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Kreis Pinneberg : Netzwerk gegen Rechtsextremisten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Regionales Beratungsteam setzt auf Prävention. Kreis Pinneberg arbeitet mit Nachbarkreisen Steinburg und Dithmarschen zusammen.

Kreis Pinneberg | Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, Schmierereien, Körperverletzungen, Demonstrationen und Kundgebungen – die Zahl der Übergriffe mit rechtsextremen Hintergrund nimmt zu. Laut einer Statistik des Bundeskriminalamts hat es in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 461 Taten gegeben, bei denen die Behörde einen rechten Hintergrund vermutet. Das sind mehr als doppelt so viele, wie im vergangenen Jahr. Die meisten Taten wurden in Nordrhein-Westfalen registriert, gefolgt von Sachsen. Aber auch Schleswig-Holstein und der Kreis Pinneberg sind nicht frei von Ausländerfeindlichkeit und rechtem Gedankengut.

„Das fängt bei Sprüchen auf dem Schulhof, in Whats-App-Gruppen oder anderen sozialen Netzwerken an“, sagt Till Stehn vom Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus. Ausschreitung und Gewalt seien nur die letzte Eskalationsstufe. Darum setzen Stehn und seine Mitstreiterin Kristin Kröckel möglichst früh an. Als Beratungsteam sind sie für die Präventionsarbeit in den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen zuständig. In Schulen, Sportvereinen, Jugendklubs, Kommunen und Unternehmen klären sie auf – und machen vor allem Mut. „Unser Anliegen ist es nicht, konkret zu sagen, was passieren muss. Wir wollen den Betroffenen helfen, damit sie selbst handeln können“, sagt Stehn. Einen allgemeingültigen Lösungsansatz gebe es nicht. „Die Hilfe muss ebenso individuell sein wie die Probleme der Betroffenen“, sagt Kröckel. Auch der Nachbar, der sich nicht sicher ist, ob die Flagge im Garten nebenan möglicherweise verboten ist, Eltern, die von ihren Kindern auf Vorfälle in der Schule aufmerksam gemacht werden, oder ein Lehrer, der sich vergewissern möchte, dass er in einem rechtsextremen Vorfall an seiner Schule richtig gehandelt hat, gehören zu den Ratsuchenden.

Das Problem seien oft nicht diejenigen, die vereinzelt rechte Propaganda verbreiteten. „Es ist eher die große Menge, die das mitbekommt und nichts sagt, sich dem nicht entgegenstellt“, sind sich die beiden Experten sicher.

Die Zahl ausländerfeindlicher Übergriffe steige aber nicht erst jetzt. Schon seit seit dem vergangenen Jahr habe das Beratungsteam einen kontinuierlichen Anstieg beobachtet. Sorge bereite Kröckel und Stehn auch, dass die Täter vielfach aus der Mitte der Gesellschaft stammten. „Es sind nicht die bekennenden Rechten, denen man ihre Ideologie ansieht“, sagt Stehn. Allerdings würden diese Menschen nach ihrer Tat offen zutiefst rechtsextreme oder rassistische Gründe für ihr Handeln anführen.

Noch sei die Situation in Schleswig-Holstein im Vergleich zu anderen Bundesländern relativ gut. Pegida ähnliche Bewegungen wurden häufig im Keim erstickt. Es bleibe die Erkenntnis: Die Rechtsextremen sind dort besonders gefährlich, wo sie organisierte Strukturen haben und Räume nutzen können. Am schwächsten sind sie dort, wo sie Widerstand erfahren, wo sich ihnen viele andere entgegenstellen und wo sie keinen Nährboden für ihre Hetzparolen finden.

Im Kreis Pinneberg ist das Netzwerk organisierter Rechtsextremer während der vergangenen Jahre deutlich schwächer geworden. Das stellte jedenfalls der schleswig-holsteinische Verfassungsschutz in seinen jüngsten Berichten fest. Trotzdem: Mit dem NPD-Landesvorsitzenden Ingo Stawitz wohnt eine rechte Führungsfigur in Uetersen. Und die „Jugend für Pinneberg“ ist laut Verfassungsschutzbericht eine der „wenigen in Schleswig-Holstein noch vorhandenen strukturierten aktionistisch-neonazistischen Personenzusammenschlüsse.“

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erstellt am 03.Nov.2015 | 16:00 Uhr

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