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Chinesisches Neujahr : Neues Glück im Jahr des Pferdes

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Frauen aus China, Vietnam und Malaysia berichten von ihren Erinnerungen, Traditionen und Feiern im Kreis Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Morgen beginnt nach dem chinesischen Mondkalender das Jahr des Pferdes. Doch während in anderen Teilen der Erde zur Begrüßung des Chinesischen Neujahrs Feuerwerk, Drachentänze und Trommeln zum Einsatz kommen, wird im Kreis Pinneberg eher im kleinen Kreis gefeiert. Hier lebende Frauen aus Vietnam, China und Malaysia berichten von den Traditionen, Erinnerungen und Lebensgeschichten. Eins haben sie dabei gemeinsam: Auch wenn sie in Deutschland angekommen sind, vermissen sie „ihr“ Neujahrsfest.

Keine Chance, das Neujahrsfest noch einmal in ihrer Heimat Vietnam feiern zu können, sieht die 67-jährige Vu Thi Khieu. „Ich stehe dort auf der schwarzen Liste“, so die ausgebildete Lehrerin. Der Grund dafür: Die Menschenrechtsaktivistin setzt sich für politische Gefangene in ihrer Heimat ein. Dafür reiste sie bereits um die Welt.

Mit der Familie entfloh sie 1980 in einem kleinen Boot den Einschränkungen des Kommunismus. Ihre beiden Schwestern Hanh und Phuong Nguyen betreiben inzwischen einen Asia-Shop in Pinneberg. Vu Thi Khieu lebt in Hamburg und bietet in Pinneberg vietnamesische Kochkurse an, mit deren Erlös sie die Haftbedingungen vietnamesischer Gefangener verbessern möchte.

„Eigentlich vermisse ich das Fest in Vietnam. Es gibt ein großes Feuerwerk. Menschen feiern auf der Straße mit einem Drachentanz. Das ist ein Symbol dafür, das Neujahr zu empfangen und den Teufel zu vertreiben“, so die 67-Jährige „Hier dürfen wir ja kein Feuerwerk machen. Ich feiere mit meiner Familie oder in der Kirche in Hamburg mit vietnamesischen Katholiken. Neujahr essen wir zusammen mit Familie und Freunden, meist Fondue, Fleisch und Gemüse. Für Kinder gibt es einen roten Umschlag mit Geld.“

Die 40-jährige Chinesin Han Wang kam vor zehn Jahren aus beruflichen Gründen nach Deutschland, lebt in Tornesch und unterrichtet dort an der Volkshochschule Chinesisch. Sie sagt: „Heute würde ich in China von abends bis Mitternacht anstoßen, knallern, trinken, draußen auf der Straße sein. In Deutschland ist es trauriger. Ich treffe zwar meine chinesischen Freunde, aber wir können kein Feuerwerk machen. Um Mitternacht und an Neujahr gibt es Teigtaschen mit Füllungen aus Hackfleisch, Chinakohl, Sellerie oder Karotte.“ Das sei Tradition.

Am wichtigsten sei an den darauf folgenden Feiertagen jedoch die gemeinsame Familienzeit, gegenseitige Besuche, Geschenke für Eltern oder Schwiegereltern sowie voll gedeckte Tische. Sie erinnert sich gern: „Als ich klein war, bin ich mit anderen Kindern von Tür zu Tür gegangen, um Süßes zu sammeln. Jede Familie hat etwas vorbereitet, gedampft, frittiert. Es gab ja sonst nicht soviel zu Naschen. Wir haben auch neue Klamotten bekommen. Meine Mutter hat Stoff gekauft und selbst genäht, da wir nicht soviel Geld hatten. Das Haus wurde geputzt, rote Fensterbilder angeklebt und gute Wünsche auf rotem Papier über die Türen gehängt.“ Es habe rote mit Geld gefüllte Papierumschläge für die Kinder gegeben sowie am vierten oder fünften Tag des neuen Jahres Drachentänze.

In China nutze die Bevölkerung die Zeit um Neujahr für Reisen in die Heimat. Viele legten tausende Kilometer zurück. Die 40-Jährige fliegt jedes Jahr nach China, jedoch nicht zum Neujahrsfest. Sie hat eben nicht selbstverständlich an diesen Tagen frei wie die meisten Menschen in China. Traurig stimmt sie der Gedanke, auch in diesem Jahr ohne ihre Eltern zu feiern. „Sie werden älter und sind schon fast 80“, so Wang.

Seit 18 Jahren war Elaine Lee aus Malaysia zum Neujahrsfest nicht mehr in Kuala Lumpur. „Ich vermisse es“, sagt Lee. Sie berichtet von Paraden, Lichtern feuerspuckenden Drachen und familieneigenen Traditionen. Sie kam vor 26 Jahren nach Pinneberg – damals folgte sie der Liebe. Mittlerweile ist sie Chefin des Restaurants „Canton“. Rote Umschläge verteilt sie auch in Pinneberg an die Kinder ihrer Freunde, mit denen sie jedes Jahr beim gemeinsamen Essen feiert. Die große Neujahrsfeier mit Prosecco, Feuerwerk und Party gibt es allerdings an Silvester. „Ich feiere zweimal – und auch jeden Feiertag“, sagt sie lachend. Was das Jahr des Pferdes bringt? Lee ist sicher: „Es wird ein erfolgreiches Jahr.“

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