Halstenbek : Nein zum größeren Gewerbegebiet

Am Halstenbeker Verbindungsweg wird wohl kein weiteres Gewerbegebiet entstehen.
Am Halstenbeker Verbindungsweg wird wohl kein weiteres Gewerbegebiet entstehen.

Halstenbeker Bauausschuss stimmt knapp gegen den B-Plan für eine Gewerbeflächenerweiterung am Verbindungsweg.

shz.de von
15. Mai 2015, 16:09 Uhr

Halstenbek | Dienstagabend, kurz nach 21 Uhr im Sitzungssaal des Halstenbeker Rathauses: Die Tagesordnungspunkte 9 und 10 werden mit knapper Mehrheit abgelehnt, im Publikum brandet tosender Applaus auf. Denn mit der Entscheidung der Kommunalpolitiker könnte der seit Jahren andauernde Konflikt um die Erweiterung des Gewerbegebietes am Verbindungsweg nun entschieden sein − mit dessen Ablehnung zur Zufriedenheit der Anwohner.

Es war voll in dem kleinen Sitzungsraum mit Blick auf den Rathausvorplatz. So voll, dass Verwaltungsmitarbeiter etliche Stühle aus benachbarten Räumen heranschaffen mussten, damit zumindest der Großteil der knapp 50 Gäste sitzen konnte. Fast alle waren wegen der Entscheidung über die Aufstellung des Bebauungsplanes 78 erschienen. Was unspektakulär klingt, sorgt in der Gemeinde seit Jahren für Streit. Beteiligte: Teile der Politik auf der einen, Anwohner auf der anderen Seite. Während die Befürworter stets argumentierten, dass die Erweiterung des Gewerbegebietes dringend benötigte Einnahmen bringe und somit dem Wohl der gesamten Gemeinde diene, verwiesen Gegner stets auf die negativen Folgen für das in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Wohngebiet. Etwa 60 Anwohner gründeten im Januar 2014 sogar eine Bürgerinitiative (BI).

Am Dienstag kam es nun zum Showdown. Zahlreiche Anwohner meldeten während der Anhörung Redebedarf an, einige hatten seitenlange Reden vorbereitet. Darin erneuerten sie ihre Kritik an dem Vorhaben. „Es ist eine objektive Unmöglichkeit“, sagte etwa Anwohner Peter Schumacher, der auch zum Kernteam der BI gehört. Die Einschränkungen durch eine mögliche Erweiterung seien für die Anwohner enorm. Zudem fehle eine städtebauliche Gesamtplanung. Auch über den Umgang mit den von den Betroffenen geäußerten Einwendungen zeigte sich Schumacher enttäuscht. „Es wird rein juristisch und formal über die Bedenken der Anwohner, die seit Jahren dort leben, hinweggegangen.“

Von deutlicher Wertminderung der Grundstücke sprach ein anderer Anwohner. Der immer wieder von Seiten der Politik und Verwaltung geäußerte Vorwurf, bei der Kritik handele es sich um subjektive Wahrnehmungen, sei falsch. Einhellig appellierten die Bürger an die Politiker: „Denken Sie über einen anderen Weg nach.“ Äußern wollten sich von den Angesprochenen nur Andreas Pauli und Hans-Jürgen Rebenther von der CDU. Sie machten deutlich, dass die Christdemokraten gegen die Erweiterung des Gewerbegebietes seien. „Das Grundstück ist nicht für eine derart massive Bebauung geeignet“, sagte Rebenther und wurde deutlich: „Das ist ein Stück aus dem Tollhaus.“

Geschlossen stimmten CDU und FDP schließlich gegen den B-Plan. Da sich zudem je ein Vertreter von SPD und Grünen enthielt, war dessen Schicksal besiegelt. Zumindest vorläufig. Denn die Gemeindevertretung ist nicht an den Beschluss gebunden. Dennoch: Mit „großer Freude“ nahmen Vertreter der BI das Ergebnis zur Kenntnis. Zwar sei das Gefühl im Vorwege der Sitzung nicht gut gewesen, doch nun sei ein „Erfolg auf ganzer Linie“ zu verzeichnen.

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