Kreis Pinneberg : Neues Auto für die Jagd auf Raser

Der Verwaltung auf den Zahn gefühlt: CDU-Politiker überzeugten sich persönlich davon, dass das Messfahrzeug des Kreises  verrostet und unergonomisch ist.
Der Verwaltung auf den Zahn gefühlt: CDU-Politiker überzeugten sich persönlich davon, dass das Messfahrzeug des Kreises verrostet und unergonomisch ist.

Die Verwaltung will für 65.000 Euro neues Fahrzeug anschaffen. Der CDU ist der "Goldesel" aber noch zu teuer.

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27. November 2013, 12:00 Uhr

Der Goldesel des Kreises Pinneberg ist in die Jahre gekommen. Fast neun Jahre lang haben Mitarbeiter der Kreisverwaltung mit dem Mercedes Vito (Baujahr 2005) erfolgreich Jagd auf Raser gemacht. An Unfallschwerpunkten, vor Schulen und Kindergärten stand der Messwagen und sorgte regelmäßig dafür, dass die Kassen klingelten. Die Blitzer im Kreis Pinneberg haben im vorigen Jahr insgesamt 600 000 Euro in den Etat gespült. Doch zumindest der Vito wird künftig nicht mehr so viel zum Erfolg beitragen. Rost an Türen, Heckklappe und Unterboden machen dem Fahrzeug zu schaffen. Und ergonomisch ist der Van auch nicht: Die geringe Deckenhöhe, die schlechte Position von Bildschirm und Tastatur und die fehlende Möglichkeit, einen Bürostuhl optimal aufzustellen macht die Mitarbeiter krank.

Die Reparatur des in die Jahre gekommenen Mercedes würde laut Verwaltung bis zu 6000 Euro kosten. Lohnt nicht, so die Schlussfolgerung. Zumal der Wagen laut Schätzung eines Sachverständigen nicht mehr als 7800 Euro Wert ist. Die Verwaltung schlägt daher vor, einen neuen Messwagen zu kaufen. 65 000 Euro soll heute Abend der Ausschuss für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Verkehr des Kreistags in den Haushalt für das kommende Jahr einstellen – damit der vierrädrige Goldesel auch weiter das macht, was er soll: Geld ausscheiden.

Statt eines Vito, so erläuterte Kreissprecher Marc Trampe, will die Verwaltung künftig in einem T 5 von Volkswagen auf die Jagd nach Rasern gehen. Dieser habe im Vergleich zu dem derzeitigen Messwagen mehrere Vorteile. „Er ist höher“, so Trampe – und damit als Arbeitsplatz wesentlich ergonomischer. Zudem liefere das Messtechnik-Unternehmen vorgefertigte Teile für den T5, was Geld spare. Und: Mit dem neuen Fahrzeug könne auch eine Person allein den Blitzer in Betrieb nehmen. „Das sorgt für geringere Ausfallzeiten“, sagte Trampe im Gespräch mit dieser Zeitung.

Daran, dass der neue Messwagen beschafft werden soll, gibt es keine Zweifel. Dennoch wird die Vorlage der Verwaltung heute Abend für Diskussionen sorgen. Die CDU will die Kosten für das Fahrzeug senken – auf maximal 50 000 Euro. Die Christdemokraten hatten sich jüngst das Fahrzeug angesehen. Denn Jörn Kruse, Sprecher des Ausschusses für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Verkehr der CDU-Fraktion, wollte sich nicht auf die Angaben der Verwaltung verlassen. „Es ist wichtig, dass wir uns auch ein praxisnahes Bild vor Ort machen, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu haben“, so Kruse. Insbesondere in Zeiten knapper Kassen sei es wichtig, jede Investitionsentscheidung auf die tatsächliche Notwendigkeit zu prüfen.

Immerhin: Dass eine Neuanschaffung notwendig ist, davon sind Kruse und seine Parteifreunde mittlerweile überzeugt. Nur vom Preis nicht. Schließlich haben die Christdemokraten erfahren, dass derartige Fahrzeuge in Hamburg für 50 000 Euro angeschafft werden. „Was in Hamburg möglich ist, muss auch im Kreis Pinneberg möglich sein“, lautet Kruses Schlussfolgerung.

Ob die CDU mit ihrem Sparvorschlag und dem Hinweis auf die Hansestadt ins Schwarze getroffen hat, scheint derzeit eher fraglich. „Die Hamburger verwenden eine andere Messtechnik als wir“, erläuterte Trampe. Die Fahrzeuge seien demnach nicht zu vergleichen. Letztendlich, so der Kreissprecher, handele es sich aber um eine politische Entscheidung. „Was der Ausschuss beschließt, wird umgesetzt.“

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