch – allerdings nicht ohne den Hinweis darauf, dass sich andere Kreise millionenschwere Gründerzentren leisten.

Viele Projekte brauchen künftig die Zustimmung des Kreistags. „Wir wollen wieder mehr Bindung zwischen Kreis und Wep“, sagte Stolz. Die Akzeptanz der Wirtschaftsförderer soll wachsen. Dazu sagte Aufsichtsrat Wilhelm Alms: „Mann kann nicht wegdiskutieren, dass das mehr Bürokratie bedeutet. Der Kreis hat sich damit selbst an die Kette gelegt.“ Die Politiker hätten zuletzt wenig ergebnisorientiert diskutiert. „Wie die Wep erfolgreich sein kann, muss die Zukunft zeigen. Es hängt von der Fähigkeit der Gesellschafter zur Kooperation mit der Geschäftsführung ab.“

Die Wep hatte zuletzt Gewerbegrundstücke verkauft und so Geldreserven aufgebaut. Bisher konnte sie keine neuen Flächen kaufen und weitervermarkten. Das kann sich nun ändern. Vorausgesetzt, Kommunen beteiligen sich mit mehr als 50 Prozent. Damit soll das Risiko – Kauf, Erschließung und Verkauf sind ein Zuschussgeschäft – auf mehrere Schultern verteilt werden.

Die Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK), eine der stärksten Lobbyorganisationen für die Wirtschaft in der Region, kommentiert die Neuausrichtung so: „Es ist ein deutlicher Fortschritt, dass die Wep zukünftig unter Beteiligung der Kommunen Grundstücke erwerben und entwickeln darf. Aus Sicht der IHK kann dies aber nur ein Durchgangsstadium sein. Wenn die Wep eine koordinierende Funktion bei der Gewerbeentwicklung
wahrnehmen soll, sollte sie auch ein Grundstücksgeschäft gänzlich auf eigene
Rechnung betreiben dürfen.“ Das teilte Paul Raab, Leiter der Elmshorner IHK-Zweigstelle, mit. Die Kontrolle der Politiker solle ein „begleitendes Controlling“ nicht überschreiten. Andreas Fohrmann, der die Sparkasse Südholstein als Mitgesellschafter vertritt, sagte: „Wir tragen das Konzept voll und ganz mit.“

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