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Kreis Pinneberg : Neue Aufgaben für den DRK-Bereitschaftsdienst

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Feuerkatastrophen in Elmshorn und Schenefeld sind erste große Einsätze für neue Betreuungsgruppe. Obdach für 40 Menschen.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2014 | 11:45 Uhr

Kreis Pinneberg | Es ist schon dunkel, als sich am 21. Juni plötzlich die Pieper der Rotkreuzler im Kreis Pinneberg melden. Großeinsatz in Elmshorn heißt es gegen 23.30 Uhr. An der Beethovenstraße brennt das Dachgeschoss eines Hochhauses. Feuerwehrleute versuchen da bereits seit einer halben Stunde, die Flammen zu löschen. Feuer, Rauch und Wasser machen 100 Wohnungen unbrauchbar. Mehr als 150 Menschen stehen auf der Straße.

Die Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gehören zum Bereitschaftsdienst. Diese Einheit wurde nach dem Zweiten Weltkrieg für den zivilen Katastrophenschutz gegründet. Doch seit etwa einem Jahr hat der Dienst eine neue Aufgabe: Er soll sich bei sogenannten Großschadenslagen sowohl um die Versorgung der Opfer als auch der Rettungskräfte und Feuerwehrleute kümmern.

Das Feuerdrama in einem Schenefelder Seniorenheim, bei dem drei Menschen starben, und der Hochhausbrand in Elmshorn waren die ersten großen Prüfungen für die Rotkreuzler mit dem neuen Einsatzauftrag. Während das Unglück in Schenefeld das menschlich tragischere war, wurde der Einsatz in Elmshorn zur größeren logistischen Herausforderung, erinnert sich Stephan Isachsen, Kreisbereitschaftsleiter des DRK. „Wir mussten mitten in der Nacht für etwa 70 bis 100 Menschen eine Notunterkunft herrichten“, sagt Isachsen.

Elmshorn, Beethovenstraße, 0.11 Uhr: Die Leitstelle in Elmshorn alarmiert weitere DRK-Kräfte. Am Unglücksort hat die Vorhut gemeinsam mit der Feuerwehr ein Notquartier gefunden. Die Elsa-Brändström-Schule ist von der Beethovenstraße zu Fuß erreichbar. „Wenn gar nichts geht, bauen wir Zeltlager auf. Aber zuerst suchen wir immer nach öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Turnhallen. Denn dort gibt es bereits Sanitäranlagen“, sagt Isachsen. Inzwischen wird die Zahl der Betroffenen, die ein Dach über dem Kopf brauchen, auf etwa 40 korrigiert.

Innerhalb einer Stunde steht die Versorgung: Die Helfer stellen in vier Klassenräumen insgesamt 40 Feldbetten auf, richten eine Registrierungsstelle ein, an die sich suchende Angehörige wenden können, bringen Schilder und Wegweiser zu Schlafräumen und Sanitäranlagen an, bauen einen Stand für die Essens- und Getränkeausgabe auf. Um 2 Uhr kommen die ersten Betroffenen. „Für die Versorgung der Menschen ist das örtliche Ordnungsamt verantwortlich. Die Behörden können aber so schnell unmöglich so viele Menschen unterbringen. Wir dagegen können die Logistik sicherstellen. Deswegen ist dem Bereitschaftsdienst diese Aufgabe übertragen worden“, sagt Isachsen.

Die Eingreiftruppe hat auch eine Notration an Lebensmitteln dabei. „Wir können Getränke und eine warme Erbsensuppe bereitstellen. Außerdem arbeiten wir mit Supermarktketten zusammen, sodass wir auch nachts schnell an größere Mengen von Lebensmitteln kommen“, sagt Isachsen.

Nach maximal 24 Stunden müssen dann die Ordnungsämter übernehmen und nach Unterkünften suchen, sofern die Menschen nicht bei Verwandten untergekommen sind. In Elmshorn ist die Schule am Folgetag um 12 Uhr wieder leer, der Einsatz für die DRK-Bereitschaft beendet.

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