Hilfe, wenn Eltern am Limit sind : Neues Angebot zur Unterstützung: Psychische Erkrankungen bei Vätern und Müttern

Wollen gemeinsam Familien mit psychisch kranken Eltern helfen: Päivi Klinge (v. l.), Maike Bredehorn und Mandana Kröger von der Awo Pinneberg/Quickborn, Delia Peres (Awo) und Claudia Morsinger (Lebenshilfe Pinneberg) für die Region Schenefeld/Wedel, Heike Ritt und Andrea Jebens, beide vom Verein für Jugendhilfe und Soziales Pinneberg sowie Imme Schippmann, Anne Gödecke und Olaf Schneider von der Brücke Elmshorn.
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Wollen gemeinsam Familien mit psychisch kranken Eltern helfen: Päivi Klinge (v. l.), Maike Bredehorn und Mandana Kröger von der Awo Pinneberg/Quickborn, Delia Peres (Awo) und Claudia Morsinger (Lebenshilfe Pinneberg) für die Region Schenefeld/Wedel, Heike Ritt und Andrea Jebens, beide vom Verein für Jugendhilfe und Soziales Pinneberg sowie Imme Schippmann, Anne Gödecke und Olaf Schneider von der Brücke Elmshorn.

Um Familien zu helfen und ihnen eine Anlaufstelle zu bieten, sind im Kreis Pinneberg jetzt unter dem gemeinsamen Namen „Kopfstand“ vier Gruppenangebote gestartet.

shz.de von
29. März 2017, 09:56 Uhr

Pinneberg | Kinder psychisch kranker Eltern führen oft ein Schattendasein: In manchen Fällen wird die Krankheit vor den Kindern verschwiegen, obwohl diese spüren, dass mit Vater oder Mutter etwas nicht stimmt. Oder die Depression eines Elternteils dominiert das gesamte Familienleben, sodass die Kinder nicht mehr Kind sein können. Um diesen Familien zu helfen und ihnen eine Anlaufstelle zu bieten, wurden im Kreis Pinneberg jetzt unter dem gemeinsamen Namen „Kopfstand“ vier Gruppenangebote gestartet.

Wie Vertreter der beteiligten Organisationen – der Brücke Elmshorn, der Verein für Jugendhilfe und Soziales Pinneberg, die Lebenshilfe Pinneberg und die Arbeiterwohlfahrt (Awo) – bekanntgaben, fördert der Kreis die Angebote mit knapp 90.000 Euro pro Jahr. Für drei Jahre ist die Finanzierung gesichert. „Die psychische Erkrankung eines Elternteils bedeutet für die Familie häufig die Auflösung eingespielter Beziehungsmuster und den Verlust der emotionalen Stabiliät“, erklärt Maike Bredehorn von der Awo in Pinneberg. Wie es in einer Mitteilung heißt, sollen die „Kopfstand“-Angebote den Kindern helfen, deren Selbstwahrnehmung und die eigene Persönlichkeit zu stärken.

Außerdem soll unter anderem die sogenannte Resilienz bei den Mädchen und Jungen gestärkt werden. Das heißt: Sie sollen lernen, mit der Krankheit so umzugehen, dass sie nicht selbst psychische Belastungen erleben, aus denen sich dann möglicherweise Krankheiten entwickeln. Denn genau aus dieser Erfahrung heraus sind die Gruppen nun ins Leben gerufen worden. Maike Bredehorn von der Awo sagt: „Wir haben beim jahrelangen Umgang mit psychisch kranken Erwachsenen gemerkt, dass die Kinder dann später auch bei uns in Maßnahmen landen.“ Einer der Gründe sei, dass die Familien oft nicht wüssten, dass es für die Kinder auch Hilfe gibt: „Und diesen Zustand wollen wir beenden.“

Prominentes Beispiel für ein Kind mit einer psychisch kranken Mutter ist Hape Kerkeling. Die Kindheit, die stark unter dem Eindruck der Depressionen und des Suizids seiner Mutter stand, beschrieb er in dem 2014 erschienenen Buch „Der Junge muss an die frische Luft“. Der Spiegel schrieb in seiner Rezension zu dem Werk, dass Kerkeling dort den Suizid seiner Mutter als „eine zentrale Katastrophe“ beschreibt, um die das ganze Buch kreist: „Das Trauma vernichtet das kindliche Subjekt und entlässt eine neue Persönlichkeit hinaus an die frische Luft.“
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