NDR Bigband wird weiblich

Seit Anfang Januar festes Mitglied der NDR Bigband: Sandra Hempel.
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Seit Anfang Januar festes Mitglied der NDR Bigband: Sandra Hempel.

Gebürtige Pinnebergerin und Gitarristin Sandra Hempel erhält als erste Frau einen festen Vertrag beim renommierten Jazz-Ensemble

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02. Februar 2018, 16:00 Uhr


Sound, Phrasierung, Melodieführung, Harmonieverständnis – erklingt die Gitarre von Sandra Hempel, weiß der kundige Jazz-Fan in wenigen Sekunden, wer auf der Bühne virtuos die Saiten bedient. Die gebürtige Pinnebergerin sorgt seit Jahren national und international für Aufmerksamkeit. Und hat dabei nie die Nähe zur Szene der Jazzstadt Hamburg und besonders zur NDR Bigband aus den Augen verloren. Das wurde jetzt belohnt: Als erste Frau überhaupt, hat die 1972 in Pinneberg geborene Musikerin einen festen Vertrag mit dem renommierten Ensemble unterzeichnet. Hempel tritt die Nachfolge von Stephan Dietz (1954-2017) an, der der Bigband in der Zeit von 1990 bis 2016 angehörte.

Hempel und die Bigband – das passt. Und das schon seit 2007. Ihre erste gemeinsame Aufnahme ist in diesem Jahr entstanden. Seitdem kam es wiederholt zu Begegnungen – auf der Bühne, im Studio. In großer Besetzung, oder mit Bandmitgliedern in kleiner Combo. Stets verstand es Hempel, ihre Ideen in den komplexen Partituren zu entfalten. Erst kürzlich wurde eine CD-Produktion mit dem Sänger Thomas Quasthoff abgeschlossen. Die Verbindung mit der NDR Bigband ist ein Novum für die umtriebige Musikerin. Als stets frei arbeitende Künstlerin standen plötzlich Begriffe wie „Pensionskasse“ oder „Renteneinstrittsalter“ im Mittelpunkt, amüsiert sich Hempel in einem Interview mit NDR-Moderatorin Jessica Schlage.

Hempel weiß die Ehre zu schätzen. Vor allem, weil Bandmitglieder, Chefdirigent Geir Lysne und die Redaktion der NDR Bigband sich geschlossen für sie entschieden haben. Eine Rückenstärkung, die sie freut, die sie ehrt.

Und auch in die Pflicht nimmt. Nahezu tägliche Proben, Auslandsreisen, diverse Projekte mit unterschiedlichen Stilen. Scheu davor kennt Hempel nicht. Zumal das Engagement eine 50-Prozent-Stelle ist. „Das kommt mir auch sehr entgegen, dass ich dann parallel andere Projekte weitermachen kann. Ich glaube, man bewahrt sich damit eine gewisse Frische, wenn man immer wieder nach draußen tritt und dann wieder hereinkommt“, gesteht Hempel im Gespräch mit Schlage. Dass manches Projekt nicht immer ihrem Stil- und Formgefühl entspricht, damit kann Hempel leben. „Mir ist klar, dass nicht jedes immer den eigenen Geschmack trifft, das war sicherlich auch in meinen Aushilfszeiten manchmal der Fall. Trotzdem hat es mir immer Spaß gemacht, zu spielen. Gerade, wenn ich gefordert bin, mich einzubringen, also, was zu gestalten oder die Parts, die arrangiert wurden, gut zu spielen.“

Es dürfte ausgemachte Sache sein, dass Hempel es verstehen wird, der Bigband ihren Stempel aufzudrücken. Während der rührenden Hommage an Michael Gibbs zu dessen 80. Geburtstag am 22. September 2017 im Studio Eins in Hamburg stand Hempel ebenfalls auf der Bühne – ihr intensives Ensemblespiel gehörte zu den Höhepunkten des Abends.

„Ich bin einfach gern hier, ich mag die Band gern. Da gibt es niemanden, mit dem ich nicht klar käme. Und insofern war es wirklich auch keine lange Entscheidung, hier zuzusagen.“ Die Verantwortlichen im NDR dürften ihr Votum nicht bereuen.

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