Tornesch : Neue Einrichtung für weibliche Migranten und Flüchtlinge

Sie freuen sich über die Spielzeug-Spenden, die Adlershorst-Vorstandssprecher Uwe Wries zur Verfügung gestellt hat: Lena Behrens mit ihrer Tochter Lana (v. l.), Ilse Mettjes (Koordinatorin Awo-Familienzentrum), Café-Mitarbeiterinnen Jasmin Alabed und Yvonne Hollers sowie Sabine Kählert (Leiterin des Amtes für soziale Dienste).
Sie freuen sich über die Spielzeug-Spenden, die Adlershorst-Vorstandssprecher Uwe Wries zur Verfügung gestellt hat: Lena Behrens mit ihrer Tochter Lana (v. l.), Ilse Mettjes (Koordinatorin Awo-Familienzentrum), Café-Mitarbeiterinnen Jasmin Alabed und Yvonne Hollers sowie Sabine Kählert (Leiterin des Amtes für soziale Dienste).

Ein Sprachcafé für Mütter und Minis. Neue Einrichtung in Tornesch richtet sich vor allem an weibliche Migranten und Flüchtlinge. Großzügige Spielzeugspende.

shz.de von
13. Mai 2015, 16:00 Uhr

Tornesch | Die Sprachbarriere ist für viele Flüchtlinge in Deutschland − neben anderen Problemen − eines der größten Hindernisse bei der Integration. Und das gilt auch für Kinder. Abhilfe soll in Tornesch das vor wenigen Wochen ins Leben gerufene Mini-Sprachcafé schaffen, das sich an Kinder bis ins Kita-Alter richtet. In den Räumen des Stadtteilbüros in der Pommernstraße werden die Kleinen und deren Eltern dabei spielerisch an die Sprache herangeführt.

110 Flüchtlinge mit 23 Kindern leben derzeit in Tornesch. Für sie − und für andere Migranten − öffnen Erzieherin Yvonne Hollers und Mitarbeiterin Jasmin Alabed jeden Dienstag um 10 Uhr die Türen des Mini-Sprachcafés. Zwei Stunden lang heißt es dann: Erste Wörter auf Deutsch kennenlernen und einfache Sätze bilden. „Zunächt gibt es immer eine Vorstellungsrunde“, erläutert Hollers. Dabei nennen die Teilnehmer ihre Namen und sagen, aus welchem Land sie stammen − und das auf Deutsch. Reichen die Kenntnisse nicht aus, hilft Jasmin Alabed, die jüngst aus Hamburg nach Tornesch gezogen ist und fließend arabisch spricht.

„Die Kinder sollen mit einfachen deutschen Wörtern vertraut gemacht werden“, beschreibt Yvonne Hollers das Konzept. Ziel sei, die Kleinen möglichst gut auf den späteren Besuch einer Kindertagesstätte vorzubereiten. „Deswegen sollen die Eltern hier auch nur Deutsch sprechen“, so Hollers, die jüngst eine Fortbildung zur Sprachförderung im Kindesalter absolviert hat.

Mit dem Sprachcafé Come Together, das jeweils freitags angeboten wird, gibt es zwar bereits ein Angebot in Tornesch. „Doch dorthin kommen fast nur Männer“, hat Hollers beobachtet. Deswegen sei die Idee zu dem Mini-Sprachcafé entstanden, die Ilse Mettjes, Koordinatorin des Awo-Familienzentrums Tornesch, gerne aufgenommen hat. Mit Unterstützung von Sabine Kählert, Leiterin des Amtes für soziale Dienste der Stadt, konnten sie diese nun verwirklichen.

Nachdem zum ersten Termin vor drei Wochen niemand erschienen war, sind die Organisatoren des Cafés mittlerweile mit der Resonanz zufrieden. „Bis zu sechs Erwachsene mit ihren Kindern nutzen das Angebot“, so Hollers. Die Familien stammen aus Syrien und Afghanistan. „Einige Kinder sind traumatisiert“, berichtet Jasmin Alabed. Doch im Sprachcafé würden sie auftauen und die vielen neuen Erfahrungen regelrecht aufsaugen.

Finanziert wird das Angebot durch Spenden und die Stadt, die den Raum quasi kostenfrei zur Verfügung stellt. Noch sechs Termine wird es bis zur Sommerpause geben, dann ist vorläufig Schluss. Doch die Organisatoren hoffen auf eine Fortsetzung. „Wir haben schon einen kleinen finanziellen Grundstock für die Weiterführung“, so Mettjes, die auf weitere Spenden und auch die Unterstützung der Politik hofft. „Denn wir wollen weitermachen.“

Dafür, dass den Kindern im Mini-Sprachcafé genügend Spielzeug zur Verfügung steht, hat die Baugenossenschaft Adlershorst gesorgt. Das Unternehmen hatte seine Mitglieder um Sachspenden gebeten − mit großem Rücklauf, wie Vorstandssprecher Uwe Wirries sagte. Ob Kuscheltiere, Bausteine oder Puzzle, einen rund 20 Quadratmeter großer Raum hätten die Spenden gefüllt. Sie werden nun an verschiedene Einrichtungen im Kreis verteilt − darunter auch das Mini-Sprachcafé.
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